Regungslos - ein eiskalter Thriller von Katherine John

Katherine John - Regungslos - amazon
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Das Grauen hält Einzug in einen kleinen Vorort von Cardiff - eine Frau stirbt unter den Schlägen einer Axt. Das Opfer war weithin verhasst...

Der Journalist Alan Piper fühlt sich von seiner Nachbarin Kacy Howells belästigt. Sie spioniert ihm nach, stiehlt seine Pflastersteine, entwendet Blumen aus seinem Garten und beschneidet seine Bäume. Am schlimmsten jedoch ist die überhohe Veranda, die sie hat bauen lassen und an der Alan kaum vorbei sehen kann, wenn er in seinem Garten ist: Kacy ist exhibitionistisch veranlagt, aber der nackte Körper der Fünfzigjährigen ist kein schöner Anblick. Noch weniger schön ist er allerdings mit einer Axt im Kopf - und genau so findet Alan die verhasste Person eines Abends auf.

Trügerische Oberfläche

Trevor Joseph und Peter Collins werden zu dem Mordfall gerufen. Peter fühlt sich unwohl, ist Alan doch sein Cousin und sein Freund, und nach allem, was er weiß, stand er mit der Toten auf denkbar schlechtem Fuße.

Die Straße wirkt ruhig und malerisch, die Menschen in der Nachbarschaft freundlich, doch was die Polizisten zu hören bekommen, klingt ganz anders. Kacy Howell war ausgesprochen unbeliebt in der Gegend: Weder mochte man ihre Qualitäten als Mutter noch die als Nachbarin. Und es scheint ein offenes Geheimnis zu sein, dass sie viele wechselnde Liebhaber hatte, so wenig anziehend sie gewirkt haben mochte.

Kacys Gatte erscheint gebrochen. Er will nichts hören, was seine Frau in ein schlechtes Licht setzen könnte, wehrt sich vehement gegen die Vorstellung, dass sie ein Doppelleben geführt habe. Dass all seine Nachbarn, ja, ihre eigene Familie anderer Meinung sind, beeindruckt ihn gar nicht.

Doch etwas ist seltsam an dem Mann. War die Ehe für ihn nur eine Zweckgemeinschaft, um anderweitige sexuelle Tendenzen zu kaschieren?

Ein Überangebot an Verdächtigen

Ob der Gatte sich seiner Ehefrau entledigt hat? Was ist mit dem Ex-Freund, der so unendliche Probleme hatte, Kacy loszuwerden? Wie steht es mit Familienzwisten? War es tatsächlich Kacy selbst, die die schmutzige Anzeige in einem Pornoheftchen aufgegeben hatte, oder wollte ihr jemand eins auswischen? Gibt es gar Verbindungen zum organisierten Verbrechen?

Für Peter ist es wichtig, all diesen Fragen nachzugehen, obwohl man ihn von dem Fall abzieht, weil er durch seine Verwandtschaft zu einem der Verdächtigen befangen ist. Und je länger die Ermittlungen dauern, desto mehr Indizien deuten auf Alan und desto enger zieht sich die Schlinge um dessen Hals zu...

Spannende Charaktere im Mikrokosmos Vorort

Selbst wenn das Opfer ein so schrecklicher Mensch ist wie die Nachbarschaftstyrannin, wirkt das Verbrechen des Axtmordes doch schockierend in seiner Brutalität. Die Diskrepanz zu den normalen Situationen - Trevor mit Frau und Baby, Peter mit seiner Freundin, Kollegen in der Bar - ist bedeutend und hebt das Unwirkliche an diesem Mord noch hervor.

Die Beschreibung der Nachbarn in meisterlich gelungen: Sei da der einsiedlerische Farmer, die alleinstehende Frau, die kleine alte Lady mit ihrem Spionagetick und ihrem leicht zurückgebliebenen Sohn oder auch Alan, dessen Leben vor nicht allzu langer Zeit aus den Fugen geraten ist - sie alle haben ihre Eigenheiten, ihre Schrullen, ihre Vorlieben, ihre Ängste. Und gerade die intime Nähe eines kleinen Vororts sorgt dafür, dass alle irgendwie an den Leben der anderen teilhaben.

Es ist ein komplexes Netz aus Beziehungen, in dem die Polizisten blind herumstochern und ein unschönes Geheimnis nach dem anderen lüften.

Temporeich und realitätsnah

Katherine John verwendet, wie im Thrillerbereich weit verbreitet, einen relativ schörkellosen Stil. Mit geübter Hand entrollt sie die geschäftigen Ermittlungen der Beamten, ohne jedoch wie viele ihrer Kollegen alles gleichzeitig geschehen zu lassen. Bei ihr hat ein Tag vierundzwanzig Stunden, und ab und zu müssen ihre Protagonisten auch einmal schlafen oder sich um ihre Familien kümmern. Das ist ein Teil des Alltags, der in diesem Genre oftmals zu kurz kommt, und Vorort der Hölle ist in diesem Fall eine erfrischende Abwechselung. Trotz dieser Unterbrechungen verliert der Thriller nicht seinen Schwung, und man legt ihn nur ungern aus der Hand, weil man dringend wissen möchte, wie diese zahlreichen Fäden sich zum Ende hin entwirren lassen.

Fazit: Ein rundum gelungener Thriller voller Verwirrspiel und menschlichen Abgründen. Empfehlenswert für alle Fans des Genres!

Katherine John: Regungslos Rowohlt Taschenbuch, März 2011, Taschenbuch, 320 Seiten, 8,99€

Kirsten Braselmann - Lesen ist mein Hobby, meine Leidenschaft. Ich habe Literaturwissenschaft studiert und verfasse seit Jahren Buchrezensionen, vor allem im ...

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