Reisen durch die Südstaaten: Schauplätze des Sezessionskriegs

Stone Mountain erinnert an die Konföderation - Jörn Käsebier
Stone Mountain erinnert an die Konföderation - Jörn Käsebier
In den Südstaaten der USA erinnern zahlreiche Schauplätze an den Sezessionskrieg, der vor 150 Jahren begann, etwa in South Carolina, Georgia und Tennessee.

Der Sezessionskrieg veränderte dramatisch die Geschichte der USA, endete mit ihm doch die Sklaverei und stieg zugleich die Macht der Bundesregierung. Während besonders im Westen des Landes der von 1861 bis 1865 gehende Krieg vergessen ist – schließlich gab es die meisten Bundesstaaten dort zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht – ist das im Süden anders. Kein Wunder: Die Schauplätze des Sezessionskriegs liegen überwiegend in den Südstaaten. Die Mehrzahl der Touristen an diesen Erinnerungsorten kommt aus den USA, doch auch für ausländische Besucher hat ein Besuch der Stätten seinen Reiz.

Charleston – der Sezessionskrieg begann mit dem Beschuss von Fort Sumter

South Carolina war der Staat, der sich als erster von der Union lossagte. Und hier war es auch, wo vor 150 Jahren der Amerikanische Bürgerkrieg begann. Am 12. April 1861 feuerten die Konföderierten auf die Truppen der Nordstaatler in Fort Sumter, einer Festung im Hafen von Charleston. Nach zwei Tagen war das Spektakel vorbei: Die Unionstruppen kapitulierten. Heute ist Fort Sumter ein National Monument, Besucher werden mit einem Boot dorthin gebracht. Doch das Fort ist nicht der einzige Komplex, der aus der Zeit des Sezessionskriegs erhalten ist. Sehenswert sind auch einige Häuser, darunter die Plantage Boone Hall, die in der Serie „Fackeln im Sturm“ als Kulisse für Mont Royal diente.

Reisen zu den Schauplätzen des Sezessionskriegs: Chickamauga

Weit blutiger als der Beschuss von Fort Sumter verlief zwei Jahre später die Schlacht von Chickamauga. „Fluss des Todes“ soll dieses Wort in der Sprache der Cherokee bedeuten – für die rund 124.000 Nord- und Südstaatler, die am 19. und 20. September 1863 an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Georgia und Tennessee aufeinandertrafen, erschien es ein passender Name, erschienen doch hinterher 35.000 von ihnen auf den Verlustenlisten. Der Schauplatz der Schlacht wurde am 12. August 1890 vom US-Kongress zum ersten National Military Park erklärt.

Wer nachempfinden möchte, wie eine Schlacht im Sezessionskrieg ablief und mit welchen Schwierigkeiten Befehlshaber und einfache Soldaten zu kämpfen hatten, hat auf dem mehr als 2.000 Hektar großen Gelände ausgiebig Gelegenheit dazu. Die Ranger bieten Führungen an, zudem kann man Stationen mit einem Audio-Guide abfahren oder hält sich an Stellen, die auf einer kostenlos erhältlichen Karte markiert sind. Grundlegende Informationen gibt ein Film im Besucherzentrum. Das Spektakel einer nachgestellten Schlacht wird man jedoch vergeblich suchen – Reenactment ist auf Privatgrund in der Nähe des Originalschauplatzes beschränkt. Besuchern wird also ein wenig Vorstellungskraft abverlangt, damit sie in ihren Gedanken die Felder und Wiesen mit Soldaten füllen, die in Reih und Glied in den Kampf marschieren.

Reisen durch die Südstaaten: Franklin, Tennessee

Anders als in den großen Parks fällt dies in Franklin, Tennessee, leichter. Im Ort südlich von Nashville konnte ein so großer Teil des Schlachtfelds nicht erhalten werden. Der „Battle of Franklin Trust“ bemüht sich dennoch seit Jahren, das Gedenken an die Kämpfe vom 30. November 1864 und ihre Folgen wach zu halten. Im Vergleich zu den großen Parks lassen sich in Franklin gut die Folgen des Krieges für Zivilisten veranschaulichen. In den meisten Fällen, in denen die Schlachten des Amerikanischen Bürgerkriegs in oder nahe einer Stadt stattfanden, wurden Alte, Kranke, Frauen und Kinder rechtzeitig aus dem Kampfgebiet gebracht. Doch in Franklin rechneten die Nordstaatler nicht mit einem Angriff, und so blieb keine Zeit mehr für eine Evakuierung. Die Familie Carter und ihr Personal flüchteten in den Keller. „Dass es überhaupt einen Keller gab, war schon Glück. Mit improvisierten Vorhängen aus Baumwolle verhinderten die Familiemitglieder, dass ihnen Kugeln durch die kleinen Fenster gefährlich werden konnten“, so Alan Corry, der Führungen durch das Carter House gibt. General John B. Hood, der Kommandeur der Konföderierten, ordnete einen einseitigen Stopp des Artilleriebeschusses an, als er erfuhr, dass noch Zivilisten im Ort waren und verhinderte so womöglich Opfer unter den Bewohnern Franklins.

Wie groß die Gefahr und wie heftig die Kämpfe waren, davon zeugen die rund 1.000 Einschusslöcher im Carter House und die Opferzahlen unter den Soldaten. In lediglich fünf Stunden wurden rund 9.500 Kämpfer getötet, verwundet oder Gefangen genommen. Um die Toten und Verwundeten mussten sich vor allem die rund 750 Einwohner Franklins kümmern. Nahezu jedes Haus wurde in den Wochen nach der Schlacht zum Hospital umfunktioniert. Was das bedeutet, können Touristen heute auf der Carnton Plantation nachvollziehen. Im Haupthaus lassen dunkle Flecken auf dem Holzboden ganze Blutlachen erahnen, besonders dort, wo Ärzte amputieren mussten.

Schauplatz Atlanta – Cyclorama und Stone Mountain

Wie in den Jahren nach dem Krieg das Erinnern begann, verdeutlicht ein Besuch in Atlanta. Die Hauptstadt des Bundesstaates Georgia, war zu Bürgerkriegszeiten noch ein sehr junger Ort und vor allem als Eisenbahnknotenpunkt bedeutend. Da die wichtigste Schienenverbindung zwischen Osten und Westen der Konföderation hier durchging, wurde die Stadt zum Ziel der Kampagne des Generals William T. Sherman im Jahre 1864. Wie Sherman gewann und Abraham Lincoln die Wiederwahl sicherte, zeichnet das Cyclorama in Atlanta nach. Im Museum neben dem Zoo wird die Geschichte durch ein riesiges Schlachtengemälde zum Leben erweckt. Die beiden Deutschen Friedrich Wilhelm Heine und August Lohr waren maßgeblich an seiner Entstehung beteiligt. Im Auftrag eines ehemaligen Unionsgenerals, der Vize-Präsident der USA werden wollte, entstand das 12,5 Meter hohe und rund 107 Meter lange Rundgemälde. Es zeigt Besuchern, die auf einer drehbaren Plattform sitzen, wichtige Momente der Schlacht um Atlanta am 22. Juli 1864. Die Südstaatler verloren damals und sprengten auf ihrem Rückzug Munitionsdepots – alle weiteren Häuser bis auf Kirchen und Spitäler zerstörten später Shermans Truppen.

Doch Atlanta wurde nach dem Sezessionskrieg wieder aufgebaut. Und nicht weit von der Stadt entstand mit Stone Mountain ein Ort der Erinnerung an die Zeit der Konföderation. In der Wand des großen Felsens sind die drei großen Helden des Südens verewigt, die diesen Status vor allem in den Jahren nach dem Sezessionskrieg erlangten, als viele Weiße im Süden die Geschichte zu verklären begannen: Jefferson Davis, einziger Präsident der Konföderation, sowie die beiden Generäle Robert E. Lee und Thomas „Stonewall“ Jackson. Das Relief beginnt in einer Höhe von 120 Metern und ist selbst 58 Meter hoch. Finanziert wurde es maßgeblich vom Klu-Klux-Klan und seinen Sympathisanten, die künstlerische Arbeit trägt die Handschrift von Gutzon Borglum, der später noch an Mount Rushmore arbeitete, die Arbeiten an Stone Mountain aber nicht zu Ende führte. Während Touristen und Bewohner von Atlanta das schließlich 1972 fertig gestellte Monument heute von unten bestaunen, nutzen sie zugleich die Gelegenheit, den Felsen zu besteigen. Mehrere Wege führen zur Spitze, zudem fährt eine Seilbahn hinauf.

Jörn Käsebier - Bei Suite101.de betreute Jörn Käsebier zweieinhalb Jahre die Ressorts Wirtschaft & Geld sowie Sport als Redakteur, solange es ...

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