
- Verstrahlte Fische aus Japan? - Rainer Sturm / pixelio.de
Exakte Daten über das wahre Ausmaß der radioaktiven Verstrahlung durch das Reaktorunglück in Fukushima gibt es nicht. Offizielle Kommentare von Betreiber und Politik in Japan klingen durch ihre Beschwichtigung eher beunruhigend. Eine der wenigen Angaben, die vorliegen, ist eine Pressemeldung vom 20. März aus Japan: Derzufolge soll im Meer etwa 100 Meter vor dem Kraftwerk von Fukushima die Aktivität von Jod-131 den japanischen Grenzwert um das 126-fache und der von Caesium-134 und -137 um das 25-fache beziehungsweise 16,5-fache überschritten haben. Nicht angegeben wurde dabei, um welchen Grenzwert es sich handelt.
Radioaktivität im Wasser verdünnt
Die Kontamination vor Ort sei sicherlich sehr hoch, sagen Experten des Heinrich von Thünen-Instituts in Hamburg. Eine Gefahr für das Ökosystem Meer insgesamt aber sehen sie nicht. Denn bei der riesigen Weite des Pazifischen Ozeans werde sich die Radioaktivität sehr schnell im Wasser verdünnen. Zu dieser Einschätzung gelangen die Wissenschaflter aufgrund von Messungen in der Nord- und Ostsee seit dem Reaktorunfall in Tschernobyl. Dabei haben sie beispielsweise festgestellt, dass die Werte von Caesium-137 sowohl im Meer als auch im Fisch nach 1986 sehr schnell zurückgegangen sind.
Relevant sind die Caesium-Werte
Die Internationale Atomenergie-Agentur IAEA geht von einer Freisetzung leicht flüchtiger Substanzen von dem japanischen Unglücksreaktor aus. Hierzu zählen unter anderem die Radionuklide Caesium-134 (Halbwertszeit: zwei Jahre) und Caesium-137 (Halbwertszeit: 30 Jahre), sowie Jod-131 (Halbwertszeit: acht Tage). Da das radioaktive Jod sehr schnell zerfällt, sei für die Verbraucher in Europa nur das langlebige Caesium relevant. Zu den Stellen, die in diesen Tagen die Situation in Japan aufmerksam beobachten, gehört das Bundesumweltministerium, das auf seiner Seite auch einen täglichen Lagebericht veröffentlicht. Laut dem Ministerium beschränken sich Lebensmittel-Importe aus Japan nach Deutschland auf wenige Produkte: Pilze, Gewürze, Saucen, Tees, Alkoholika sowie ein paar wenige Fischspezialitäten. Gemäß einer Empfehlung der Europäischen Union prüften die Behörden derzeit diese Importe.
Jahrestag: Tschernobyl vor 25 Jahren
Das Unglück von Fukushima lässt in Japan vergangene Schreckensbilder wieder wach werden: Denn jedes Jahr erinnert man sich an Hiroshima und Nagasaki, und ausgerechnet 2011 jährt sich die Katastrophe von Tschernobyl. Am 26. April 1986, genau vor 25 Jahren, genügte dort schon eine Routine-Übung am Reaktorblock vier, um eine Kernschmelze herbeizuführen. Es kam zum Super-Gau, dem bisher größten technischen Unglück der Menschheitsgeschichte.
Inzwischen hat sich die Situation in Tokio zugespitzt. Trotzdem reagieren die Menschen gefasst. 210.000 Menschen wurden laut der Deutschen Gesellschaft für Reaktorsicherheit evakuiert; 230.000 Jodpräparate wurden ausgegeben. Die japanische Atomsicherheitsbehörde hat inzwischen die Schwere des atomaren Unglücks von 4 auf 5 heraufgestuft. Das ist die dritthöchste Stufe in der internationalen Bewertungsskala. Würde es tatsächlich zum befürchteten Super-Gau kommen, wäre Tokio auf die Schnelle nicht zu evakuieren: Es leben dort schlicht zu viele Menschen.
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