Reaktion auf den Tsunami in Japan: Deutsche gegen Atomkraftwerke

Windrad in Leibertingen - Monika Hermeling
Windrad in Leibertingen - Monika Hermeling
So reagieren die Deutschen auf die Ereignisse in Japan. Eine Unterschriftenliste an Angela Merkel für die Abschaltung aller Atomkraftwerke in Deutschland.

Die Landtagswahlen am 27.März 2011 in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg heizen, mit Blick auf die nuklearen Probleme in Japan, bei den Bürgern die Debatten um eine Laufzeitverkürzung oder einen Ausstieg aus der Kernenergie, kräftig an. Fassungslos sehen viele Bürger Berichte vom Erdbeben in Japan, seinen Folgen den zahlreichen Nachbeben und den Auswirkungen für die Atomkraftwerke an. Erstmal konnten sie live und in Farbe, fast zeitgleich, besser informiert als die Menschen vor Ort, an einer beispiellosen Naturkatastrophe teilnehmen. Viele Bürger in Deutschland fühlen sich durch die spärliche Berichterstattung aus Japan nicht ausreichend informiert und fragen sich besorgt, wie sicher die Atomkraftwerke in Deutschland sind. Russlands Regierung will, so berichtet die Tageschau in der ARD, bis zum Jahr 2030, 26 neue Atomreaktoren bauen. Der Premierminister Wladimir Putin ist der Überzeugung, dass die Atomkraft für Russland keine Gefahr darstelle.Die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton ging auf Distanz zum Atomkurs des Weißen Hauses.Präsident Barack Obama bestätigte bis zum 17.März wiederholt, dass seine Berater und er auf die Kernkraft setze.

Atomdebatte wieder belebt

Es ist der vulkanisch aktive Oberrheingraben, auf dem das Kernkraftwerk Biblis steht, der den Atomkraftgegnern Kopfzerbrechen bereitet. Zwar halten Ministerpräsident Volker Bouffier und Umweltministerin Lucia Puttrich, CDU, in einer gemeinsamen Stellungnahme ein so starkes Erdbeben wie in Japan, in dieser Region„nach menschlichem Ermessen“ für ausgeschlossen, dennoch werde geprüft, ob sich dortige Erkenntnisse auf die Sicherheit in deutschen Atommeilern auswirken könnten.

"Abschalten, abschalten", war auf zahlreichen Plakaten zu lesen

Am Wochenende zeigten etwa 60.000 Menschen, die zwischen Stuttgart und dem Atomkraftwerk (AKW) Neckarwestheim eine 45 Kilometer lange Menschenkette bildeten, dass sie mit den Überlebenden der Katastrophe in Japan mitfühlen und fordern, dass alle Atomkraftwerke in Deutschland sofort abgeschaltet werden. Am Montag den 14.März trafen sich, zu örtlich unterschiedlichen Zeiten, überall in Deutschland zahlreiche Menschen zu Mahnwachen, Demonstrationen und Aktionen um ihrem Unmut zur Atompolitik in Deutschland kund zu tun. Hier der Aktionsfilm der Eindrücke der Menschenkette vermittelt.

Sie drückten auf Plakaten, Transparenten und in Sprechchören ihren Unmut gegen die weltweite Atompolitik und ihre Betroffenheit und ihr Mitempfinden mit den Menschen in Japan aus. Bei diesen eher hilflosen Bemühungen wollen sie nicht bleiben, sondern fordern, in Sprechchören wie: Abschalten, abschalten, von der Bundeskanzlerin Angela Merkel, Konsequenzen für die deutsche Atompolitik. Bundesaußenminister Guido Westerwelle kündigte am 14.März 2011 eine Sicherheitsüberprüfung aller deutschen Atomreaktoren an. Der EU-Energiekommissar Günther Oettinger will, laut Interview des ARD-Morgenmagazins vom 15.März 2011, die Atomkraft in Deutschland, insgesamt auf den Prüfstand stellen, gibt aber zu bedenken, dass das Konsequenzen für die gesamte EU habe.Wahrscheinlicher ist, so die langfristige Prognose, ein langsamer Ausstieg aus der Atomindustrie.

Viele lieben das sozialkritische Video von Loriot: "Weihnachten bei Hoppenstedt,-Wir bauen uns ein Atomkraftwerk".

Sind Japaner, die sich mit Miso ernähren, vor einer nuklearen Strahlung geschützt?

Dr. Shinchiro Akizuki, der Direktor des St. Francis Hospitals in Nagasaki, forscht, im Rahmen der Präventivmedizin, auch über Miso. Er führte den Schutz vor den Auswirkungen radioaktiver Strahlung auf den täglichen Genuss von Misosuppe zurück. Akizukis These wurde 1972 durch den Nachweis von Dipikolonsäure in Miso, welche Schwermetalle, zum Beispiel radioaktives Strontium, bindet und aus dem Körper abführt, bestätigt.

Wie kann den Forderungen Nachdruck verliehen werden?

Viele Bundesbürger sind besorgt, dass die vom Außenminister angekündigte Sicherheitsüberprüfung unverbindlich bleibt. Sie können sich unter dem Begriff "Aussetzen der Laufzeitverlängerung" auch nichts konkretes vorstellen. Sie befürchten, dass vor den Wahlen halbherzige Versprechungen gemacht werden, die danach in der Versenkung verschwinden. Aus diesen Gründen unterstützten sie einen an die Bundeskanzlerin gerichteten Appell, der ein sofortiges abschalten aller AKW in Deutschland fordert. Liste zum Unterzeichnen an die Bundeskanzlerin

Zahlreiche Initiativen gegen eine Nutzung der Kernenergie, zum Beispiel die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) protestieren mit. Sie unterbrachen am 12.März ihre Jahresversammlung in Frankfurt, um an einer Demonstration gegen Atomkraftwerke teilzunehmen. Hier finden Mahnwachen statt. Andere machen in großformatigen Anzeigen in Tageszeitungen, auf Plakaten und bei öffentlichen Auftritten darauf aufmerksam, das der größte Teil der Bundesbürger einen sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie befürwortet. Der Diplom Ingenieur Artur Schmidt fragt in seinem Artikel vom 14.03.2011: Hiroshima 2.0: Werden die Super-Gaus vertuscht?

Quelle: campact.de

Online-Redakteurin, Gerlinde Ahrend, Gerlinde Ahrend

Gerlinde Ahrend - Ich bin Journalistin, Online-Redakteurin und Autorin, mit eigenem Journalistenbüro In der Vorbereitung meiner Ausbildung zur ...

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