
- Red Bull Alpenbrevet 2010 - Eva Weber
Das heiß erwartete Red Bull Alpenbrevet 2010 nahm am 04.09.2010 morgens endlich seinen Lauf. Aufgrund der zahlreichen Bewerber wurde in mehreren Gruppen gestartet. Die riesige Rauchwolke aus Benzin- und Ölgemisch blieb auch noch nach dem letzten Start lange in der Nase stehen. Doch das störte keinen. Das Spektakel wurde begeisternd aufgenommen und war sehr gut besucht. Nicht nur am Startplatz, auch in Meiringen verteilt und auf den Pässen, erwarteten viele Interessierte und Schaulustige die Mofafahrer auf ihren smarten und oft sehr zügigen Gefährten. Auffällig waren die vielen frisierten Maschinen. Bereits zu Beginn erlebten viele Teilnehmer das aus. Die Belastungen der Strecke für die teils schwachen Maschinen waren nicht zu unterschätzen. Hilfsbereitschaft unter den Fahrern und Fahrerinnen war jedoch groß geschrieben. Wie man es von Schraubern gewohnt ist, half man sich in Pannensituationen. Im absoluten Notfall waren auch Red Bull Mobile mit Helfern und Hilfsmaterial zur Stelle. Diese konnte man per Handy schnell herbeirufen. Die Renn-Organisation war top. Lediglich die Tankstops hätten es etwas häufiger geben sollen. Das Wetter spielte wunderbar mit und auch die Laune der Teilnehmer war euphorisch. Eine tolle Idee mit Kultcharakter, nostalgischen Erinnerungen und hohem Spaßfaktor.
Ein einziger Teilnehmer kam auch aus Deutschland – auf einer Monkey
Der 34-jährige Informatiker und Elektroinstallateur Holger Weber, aus Lörrach, startete als einer der letzten Teilnehmer in der letzten Gruppe. Authentisch mit einer Peugeot GT, auch Monkey genannt und einer Bullsonjacke mit Jeans und Turnschuhen ging es zur Bewertung. Für das Gefährt gab es von der Jury zwar keine Punkte, jedoch aber zehn Punkte für das Outfit. Nichts desto trotz, war die aus den 1970ern stammende Monkey dieses Jahr eine Rarität im Rennen. Mit der Startnummer 609 gelang es Holger Weber, sich immerhin bis auf den Grimsel durchzukämpfen. Mit etwa 40 Stundenkilometern Spitze zu Beginn, wurde es mit der Steigung des Bergs immer langsamer. Zuletzt fuhr er mit knapp 10 Stundenkilometer und viel Beinarbeit den Pass hoch, bis ihn ein Kupplungsschaden, ein Defekt am Auspuff knapp zwei Kilometer vor der Spitze des Grimselpasses zum stehen brachten. Enttäuscht war er aber nicht. Im Gegenteil. Nächstes Jahr wolle er auf jeden Fall wieder mitmachen und bis dahin ist auch die kleine, orangene Monkey wieder fahrbereit.
Das Mofa als Antwort auf Freiheitsgefühl und Erwachsensein
Allein der Preise wegen hat am Redbull Alpenbrevet keiner teilgenommen. Die Liebe zum Mofa, gemeinsame Sympathien zum Kult und die kurzzeitige Zusammengehörigkeit waren ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger. Für dieses Spektakel hat man nicht nur sein Mofa fein herausgeputzt, die meisten Teilnehmer erlebten gleichzeitig einen wertvollen und emotionalen Teil ihres vergangenen Lebens wieder. Fast jeder Teilnehmer brachte eine eigene Geschichte mit an den Start. Das Mofa war in den vergangenen Jahrzehnten die Antwort auf Freiheit. Eine ganze Generation zehrte von diesem Freiheitsgefühl und erlebte so ihr Erwachsenwerden. Diese Freiheit haben die mehr als 600 Fahrer und Fahrerinnen bei diesem Rennen auf eine ganz besondere Weise wiederbelebt und wieder erlebt.
