
- Cecropia-Baum im Regenwald von Mittelamerika - Ließ
Die Gebiete in der Nähe des Äquators prägen tropische Regenwälder. Die komplexen Ökosysteme erstrecken sich jeweils zehn Breitengrade nördlich und südlich des Erdgroßkreises. Alle Länder Mittelamerikas haben Anteile an tropischen Regenwäldern.
Was ist ein tropischer Regenwald?
Hauptmerkmal von Regenwäldern ist ein mittlerer jährlicher Niederschlag von mehr als 2.000 Millimetern. Es existieren zwei Haupttypen von Regenwäldern: die Regenwälder der gemäßigten Breiten und die der Tropen. Insgesamt unterscheiden sich mindestens 13 Arten von Regenwäldern durch ihre Höhenlage, Niederschlagsmenge und Bodenbeschaffenheit.
Tropische Regenwälder sind immergrün. Bis etwa 800 Meter Höhe spricht man vom Tiefland-Regenwald, bis 1.500 Meter Höhe vom Berg-Regenwald, über 2.000 Meter Höhe vom Nebelwald. Das ganze Jahr über fallen Niederschläge. In der Regenzeit – welche während des mitteleuropäischen Frühjahrs und Sommers die Äquatorregionen prägt – regnet es besonders heftig.
Über 50 Prozent aller weltweit bekannten Arten der Flora und Fauna sind in tropischen Regenwäldern zuhause. Viele von ihnen haben bemerkenswerte Anpassungen an ihren Lebensraum in den verschiedenen Stockwerken der Vegetation entwickelt.
Der Regenwald in Mittelamerika
In allen Ländern Mittelamerikas prägen tropische Regenwälder verschiedenster Art das Landschaftsbild. Das größte Regenwaldgebiet der Erde, der Amazonas, setzt sich nach Norden über Venezuela und Kolumbien fort nach Panama. Für die karibischen Inselstaaten und für die Halbinsel Yucatan in Mexiko sind Feucht- und Regenwälder ebenfalls typisch. Nördlich davon, in Zentral- und Nordmexiko, lösen Laubwälder und trockene Wüstenregionen die Regenwälder ab.
Um verschiedene Arten von Regenwäldern zu erleben und zu erkunden, existiert wohl kein besseres Reiseziel als Costa Rica. Über 20 Nationalparks Costa Ricas können im stark auf Ökotourismus ausgerichteten Land besucht werden. Mit einem breiten Angebot an Führungen und gut ausgeschilderten Wanderwegen gehen Naturkundler hier einfach auf Entdeckungsreise. Touristisch nicht ganz so gut erschlossen - was kein Nachteil sein muss - bedecken dichte Regenwälder auch weite Teile von Panama, Nicaragua, Honduras, El Salvador, Guatemala und Belize.
Arten von Regenwald in Costa Rica
Allein schon in Ländern geringer Ausdehnung wie Costa Rica findet man die verschiedensten Arten von Regenwäldern auf kleinstem Raum.
Riesige Bäume charakterisieren die Karibik und die südlichen Pazifikregionen. Sie erreichen eine Höhe von bis zu 30 Metern. Einzelne Giganten ragen noch darüber hinaus und entfalten ihre weit gefächerten Kronen erst in Höhen ab 18 Metern. Die tieferen Vegetationsschichten werden so vor Wind und Stürmen geschützt. Andererseits aber erreicht nur wenig Sonnenlicht den Boden, der entsprechend spärlich bewachsen ist.
Im feuchten, heißen Klima wachsen und blühen Pflanzen das ganze Jahr über. Abgestorbene Blätter werden zersetzt, die Nährstoffe von den Wurzeln aufgenommen und zur Bildung neuen Blattwerks genutzt. Entsprechend fehlt dem Boden die dicke nährstoffreiche Humusschicht der Wälder in gemäßigten Zonen.
Wenn Lichtungen entstehen, nutzen speziell ausgebildete Pflanzen den Lichteinfall, indem sie besonders große Blätter ausbilden. Ein Beispiel ist die Gunnera insignis, die in Mittelamerika „sombrilla de probes“ – Sonnenschirm der Armen – genannt wird.
In den Höhenlagen ab 2.000 Metern wie im costarikanischen Nationalpark Braulio Carrillo oder dem Reservat Monteverde dominieren die geheimnisvollen Nebelwälder. Die jederzeit hohe Luftfeuchtigkeit vermischt sich hier mit verhältnismäßig kühler Luft. Fast immer verhängen Wolken die Baumwipfel. Moose, Farne, Bromeliengewächse und Epiphyten überwuchern die Zweige und den Boden mit einem immergrünen Polster. Bis zu 200 dieser kleineren Pflanzenarten können einen einzigen großen Regenwaldbaum als Wirt nutzen. Schlingpflanzen, die mehrere hundert Meter lang werden, winden sich um Stämme und Äste, verleihen ihnen Stabilität und bilden ein gigantisches Netz.
Tiere im Dschungel von Costa Rica
So schwierig es ist im Regenwald Tiere zu entdecken, so zahlreich und vielfältig sind in Wirklichkeit die Tierarten, die durch das grüne Meer schleichen, kriechen, fliegen oder krabbeln. Zwitschern, Pfeifen, Krächzen und Klopfen erfüllen die Luft. Zig verschiedene Geräusche lassen sich oft nur mit viel Erfahrung ihren Besitzern zuzuordnen, nicht immer wird man sie entdecken. Verschiedene Papageien und Tukane flattern durch die oberen Stockwerke. Brüll- und Klammeraffen turnen in den Zweigen und irgendwo bewegen sich Tapire, Jaguare und Pumas lautlos über den Waldboden.
Jede der verschiedenen Schichten beherbergt andere charakteristische Tier- und Pflanzenarten, die oft in Symbiosen miteinander leben, wobei sie perfekt aufeinander abgestimmt und angewiesen sind. Die Vielfalt der Lebewesen erstaunt dabei. So kann ein einziger Baum von über 10.000 Käferarten besiedelt sein. Allerdings halten sich um die 90 Prozent aller Tiere in den sonnendurchfluteten Baumwipfeln auf.
Zu den Tierarten, die auch in den mittelamerikanischen Regenwäldern mit mehr oder weniger Glück beobachtet werden können, gehören Zwei- und Dreifingerfaultiere, strahlend blaue Morpho-Falter, Rote Aras, Quetzales, Mantelbrüllaffen, Weißschulterkapuzineraffen, Baumfrösche, Schlangen wie die Grüne Baumviper, Agutis und Pekaris.
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