
- Haare - Thommy Weiss / pixelio.de
Wer sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht, befreit sich aus eigener Kraft aus einer Notlage. Wer eine Gelegenheit beim Schopfe packt, reagiert schnell, ergreift sie und macht sie sich zunutze. An den Haaren herbeigezogen sind manche Argumente, sie treffen nicht den Punkt. Mit Haut und Haar kann man sich einer Sache widmen oder sich verlieben, also ganz und gar.
Haare drücken Gefühle aus
Obwohl Haare selbst nichts fühlen, können sie doch Gefühle ausdrücken. Bewegen uns starke Emotionen, so hält die Sprache Bilder bereit, um dies am Beispiel der Haare zu verdeutlichen. Ihnen liegt die physiologische Tatsache zugrunde, dass sich bei ängstlicher Erregung die Haarwurzeln aufrichten: Mir sträuben sich die Haare – ich bin entsetzt, alles in mir wehrt sich gegen eine Zumutung oder eine erwartete Gefahr. Haarsträubend ist das dazugehörige Adjektiv. Das lässt einem ja die Haare zu Berge stehen ist ein ähnliches Bild, das Abwehr, Abscheu, Angst ausdrückt. Wer sehr wütend oder verzweifelt ist, möchte sich die Haare raufen oder gar ausreißen, möchte sie fassen, daran ziehen, sie durcheinanderbringen. Eine haarige Sache ist eine schwierige Angelegenheit, bei der man klug vorgehen und aufpassen muss, dass man keinen Nachteil erleidet. Jemand sollte sich keine grauen Haare wachsen lassen wegen einer Sache bedeutet, dass er sich keine Sorgen machen, die Dinge leichter nehmen soll.
Um Haaresbreite, Haarspalterei, das Haar in der Suppe
Eine Eigenschaft des Haares, dass es nämlich sehr dünn ist, wird sprachlich umgesetzt, um kleinste Unterschiede zu verdeutlichen: Um Haaresbreite ist etwas gerade noch gut gegangen, um Haaresbreite – oder haarscharf – wurde etwas verfehlt, fast wäre die Sache schlecht ausgegangen. Wer etwas haarklein erklärt, geht auf jedes Detail ein, erläutert pedantisch jeden Schritt. Geschieht das in Diskussionen, so nennt man dies Haarspalterei. Wer die betreibt, lenkt vom Wesentlichen ab, befasst sich rechthaberisch mit Kleinigkeiten. Wer immer wieder ein Haar in der Suppe findet, das ihm den Appetit verdirbt, konzentriert sich auf das Negative, mäkelt an Kleinigkeiten herum und weiß das Positive der Sache nicht zu schätzen. Wenn zwei sich gleichen bis aufs Haar, lässt sich gar kein Unterschied feststellen.
Das Haar und zwischenmenschliche Konflikte
Auch im Streit spielen die Haare eine Rolle: Leute kriegen sich in die Haare, sie beginnen eine heftige Auseinandersetzung, die als Schlägerei oder auch rein verbal ausgetragen wird. Mancher muss dabei Haare lassen, das heißt Nachteile in Kauf nehmen, Abstriche machen. Ein drastisches Bild ist: Jemandem das Fell über die Ohren ziehen. Der Betreffende wird geschimpft, getadelt, bestraft. Ähnliches drückt die Redewendung Jemandem den Kopf waschen aus. Ihm wird einmal deutlich die Meinung gesagt und dabei nicht an Kritik gespart. Wird über einen anderen schlecht geredet, so wird kein gutes Haar an ihm gelassen, man erwähnt nur das, was einen stört. Von manchen Menschen sagt man, sie haben Haare auf den Zähnen. Sie sind leicht erregbar und reden rücksichtslos schlecht über andere. Jemandem kein Haar krümmen dagegen meint, ihn schonen, in Ruhe lassen, ihm nichts tun. Wer einem anderen die Haare vom Kopf frisst, neigt dazu, sein Gegenüber schamlos auszunützen.
Sprichwörter zum Thema Haar
„Lange Haare, kurzer Sinn“ oder „Lange Haare, kurze Gedanken“ sind Sprichwörter aus frauenfeindlicher Zeit, als man dem weiblichen Geschlecht die intellektuellen Fähigkeiten absprach, und dürften heutzutage keine Verwendung mehr finden. Anders der Spruch „Unglück, Holz und Haar wachsen immerdar.“ Dies lässt sich auch heute nicht bestreiten.
