Redewendungen, geflügelte Worte und ihre Herkunft aus der Antike

Zahlreiche Zitate, Redenwendungen und geflügelte Wörter im Deutschen haben ihren Ursprung in der Geschichte und im Mythos der Antike. Einige Beispiele.

Im Deutschen gibt es zahlreiche Redewendungen, geflügelte Worte und Sprichwörter, die wir dauernd verwenden, oft ohne ihre Herkunft zu kennen. Deren Usprünge können in ganz unterschiedlichen Bereichen liegen. Hier sollen einige vorgestellt werden, die ihren Ursprung in Geschichte und Mythos der Antike haben.

"Geld stinkt nicht"

Der römische Kaiser Vespasian (69-79 n. Chr.) musste den römischen Staatshaushalt konsolidieren und führte dazu neue Steuern ein, darunter eine Latrinensteuer (Urin war ein wichtiger Rohstoff zum Gerben). Als sich sein Sohn Titus darüber beschwerte, hielt ihm sein Vater eine Münze vor das Gesicht und fragte, ob sie stinke. Als Titus verneinte, meinte der Kaiser nur: "Und doch kommt sie vom Urin". Die Redewendung hat sich bis heute gehalten, um Einkünfte aus unsauberen Quellen zu bezeichnen.

"Achillesverse"

Der griechische Held und Halbgott Achilleus (lat. Achilles) wurde von seiner Mutter, der Göttin Thetis, als Kind in den Fluß Styx getaucht, um ihn unverwundbar zu machen. Nur an der Verse, wo sie ihn festhielt, blieb er verwundbar. Genau dort sollte ihm im Kampf um Troja ein Pfeil treffen und töten. So bezeichnet auch weiterhin "Achillesverse" eine besonders verwundbare oder angreifbare Stelle.

"Zankapfel"

Bei der Hochzeit des Peleus und der Thetis (den Eltern des Achilleus) waren zahlreiche griechische Götter anwesend. Da warf Eris, die Göttin der Zwietracht, einen goldenen Apfel in die Menge mit der Aufschrift "für die Schönste". Sogleich stritten sich die Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite darum, wer gemeint war. Entscheiden musste schließlich der trojanische Königssohn Paris, der mit seiner Entscheidung den Trojanischen Krieg auslösen sollte. So bezeichnet Zankapfel auch heute noch den Kern eines strittigen Themas.

"Der Würfel ist gefallen"

Oder auch "Die Würfel sind gefallen" oder korrekter "Der Würfel ist geworfen" (lat. Alea iacta est). Als Caesar gegen die Anweisungen des Senats mit seinen Soldaten nach Rom marschierte, erreichte er den Grenzfluss Rubicon, den kein römisches Heer überqueren durfte. Nach einigem Zögern entschied er sich doch mit diesen Worten den Fluss zu überschreiten und damit den Bürgerkrieg gegen den römischen Senat und Pompeius zu beginnen. Mit diesen geflügelten Worten war also die Entscheidung gefallen.

"Eulen nach Athen tragen"

Die Redewendung stammt von dem griechischen Komödiendichter Aristophanes aus seinem Werk "Die Vögel" und bezeichnet eine sinnlose Tätigkeit. Die Eule war das Wappentier der Athene, der Schutzgöttin Athens. Daher prägte die Stadt auch auf ihre Münzen Eulen. Die Stadt war damals sehr reich, es war also eine sinnlose Tätigkeit noch mehr Münzen in die Stadt zu tragen.

"Ich weiß, dass ich nichts weiß"

Eigentlich korrekt: "Ich weiß als Nicht-Wissender" oder "Ich weiß, dass ich nicht weiß" (gr. oîda ouk eidos). Ein stark verkürztes Zitat, das auf den griechischen Philosophen Sokrates zurückgeht. Dessen Vorgehensweise bestand darin, seine Mitbürger durch beständiges Fragen zu einem Punkt zu bringen, wo sie keine Antworten mehr bieten können und sich so deren vermeintliches Wissen nur als Scheinwissen ohne tiefer gehende Erkenntnis herausstellt.

"bezirzen"

Leitet sich von der Zauberin Circe (Kirke) aus der griechischen Mythologie ab. In Homers Odyssee wohnte sie auf einer Insel und verführte Odysseus' Männer dazu Speisen zu essen, die sie in Schweine verwandelte. Mit Hilfe der Götter konnte der Held seine Gefährten befreien. Jemanden bezirzen heißt auch heute noch ihn einzuwickeln, zu umgarnen, zu bezaubern – nicht immer zu dessen Vorteil.

Michael Lutter, Michael Lutter

Michael Lutter - Geboren 1980 Studium der Geschichte und Informationswissenschaft in Regensburg (M.A.)

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