Afrika hat derzeit wenig Chancen auf dem Weltmarkt. Deshalb ist es klug, wenn einige Staaten den afrikanischen Binnenmarkt besser entwickeln und eine engere Zusammenarbeit im politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Bereich anstreben. Im Jahre 2000 wurde die zwischenstaatliche Ostafrikanische Gemeinschaft (englisch: East African Community ) der ostafrikanischen Länder Kenia, Uganda, Tansania gegründet. Mitte 2007 kamen Ruanda und Burundi hinzu. Sitz des Sekretariats ist Arusha in Tansania. Ziel ist die Bildung eines gemeinsamen Marktes. 2012 ist eine gemeinsame Währungsunion und 2015 eine politische Föderation geplant.

Die ostafrikanischen Länder waren wie fast alle Länder südlich der Sahara -mangels Teilnahme an den internationalen Finanzmärkten- von der Weltwirtschaftskrise kaum betroffen. Einbußen gab es hingegen durch geringere Nachfrage bei Rohstoffen ,landwirtschaftlichen Produkten, regionale Dürren und politische Unruhen in Kenia und Burundi. Seit 2010 geht es wirtschaftlich wieder aufwärts.

Ruanda setzt Maßstäbe

Insbesondere das dynamisch regierte Ruanda setzt verstärkt auf regionale Integration und steigert damit seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Das Land ist zwar arm an Schätzen, aber emsiger Fleiß -insbesondere der Frauen- ist überall. Präsident Paul Kagame ist kein Demokrat, aber die positiven Effekte seines politischen Managements kommen bei der Mehrzahl der Ruander an. Es gibt zumindest die Hoffnung , dass Kagame bei weiterer positiver Wirtschaftsentwicklung langfristig eine Zivilgesellschaft und freie Presse zulassen wird. Ruandas Trumpfkarten sind die Qualität seiner Dienstleistungen, die Zweisprachigkeit der Bevölkerung (englisch/französisch) und das Geschäftsklima. Ruanda nimmt in dem Weltbank Bericht 2011 “Doing Business” weltweit den 58. Rang ein. (Kenia 98 von 183 Ländern), Uganda (122), Tansania (128) und Burundi (181).

Ruanda als treibende Kraft in der Gemeinschaft sucht händeringend qualifizierte Arbeitskräfte. Gesucht werden vor allem Rechtsanwälte, Ärzte, Architekten und Spezialisten für das Qualitätsmanagement. Bereits 2.000 Kenianer arbeiten vor allem im Hotel-und Tourismusmangement in Ruanda. Die Entwicklungsgesellschaft von Ruanda hat 2010 500 Millionen US-Dollar insbesondere für das Bauwesen, Landwirtschaft und Pharmazeutische Industrie vorfinanziert. 30 Prozent der Mittel kamen von Unternehmern aus Uganda, Kenia, China, USA, Indien und Südkorea.

Wichtige Rolle in der Zukunft

Ruanda hat damit vorgemacht, wie durch berechenbare Regierungsführung, Korruptionsbekämpfung und solide ökonomische und politische Strukturen ein robustes Wirtschaftswachstum gefördert werden kann. Ruanda hat bürokratische Hemmnisse abgebaut, den Kreditzugang erleichtert, schützt Investoren und hat sein Insolvenzrecht reformiert. Noch besteht der Warenaustausch zwischen den Ländern vorwiegend aus landwirtschaftlichen Produkten. Der Industriesektor ist in allen fünf Mitgliedsstaaten bisher schwach entwickelt. Dafür hat haben die Dienstleistungssektoren wie die Telekommunikationsbranche und Finanzdienstleistungen an Fahrt aufgenommen. Auch der Ausbau der Infrastruktur gilt als Schwerpunkt der Zusammenarbeit.

Länder rücken zusammen

Jedenfalls sorgt die Zusammenarbeit für eine stabilere politische Situation in der Region. Keine der anderen wirtschaftlichen Zusammenschlüsse in Afrika kommt so erfolgreich voran. Kernfrage bleibt allerdings, ob die anderen Staaten -die auch nur formale Demokratien sind- die Lebensqualität ihrer Bürger steigern und gleichzeitig die Korruption, die die Voraussetzungen für wirtschaftliches Wachstum untergräbt, eindämmen können. Eine der größten Chancen Afrikas besteht, den heimischen Binnenmarkt besser zu entwickeln. Regionen wettbewerbsfähiger und attraktiv auch für Investoren aus dem Ausland zu machen. Die Wirtschaftsgemeinschaft in Ostafrika kann mit der Lokomotive Ruanda den Weg zu steigendem Wohlstand in der Region ebnen.

Quellen: East-African Community (www.eac.int ), und Jeune Afrique(Paris) No 2614 Fevrier 2011