
- Munition wird in R.E.D. reichlich verbraucht - RainerSturm / pixelio.de
Es wird viel geschossen und in die Luft gesprengt in dieser Actionkomödie. Als wollte Bruce Willis mit aller Gewalt beweisen, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört. Vielleicht soll die Action aber auch die fehlende Inspiration der Drehbuchautoren verdecken.
Die Handlung von "R.E.D. - Älter. Härter. Besser."
Eigentlich wollte Frank Moses (Bruce Willis) nur seinen Ruhestand genießen und mit seiner Telefonfreundin Sarah (Mary Louise Parker) eine normale Beziehung aufbauen. Bevor dies jedoch geschehen kann, holt ihn seine Vergangenheit ein und er muss nicht nur die eigene Haut, sondern auch die seiner Freundin retten.
Die nötige Hilfe erhält er von ehemaligen Kollegen, alle R.E.D., was für "Retired, Extremely Dangerous" (also frei übersetzt "extrem gefährliche Rentner") steht. Da ist Joe (Morgan Freeman), der in einem Seniorenheim lebt, Krebs hat, aber immer noch die Hintern der Schwestern dem Fernsehen vorzieht. Dann ist da Marvin (John Malkovich), ein paranoider Waffenfetischist, der sich in den Sümpfen Floridas verschanzt hat und psychisch etwas labil ist, da er jahrzehntelang LSD ausgesetzt war. Seine Paranoia erweist sich allerdings als überaus realistisch. Schließlich kommt noch Victoria (Hellen Mirren) hinzu, eine Profikillerin vom MI5, und nicht zu vergessen der ehemalige Gegner Ivan (Brian Cox).
Frank steht auf der Abschussliste, einer Liste, von der schon die meisten ins Jenseits befördert wurden. CIA-Agent Cooper (Karl Urban) soll ihn liquidieren, bekommt aber immer mehr Zweifel an der Legalität dieses Auftrags. Anscheinend will der Vizepräsident sich seiner ruhmlosen und blutigen Vergangenheit entledigen und nutzt dazu die CIA und das FBI. Oder ist doch der Waffenhändler Dunning (Richard Dreyfus) der wahre Bösewicht? Verschwörungen immensen Ausmaßes deuten sich an, eine Übermacht an Menschen- und Waffenmaterial steht Frank und seinen Freunden gegenüber. Nur nützt das alles nichts, wenn man die wichtigste Waffe, das Gehirn, ausschaltet. Davon haben Frank und seine Leute allemal genug.
Bruce Willis ist noch lange nicht im Ruhestand
Bruce Willis ist mittlerweile 56 Jahre alt. Das ist schon ein Alter, in dem man sich mit dem Thema Altwerden, Ruhestand und Lebensabend beschäftigt. Selbst Schauspieler sind davon nicht ausgenommen. Bei ihnen äußert sich dies eher im Rollenwechsel, etwa vom jugendlichen Liebhaber zum alten Schwerenöter. Darüber bräuchte Willis sich eigentlich keine großen Gedanken machen, ist er doch nicht auf die Rolle des Actionhelden festgelegt. Trotzdem entsteht in diesem Film der Eindruck als würde alles aufgeboten, um zu beweisen, dass Bruce Willis immer noch Actionheld No. 1 ist.
Natürlich fehlt ihm in diesem Alter der jugendliche Flair aus "Die Hard". Aber er ist immer noch gut durchtrainiert und kann es immer noch mit dem fast 20 Jahre jüngeren Karl Urban aufnehmen. Im Film natürlich, aber auch hier geht es in erster Linie ja um die Glaubhaftigkeit, und die ist gegeben. Es ist also nicht anzunehmen, dass er in den Ruhestand geht, Willis kann vom Actionfilm ebenso wenig lassen wie seine Figur Frank von geheimen Black Ops.
Außer Action nichts gewesen
Wie es sich für einen Actionfilm gehört, wird am meisten Gewicht auf die Action gelegt. Die Actionszenen sind streckenweise grandios und immer äußerst professionell. Der deutsche Regisseur Robert Schwentke, der sich in Hollywood vor allem mit "Flightplan" (in der Hauptrolle Jodie Foster) und der Romanze "Die Frau des Zeitreisenden" einen Namen gemacht hat, hier in Deutschland für den "Tatort" drehte und in Amerika die erste Folge von "Lie To Me" inszenierte, hat einen guten Actionfilm gemacht.
Der komödiantische Teil kommt allerdings zu kurz. Es gibt zwar mehrere Szenen, in denen die Action in den Hintergrund tritt und die Dialoge im Vordergrund stehen, aber in solchen Momenten wird eher deutlich, dass die Drehbuchautoren (Jon und Erich Hoeber) sich nicht viel um Figurenpsychologie oder Wortwitz gekümmert haben. Exemplarisch ist die Szene, in der Frank im CIA-Gebäude den alten Record Keeper Herne (Schauspieler-Ur-Gestein Ernest Borgnine) trifft. Der hat nichts Besseres zu ihm zu sagen, als dass solche Leute wie Frank heute einfach nicht mehr hergestellt werden. Das hat der Zuschauer schon zig-mal gehört, und die Tatsache, dass es eine Legende wie Borgnine vorbringt, verleiht dem Ganzen höchstens eine beeindruckende autobiographische Note.
Die spritzigen Dialoge wie man sie etwa aus Actionkomödien wie "Nur 48 Stunden" oder "Beverly Hills Cop" kennt, fehlen größtenteils. Das ist besonders schade, da "R.E.D." mit einem wirklich ausgezeichneten Schauspieler-Ensemble aufwartet. Andererseits wäre der Film ohne dieses Ensemble wahrscheinlich nicht einmal kurzweilig. So kann der Zuschauer sich zurücklehnen und Größen wie Morgan Freeman, Helen Mirren und John Malkovich genießen.
