
- Kirchhturm von Graun im Reschensee - Harald Rossa
Der Reschenpass, italienisch Passo di Resia, ist ein Gebirgspass auf dem Hauptkamm der Tiroler Alpen. Der Pass verbindet das Etschtal im südtiroler Vinschgau mit dem Inntal im österreichischen Nordtirol. Die Passhöhe liegt mit 1504 Metern über dem Meer in dem Ort Reschen/Resia. Die Grenze zwischen Österreich und Italien verläuft ca. zwei Kilometer nördlich der Passhöhe.
Orte in der Region Reschenpass sind: Nauders, Reschen, Graun, Langtaufers und St. Valentin auf der Heide. Wintersportler finden rund um die Passhöhe viele Möglichkeiten zum alpinen wie nordischen Skisport. Überall an der Straße gibt es für Sommergäste attraktive Wanderrouten und auch Bergsteiger kommen zu ihrem Recht. Beliebt ist die Reschenstraße auch bei sportlichen Radlern, für die inzwischen viele eigene Wege hergerichtet wurden.
Geschichte am Reschenpass
Der Reschenpass war seit langer Zeit eine der wichtigen Nord-Süd-Verbindungen über die Alpen. Bereits lange in vorrömischer Zeit führte ein Saumpfad über die Passhöhe.
Die Römer bauten um 50 nach Christus im Zuge der Via Claudia Augusta eine Straße über den Reschenpass. Wohl schon zu dieser Zeit und dann bis 1854 gab es an der befestigten Innbrücke bei Finstermünz eine Zollstätte. Die Claudia Augusta war bald die Hauptverkehrsader zwischen Italien und der Region Augsburg. Bis ins Mittelalter und bis in die frühe Neuzeit war sie einer der wichtigsten Alpenübergänge. Inzwischen hat die Autobahn über den Brenner diese Rolle übernommen.
Kurz vor der Passhöhe ist die Festung Nauders ab 1834 in den Fels getrieben worden. Ab 1840 war das stark befestigte und mit schweren Kanonen bestückte Sperrfort einsatzbereit und sollte das Inntal gegen Einfälle feindlicher Truppen schützen. Diese Festung ist heute eine der besterhaltenen Befestigungsanlagen aus dieser Zeit. Ein Museum nutzt heute die Räume und bietet Führungen durch die Festung an.
Die Staatsgrenze am Reschenpass gibt es erst seit 1919. In der Folge des Friedensvertrags von St. Germain musste Österreich damals Südtirol an Italien abtreten. Das ließ die Grenze massiv militärisch sichern. Vallo Alponi hieß das System von Befestigungen. Reste dieses Alpenwalls sind noch heute rund um Reschen zu finden.
Ab 1948 wurde der Reschensee/Lago di Resia aufgestaut. Der Ort Graun und ein großer Teil des Dorfes Reschen versanken in den Fluten. Vom Dorf Graun blieb nur der Turm der Kirche Sankt Peter stehen. Der ragt bis heute meist aus dem Wasser. Bei sehr niedrigem Wasserstand fällt sein Standort im See trocken.
Die Reschenstraße
Die Baumeister Carl von Ghega und Josef Duile leiteten ab 1850 den Bau der Straße über den Reschenpass. Die wurde als Vinschgauer Reichsstraße bzw. nach 1920 Vinschgauer Straße bezeichnet. Seit 2002 trägt sie offiziell den Namen Reschenstraße. Diese Straße ist mehrfach modernisiert worden. Für den Fahrradverkehr sind über weite Strecken Radwege angelegt worden.
Die Reschenstraße verbindet Landeck mit Schluders/Sloderno. Das erste 34 Kilometer lange Teilstück von Landeck bis zur Kajetanbrücke (990 Meter) steigt kaum an. Danach geht es etwas steiler bis maximal 9% über Hochfinstermünz (1137 Meter) und Nauders (1388 Meter) nach 52 Kilometer zur Passhöhe (1504 Meter) in Reschen/Resia. Hier oben geht es etwa 9 Kilometer fast eben über Graun (1488 Meter) und St. Valentin (1428 Meter) weiter. Dann folgt der Abstieg mit maximal 7% abwärts über Mals (1041 Meter) nach Spondling. Hier teilt sich die Straße. Ein Weg führt aufs Stilfser Joch, der andere durch das Etschtal nach Meran. Bei Mals gibt es einen Abzweig in das Münstertal.
In Schlunders wird der in das Etschtal Reisende von der Monumentalskulptur „Rossebändiger“ empfangen, die vor der Kraftwerkzentrale am Ortsrand aufgestellt ist.
