Reiselust oder Reisefrust?

Urlaubstrends in der Wirtschaftskrise

Urlaub auf dem Balkon? - Medion H
Urlaub auf dem Balkon? - Medion H
Lassen wir uns von Schlagwörtern wie Krise, Arbeitslosigkeit und Konkurs die Lust am Reisen austreiben?

Der Preiskampf ist eingeläutet, die Schnäppchenjagd eröffnet, denn Fluggesellschaften sowie Reisebüros und -veranstalter kämpfen um jeden Kunden. Selbst wenn die Deutschen Statistiken und Umfragen zufolge auch in diesem Jahr ihrem Titel als Reiseweltmeister alle Ehre machen, so bleibt die Wirtschaftskrise in der Touristikbranche alles andere als unbemerkt. Buchungen für den bevorstehenden Sommer, die in der Regel im ersten Viertel des Jahres erfolgen, fielen im Vergleich zum Vorjahr deutlich geringer aus.

Die Wirtschaftskrise als Chance auf günstige Ferien

Die Folge: Marktführer wie TUI, Thomas Cook oder der Lebensmittel- und Touristikkonzern Rewe stocken mit verlockenden Schnäppchen auf, wie verlängerten Frühbucherrabatten, Gratisprodukten oder umfangreichen Angeboten zu Feiertagen wie Ostern. Darüber hinaus werden Reiseverkäufer mit erhöhten Boni und Provisionen dazu motiviert, möglichst vielen Deutschen das Reisen schmackhaft zu machen. Kleinere Anbieter versuchen hingegen, die Krise zum Ausbau ihres Marktanteils zu nutzen. Denn gerade ihre großen Wettbewerber, die jetzt auf einer Masse an gebuchten Hotel- und Flugkontingenten sitzen bleiben, gehen möglicherweise geschwächt mit großen Verlusten aus der Krise hervor. Öger Tours zum Beispiel punktet auch in mageren Zeiten mit seinem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis für Ferien in der Türkei.

Urlaub ja, aber bitte günstig!

Wenn die Deutschen ihren Urlaub für 2009 auch sparsam angehen, wollen immerhin zwei von drei Personen nicht gänzlich darauf verzichten. Kurzurlaube und Städtereisen werden vielerorts zugunsten eines zwei- bis dreiwöchigen Urlaubs gestrichen. Eher zeichnet sich bei den Deutschen allerdings der Trend ab, die Ferien kostengünstiger zu gestalten. Das beginnt schon bei der Anreise: Immer mehr Urlauber entscheiden sich wieder für das eigene Auto statt für’s Flugzeug und ziehen nahe Reiseziele fernen Ländern vor. Das rechnet sich vor allen Dingen für Familien und bietet zudem eine Chance für den heimischen Markt. Was sich außerdem rechnet und deshalb immer häufiger gebucht wird, sind All-inclusive-Angebote – zum Nachsehen der kleinen Hoteliers und Restaurantbetreiber vor Ort. Reisende, die hingegen eine Unterkunft zur Selbstverpflegung buchen, entscheiden sich bewusst für Länder mit niedrigen Lebenshaltungskosten.

Sonne und Dolce Vita am Mittelmeer

In vielen Aspekten bleiben sich die Deutschen allerdings treu. So zählen Spanien, Italien und Deutschland selbst nach wie vor zu den beliebtesten Reisezielen. Weitere europäische Länder wie Österreich, Griechenland, Portal und Frankreich sowie Skandinavien liegen ebenfalls noch immer hoch im Kurs. Denn auch bei den Vorlieben der Deutschen zur Gestaltung ihres Urlaubes hat sich in den vergangenen Jahren wenig geändert: An erster Stelle steht das Relaxen am Strand, gefolgt von Wellness- und Sportaktivitäten sowie Kulturtripps.

Sonnige Aussichten trotz Finanzkrise

Also doch alles wie gehabt? Zumindest wird auch in Sachen Urlaub auf hohem Niveau gejammert. Wenn sich auch der ein oder andere von seinem Arbeitsplatz verabschieden und die Mehrheit den Gürtel etwas enger schnallen muss – solange wir noch ein paar schöne Wochen fernab von Balkonien genießen können, ist das Glas doch immer noch halb voll, mindestens.

Kristin Hogk, Kristin Hogk

Kristin Hogk - Kristin Hogk ist in Berlin freiberuflich als Diplom-Übersetzerin, Dolmetscherin, Lektorin und Lehrerin für die Sprachen Deutsch, ...

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