
- Bürger dürfen über Autonomie Schlesiens abstimmen - Holger Lang / pixelio.de
Im Referendum am 3.7.2011, das in Polen in Ledziny und Imielin stattfindet, antworten die Teilnehmer auf die Frage nach Autonomie für Oberschlesien. Egal, was für Resultate jene Umfrage bringt, kommt dadurch nicht zu einer Korrektur der deutschen Ostgrenze: Es handelt sich hier um ein Spiel für erwachsene Bürger.
Bewegung für die Autonomie
Das Spiel veranstaltet die Bewegung für die Autonomie Schlesiens (RAS), eine Partei, die in den Wahlen manchenorts viele Stimmen sammelte (wie beispielsweise im Kreis Rybnik – 25 Prozent). Daher nimmt Jerzy Gorzelik, Leader der Bewegung, die Sache eigentlich ganz ernst. Die Ergebnisse des Referendums will er als ein wichtiges Signal der Stimmung in der Bevölkerung deuten. Lange überlegte man aus diesem Grund die Fragestellung an die Bürger und entschied sich für folgende: "Stimmen Sie der Wiedereinführung der Autonomie für Oberschlesien zu, wie dies zwischen den Weltkriegen der Fall war?“. Damit erinnern die Organisatoren daran, dass es um keine neue Idee geht, und lassen die Tradition aufleben. Oberschlesien besaß schon diesen Status mit eigenem Parlament (Sejm Slaski) innerhalb des polnischen Staates.
Dé jà vu oder wie es einmal war?
Die Situation von damals lässt sich jedoch kaum mit der heutigen vergleichen. Die Volksabstimmung in Oberschlesien vom 20. März 1921 wurde im Versailler Vertrag vorgeschrieben. Die Schlesier sollten zwischen beiden Staaten – Deutschland und Polen – wählen. Der Abstimmung gingen zwei schlesische Aufstände voran, die den Anschluss an Polen forderten. Der dritte Aufstand zwischen 2.05. bis 5.07.1921, der schon nach jenem Referendum entflammte, erwies sich für Polen als erfolgreich und brachte ihm ein Drittel der beanspruchten Region.
Abstimmung auf einem Stadion und einem Parkingplatz
Diesmal gehe es vor allem um eine Übung in der Demokratie und ein Experiment in der Führung eines politischen Streits, versichern die Organisatoren. Darüber klären sie die interessierten Bürger in den Tagen vor dem Referendum an ihren Infoständen auf. Sie erwarten eine hohe Zustimmung (über 60 Prozent). Abstimmen dürfen nicht nur Einwohner der beiden Städte; jeder Bürger darf mitmachen. Es gibt keine Listen der Wahlberechtigten, dafür aber eine Pflicht, sich auszuweisen. Das Referendum dauert von 12 bis 21 Uhr. Die Bürger von Imielin geben ihre Stimmen auf dem Stadtstadion ab, wo zu gleicher Zeit das Stadtfest gefeiert wird. In Ledziny findet die Abstimmung auf dem Parkplatz neben einem bekanntem Restaurant statt. Die Auszählung soll an gleichem Tag erfolgen.
Vom Spiel zum Ziel
Seit 20 Jahren kämpft die Bewegung für die Autonomie der Region. „Wir rechnen damit - verkündete Jerzy Gorzelik auf einer Pressekonferenz - dass in absehbarer Zukunft ein offizielles Referendum auf dem gesamten oberschlesischen Gebiet stattfindet und sein Ergebnis verbindlich wird“. Die Aktivisten der Bewegung planen dafür eine Änderung der Konstitution durchzusetzen, die die rechtlichen Grundlagen der Autonomie auch für andere Regionen erschafft.
Update am 4.07.11 – die Ergebnisse
Am Referendum nahmen über 1 300 Bürger teil. Darunter befanden sich 220 Personen aus anderen Städten. Die Wahlbeteiligung erreichte somit nur wenige Prozent bei ungefähr 16 000 Wahlberechtigten. Zur Abstimmung gingen fast ausschließlich die Befürworter: 98 Prozent der Teilnehmer haben sich für die Autonomie ausgesprochen. Jerzy Gorzelik, Leader der Bewegung, erklärt das geringe Interesse mit dem schlechten Wetter und zusätzlichen Erschwernissen. In Imielin stand die Wahlurne im Stadion, obwohl das Stadtfest wegen starken Regens in das Kulturhaus verlegt wurde. In Ledziny musste man aus gleichem Grund die Urne statt auf dem Parkplatz im Restaurant aufstellen.
Quelle: Online-Ausgaben von polnischen Zeitungen Dziennik Polski und Gazeta Wyborcza
Bildnachweis: Holger Lang / pixelio.de
