Immer mehr Senioren wollen etwas erleben und andere Länder kennen lernen. Von 1996 bis 2005 hat sich die Zahl der Urlaubsreisen, die von Konsumenten ab 60 gebucht wurden, um 40 Prozent erhöht. Doch was suchen die Älteren im Urlaub? „Für Menschen, die nicht mehr im Beruf stehen, spielen Ruhe und Entspannung als Reisemotiv häufig keine entscheidende Rolle mehr“, weiß Michael Frese, Geschäftsführer der Baustein- und Fernreiseveranstalter der Rewe Group (Dertour, Meier’s Weltreisen, ADAC Reisen). „In dieser Zielgruppe sind vor allem Geselligkeit, Behaglichkeit, Kommunikation und Unterhaltung gefragt.“ Doch bevor es ans Buchen geht, gilt es einiges zu beachten.
Wohin soll die Reise gehen?
Die Reisebranche hat sich in den vergangenen Jahren voll auf die Ansprüche älterer Kunden eingestellt. Ob PKW, Bus, Bahn, Schiff oder Flieger – Sie haben die Wahl, mit welchem Verkehrsmittel Sie unterwegs sein möchten. Für einen Urlaub in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder den angrenzenden Ländern sind Auto oder Zug optimal. Für Kontaktfreudige kommen auch Busreisen in Frage; eine anstrengende Fahrt nach Spanien oder Griechenland sollte man sich aber nicht zumuten. Weiter entfernte Regionen oder das außereuropäische Ausland bereist man am besten mit dem Flugzeug. Auch Kreuzfahrten werden meist in Kombination mit Flügen angeboten.
Entscheidend ist aber, wie man die Ferien gestalten möchte: Kultur oder Strand? Pauschalarrangement oder Individualurlaub? Für Komfortbewusste, die gern alles aus einer Hand buchen, gibt es spezielle Angebote wie den „Club Vital“ von Neckermann-Reisen oder den „Club Elan“ von TUI mit einem abwechslungsreichen Ausflugs-, Sport- und Unterhaltungsprogramm. Hier kann man Gleichgesinnte treffen und leicht Kontakte knüpfen, wenn man alleine Urlaub macht. Aber auch Kreativreisen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Ob Foto-Workshop in der Provence, Mal- und Töpferkurs in der Toscana oder antike Emaillierkunst auf Mallorca – in inspirierender Umgebung kann man unbeschwert ein Hobby entdecken, für das einem zuhause die nötige Muße fehlt. Wer nicht so viel Geld ausgeben will oder kann, findet auch bei Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt eine interessante Palette an Kurz- oder Fernreisen.
Infos über das Wunschziel sammeln
Gut sortierte Reisebüros können heute fast alle Urlaubswünsche erfüllen. Aber nicht jedes Land eignet sich für jeden, selbst wenn es im Katalog verlockend wirkt. „Informieren Sie sich vor der Buchung genau über die klimatischen Verhältnisse“, rät Dr. Anja Kempin, Ärztin beim Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf. „Wer gesundheitlich anfällig ist, sollte Extreme und Reisen in eine andere Zeitzone meiden, die überdies Anpassungsprobleme bei der Einnahme von Medikamenten mit sich bringen.“ Auf jeden Fall brauche der Körper mindestens drei Tage Schonfrist, wenn man auf einen anderen Kontinent fliege. Es gibt aber durchaus Gegenden, die der Gesundheit besonders gut tun. So können Asthma- oder Rheumakranke ihre Beschwerden mit einem Aufenthalt am Mittelmeer lindern. Unabhängig vom gewählten Ziel ist eine verlässliche Betreuung vor Ort wichtig – nicht nur bei gesundheitlichen Fragen, sondern auch für die Planung von Ausflügen oder schlicht, wenn auf dem Flughafen eine helfende Hand benötigt wird. Erkundigen Sie sich im Reisebüro nach dem gebotenen Service. So befördert beispielsweise Air Berlin medizinische Hilfsmittel, Geräte und Medikamente kostenlos im Laderaum.
Vorsicht bei seltenen Souvenirs
Sie möchten ein außereuropäisches Land besuchen? Dann lohnt ein Blick ins Internet. „Auf der Seite des Auswärtigen Amtes finden Sie unter dem Punkt ,Länder- und Reiseinformationen’ aktuelle Angaben zur Sicherheitslage“, erklärt Sibylle Zeuch, Pressesprecherin beim Deutschen Reise-Verband (DRV). Außerdem erfährt man dort Einzelheiten zu den Einreise- und Zollvorschriften. Grundsätzlich verboten ist die Einfuhr von Dingen, die unter das Washingtoner Artenschutzabkommen fallen: „Wenn man vom deutschen Zoll mit Korallen, Elfenbein oder ausgestopften Tieren erwischt wird, riskiert man eine saftige Geldstrafe.“ Ähnliches gilt für Kulturgüter wie Antiquitäten, seltene Pflanzen oder Tierpräparate. Zeuch: „Im Zweifelsfall sollte man auf ein derartiges Mitbringsel lieber verzichten.“
Wichtige gesundheitliche Vorkehrungen
Mindestens sechs Wochen vor der Abreise steht ein Termin beim Hausarzt an. Der Impfschutz muss überprüft und bei Bedarf aufgefrischt werden. Auch ein rechtzeitiger Besuch beim Zahnarzt ist sinnvoll, wenn zum Beispiel eine Brücke wackelt. Behandlungen im Ausland können viel Geld kosten und werden häufig nicht von der deutschen Krankenversicherung übernommen. Sybille Zeuch vom DRV empfiehlt daher, unbedingt eine Reisekrankenversicherung abzuschließen. Auslands-Policen gibt es via Internet schon für weniger als 30 Euro pro Jahr; im Reisebüro oder bei Banken sind sie meist etwas teurer. Personen ab 70 Jahre müssen allgemein mit einem Risikoaufschlag rechnen.
Das gehört in die Reiseapotheke
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben, weiß der Volksmund. Schade nur, wenn das Vergnügen durch körperliches Unwohlsein getrübt wird. Vorsicht ist besonders in südlichen Ländern angebracht. „Obst immer sorgfältig schälen und Wasser nur abgekocht trinken“, lautet die Empfehlung von Anja Kempin. Fleisch oder Fisch im Rohzustand, Softeis und Eiswürfel sollte man besser meiden. Gewissenhaftes Eincremen vermindert das Risiko, einen Sonnenbrand zu erleiden, Sonnenbäder in der Mittagshitze strengen den Körper nur unnötig an. Tritt trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ein Infekt auf, hilft eine gut sortierte Reiseapotheke. Diese sollte nach Meinung der Ärztin „Membranpflaster oder Kaugummis gegen die Reisekrankheit, ein Schmerzmittel wie Paracetamol, eine Medizin gegen Durchfallerkrankungen, zum Beispiel Imodium, und ein Elektrolytpräparat enthalten“. Desinfektionsspray, Verbandsmaterial und Fieberthermometer sind ebenfalls Pflicht. „Außerdem würde ich ein Paar Ohrstöpsel einstecken, falls es im Hotel mal lauter wird.“ Und noch ein Tipp: Das vom Centrum für Reisemedizin mitverantwortete Internetportal TravelMED bietet eine Fülle von Informationen zum Thema Reisen.
Welche Papiere sind notwendig?
Keinesfalls vergessen darf man die rechtzeitige Kontrolle der Papiere. In Europa genügt ein gültiger Personalausweis, aber für Trips ins außereuropäische Ausland ist ein Reisepass vonnöten, der zur Sicherheit mindestens sechs Wochen über den Urlaubsaufenthalt hinaus gültig sein sollte. Für viele außereuropäische Länder ist zudem ein Visum nötig. Ungefähr eine Woche vor der Abreise sollte man die Zeitung abbestellen oder einen Nachsendeantrag stellen. Doch wer kümmert sich während der Abwesenheit um die Wohnung und sieht nach der Post? Eine Nachbarin hilft bestimmt gern. Hier deponiert man am besten auch gleich eine Handy- oder Kontaktnummer für Notfälle. Dann bleibt nur noch, die Koffer zu packen (bitte die EU-Sicherheitsvorschriften fürs Handgepäck beachten!), den Kühlschrank zu leeren, unnötige Stromverbraucher auszuschalten – und die guten Erholungswünsche Ihrer Lieben entgegen zu nehmen.
