Regionale Back-Spezialitäten als internationale Delikatessen

Bäcker mit Backwaren - ZV Bäckerhandwerk
Bäcker mit Backwaren - ZV Bäckerhandwerk
Das deutsche Bäckerhandwerk stellte sich dem Wettbewerb auf der weltgrößten Ernährungsmesse Anuga vor allem mit regionaltypischen Spezialitäten.

Wenn es um Themen wie Öffnung und Erschließung neuer, möglichst globaler Märkte geht, so bleibt das Bäckerhandwerk als typischer Nahversorger in der Regel außen vor. Dabei genießen deutsche Backwaren international den besten Ruf. Das wissen einige Traditionsbäckereien zu nutzen und präsentieren ihre Produkte sogar auf der Anuga, der weltweit größten und wichtigsten Messe für Nahrungsmittel und Getränke.

Pumpernickel für Touristen und Auswanderer

Die Wilhelm Prünte GmbH, ein mittelständischer Familienbetrieb seit sechs Generationen, hatte sich schon national mit Pumpernickel und der Herstellung von Schwarzbrot einen Namen gemacht, bevor es 2007 seine Spezialitäten erstmals auf der Anuga präsentierte. In diesem Jahr war das Gelsenkirchener Unternehmen zum dritten Mal dabei. „Die internationale Nachfrage wächst Schritt für Schritt“, sagt Geschäftsführer Thomas Gill, „aber noch können wir eigentlich nicht von Export sprechen.“ Immerhin trägt das Auslandsgeschäft inzwischen zu 20 Prozent zum Umsatz bei - und ist steigerungsfähig. „Unser Know-how ist weltweit einmalig“, sagt Gill. Aber um auf der Weltbühne spielen zu können, sei auch Personal notwendig, das für einen Handwerksbetrieb eher untypisch ist. So arbeiten in Fremdsprachen versierte Hochschulabsolventen daran, Märkte wie Skandinavien zu erschließen. Vor allem in „Weißbrot-Ländern“ ist das Schwarzbrot besonders bei den deutschen Touristen oder Auswanderern gefragt. Als nächstes soll Nordamerika damit erobert werden, wo Thomas Gill, direkter Nachfahre des Firmengründers Wilhelm Prünte, unter den Deutschstämmigen sein Kundenpotenzial vermutet.

Keine Brotvernichtung dank Tiefkühlung

Zu den 385 Ausstellern im Bereich „Bread & Bakery, Hot Baverages“ der Anuga gehörte auch die Bäckerei Brinker aus Herne, die im Ruhrgebiet mit 66 Filialen vertreten ist. „So viel Handwerk wie möglich, so viel Technik wie nötig“, erklärt Marketing-Leiter Jens Scholz die Backwarenproduktion. Stolz verweist er auf einige Auszeichnungen und Preise. Das Brotsortiment wurde beispielsweise mit dem „Convenience-Star für innovativste Produkte" ausgezeichnet. Die 1919 in Wanne-Eickel (heute ein Stadtteil von Herne) gegründete und bis heute inhabergeführte Bäckerei gilt als Pionier der vorgebackenen, tiefgekühlten Backwaren. Damit konnte sie bereits 2000 ihren Vertrieb internationalisieren. 1,5 Millionen Brötchen werden im Herner Industriegebiet „Friedrich der Große“ produziert, neben dem Vollsortiment inklusive Konditoreiprodukten für die Filialen. Brinker setzt die Möglichkeit des Tiefkühlens nicht zuletzt aus Nachhaltigkeitsgründen ein. „Wir verschwenden keine Lebensmittel, weil wir keine Retouren haben, die vernichtet werden müssen. Unsere Abnehmer füllen ihre Regale abends mit den gefrorenen Waren auf, morgens ist das aufgetaute Brot dann verzehrfrisch“, sagt Jens Scholz. Damit liegt die Bäckerei Brinker voll im Trend. „Die Nachhaltigkeitsorientierung der Verbraucher wird steigen, das heißt, soziale Kriterien sowie Umwelt- und Gesundheitsaspekte werden bei der Auswahl der Produkte eine größere Rolle spielen“, prognostiziert Franz Martin Rausch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels (BVL).

Firmenlogo auf dem Brötchen

Ein weiteres Markenzeichen, mit dem sich die Bäckerei Brinker jetzt auch international einen Namen machen will, ist das patentierte Brotlabel. Alle Brötchen - genannt Brinkchen - tragen das B. Auf Kundenwunsch kann aber jedes andere Logo zum Label werden, zum Beispiel auf den Frühstücksbrötchen einer Hotelkette.

Weltweit werde sich der Wunsch nach regionalen Spezialitäten verstärken, war im Verlauf der Messe aus dem Kreis der Einkäufer zu hören. Nachhaltigkeit, Umwelt- und Ressourcenschonung würden das Verbraucherverhalten künftig stärker beeinflussen. Diese Entwicklungen hätten bereits heute begonnen und zeigten sich aktuell in der intensiven Debatte um die Vernichtung von Lebensmitteln. Vor Global Playern liegen große Aufgaben.

Dipl.-Volkswirt Angelika Basdorf ist ständige Aut , Basdorf

Angelika Basdorf - Angelika Basdorf Diplom-Volkswirt sozialwissenschaftliche Richtung Seit 1998 bin ich selbstständige freie Journalistin und ...

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