Reisen auf den Spuren von Martin Luther King durch die Südstaaten

Das Leben von Martin Luther King im Bild - Jörn Käsebier
Das Leben von Martin Luther King im Bild - Jörn Käsebier
Auf einer Reise durch die amerikanischen Südstaaten wandelt man leicht auf den Spuren von Martin Luther King, etwa in Atlanta, Birmingham und Memphis.

Martin Luther King war eine zentrale Figur der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Maßgeblich trug er dazu bei, dass die Afro-Amerikaner in den USA rund 100 Jahre nach dem Ende der Sklaverei endlich dieselben Rechte wie die Weißen bekamen. Eine Reise auf den Spuren von Martin Luther durch die Südstaaten beginnt am besten in Atlanta, dem Geburtsort von King.

Martin Luther King in Atlanta

Am 15. Januar 1929 wurde King in Atlanta, Georgia, geboren, in der Sweet Auburn genannten Nachbarschaft. Sein Vater war Pfarrer in der „Ebenezer Baptist Church“, in der King getauft wurde und deren Gemeinde er später zusammen mit seinem Vater leitete. Das Haus der Familie King ist nicht frei zugänglich, doch werden Führungen im „Martin Luther King, Jr National Historic Site Visitor’s Center“ angeboten. Das Center selbst enthält eine kleine, aber sehenswerte Ausstellung zum Leben des Friedensnobelpreisträgers von 1964. Gegenüber vom Besucherzentrum liegt das King Center, wo King und seine Frau Coretta Scott King begraben sind – das steinerne Grab inmitten eines Pools mutet ein wenig seltsam an. Der Nachlass des Predigers wird im King Center verwahrt. Im Zuge von Erbstreitigkeiten wurde es leider heruntergewirtschaftet, sodass über einen Verkauf an den National Park Service spekuliert wird, der die umliegenden Stätten verwaltet.

Birmingham: Martin Luther King im Gefängnis

In Birmingham erlangte Martin Luther King weltweite Bekanntheit durch seinen Brief, den er aus dem Gefängnis schrieb. Im Frühjahr 1963 hatte die Bürgerrechtsbewegung Proteste gegen die Unterdrückung von Schwarzen organisiert. Gegen die friedlichen Märsche und Demonstrationen ging die Polizei mit Wasserwerfern, Tränengas und Hunden vor, knüppelte auch Frauen und Kinder nieder, was zu einem Aufschrei in den USA führte. King war einer der Protestler, die verhaftet wurden. In seinem berühmten Brief wehrte er sich gegen Vorwürfe, zu wenig zur Deeskalation der Proteste beigetragen zu haben und zu wenig Geduld zu haben. Doch King wollte nicht warten: „Dieses ,warte’ hat fast immer ,niemals’ gemeint“, schrieb er etwa.

An die Proteste von 1963 erinnert heute das „Birmingham Civil Rights Institute“. Doch es befasst sich bei weitem nicht nur damit. Gezeigt wird, unter welchen Bedingungen Afro-Amerikaner nach dem Bürgerkrieg im Süden leben mussten, wie die „Jim Crow Laws“ ihnen die Rechte nahmen und wie diskriminierend die Segregation war. Besucher können dies am eigenen Leib erfahren, wenn sie sich in einen Bus in der Ausstellung setzen. Dort wird man von der Lautsprecherstimme des Busfahrers zunächst freundlich aufgefordert, den Platz zu räumen, was schnell in laute Befehle umschlägt. Gegenüber vom beeindruckenden Museum steht die „Sixteenth St Baptist Church“, in der 1963 vier Kinder nach einem Brandanschlag durch Mitglieder des Ku Klux Klan starben.

Das Attentat auf Martin Luther King – Spuren in Memphis

Memphis ist der logische Endpunkt einer Reise auf den Spuren von Martin Luther King. In der Stadt am Mississippi – heute vor allem wegen Graceland bekannt – wurde King am 4. April 1968 erschossen, auf dem Balkon des Lorraine Motels stehend. Heute hängt dort ein Kranz, und das Hotelzimmer, in dem King übernachtet hatte, wurde in den Zustand gebracht, in dem es vor mehr als 40 Jahren war. Der Ermordung des Verfechters des gewaltlosen Widerstands widmet sich die Ausstellung im Gebäude gegenüber, von dem aus die Schüsse fielen. Hier wird verdeutlicht, wie sehr bei den Ermittlungen von Polizei und FBI geschlampt wurde und wie sehr es umstritten bleibt, dass James Earl Ray, der für die Tat verurteilt wurde, auch wirklich der Mörder war. Vor allem die Familie von Martin Luther King glaubt nicht daran.

Für Besucher, die sich weniger für Verschwörungstheorien als für die Erfolge und Misserfolge der Bürgerrechtler interessieren, ist die Hauptausstellung des „National Civil Rights Museum“ im ehemaligen Motel die wichtigste Anlaufstelle in Memphis. Das Museum beherbergt wohl die ausführlichste und eine der besten Ausstellungen zur Geschichte der Bürgerrechtsbewegung. Auch wenn der Fokus auf den 50er- und 60er-Jahren liegt, werden auch die Köpfe und Organisationen der Bewegung vorgestellt, die sich schon Jahrzehnte davor für die Gleichstellung der Schwarzen einsetzten, etwa in den Anfängen der „National Association for the Advancement of Colored People“ (NAACP).

Weitere Stationen für eine Reise auf den Spuren von Martin Luther King

King hinterließ auch Spuren in Montgomery, der Hauptstadt von Alabama. In der „Dexter Ave King Memorial Baptist Church“ predigte er als Pfarrer, und hier organisierte er den Bus-Boykott von 1955 mit, der von Rosa Parks ausgelöst worden war. Sie hatte sich geweigert, ihren Platz für einen weißen Passagier zu räumen und war daraufhin verhaftet worden. Der anschließende Boykott setzte durch, dass die Segregation im öffentlichen Nahverkehr Alabamas ein Ende fand. An Rosa Parks erinnert in Montgomery noch ein Museum.

Highway 80 führt von Montgomery nach Selma. Auf diesem Weg waren friedlich Protestierende, die sich 1965 für die Ausübung des Wahlrechts der Afroamerikaner eingesetzt hatten, von State Troopers niedergeknüppelt worden. Das „Lowndes County Interpretive Center“ nahe Selma zeigt Videoaufnahmen aus der Zeit.

Jörn Käsebier - Bei Suite101.de betreute Jörn Käsebier zweieinhalb Jahre die Ressorts Wirtschaft & Geld sowie Sport als Redakteur, solange es ...

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