
- Reitpilgern entlang der Jakobswege - © RainerSturm / PIXELIO'
Mit dem Pferd auf den Pilgerpfaden des Jakobsweges unterwegs zu sein, besitzt tiefe historische Wurzeln. Die Wallfahrt kennt man in vielen Religionen. Als das Pferd noch zu den überwiegend genutzten Fortbewegungsmitteln zählte, war es für Menschen selbstverständlich, zu Pferd zu pilgern. In jüngster Zeit wird auch in Deutschland diese ursprüngliche Tradition des Reitpilgerns wieder neu belebt.
Pilgern zu Pferd als sinnliches Reiterlebnis
Mit dem Pferd auf Wanderschaft zu sein, ist vielen Pferdefreunden im Rahmen des Wanderreitens vertraut. Doch der mehrtägige Pilgerritt auf dem Wegenetz der traditionell gewachsenen Altstraßen des Jakobsweges bietet eine besondere Qualität. Sie liegt in der Verbindung von unmittelbaren Naturerlebnissen und dem Weg zur inneren Balance auf dem Rücken des Pferdes. Der Pilgerritt vereint Entspannung und Spiritualität.
Pilgerschaft auf dem Pferderücken bedeutet, langsam und relaxt ein Etappenziel des Jakobsweges zu erreichen. Das Pferd ist der zuverlässige Begleiter, der dem Reiter hilft sein Ziel zu bewältigen. Geritten wird entspannt zumeist im Schritt, auch das Führen des Pferdes eine Wegstrecke entlang am Zügel ist üblich. In der ruhigen Gangart ohne Zeitdruck liegt die Quelle intensiver Wahrnehmung. Langsamkeit führt zu Vertiefung und Verdichtung von Gesehenem und Erlebten. Die Sinne schärfen sich.
Beim Reitpilgern schöpft man aus der Ruhe neue Kraft
Mit der Pilgerschaft sind besondere Erfahrungen verbunden, die kaum mit anderen Erlebnissen vergleichbar sind. Unterwegs auf den Jakobswegen erfährt man sich selbst, die Natur und Begegnungen mit Mitmenschen auf besondere Art und Weise. Reitpilgern erfordert Kraft, den Mut des Aufbruchs. Doch das Pilgern zu Pferd wird im Ergebnis zur Kraftquelle, die als wirksamer Ausgleich zum Alltagstrott Regeneration, Entspannung und Genuss erreicht.
Auch die Beziehung zum Pferd kann sich auf eine neue, noch ungekannte Weise entfalten. Für Pferde ist das zwangfreie, losgelöste auf dem Weg sein gleichfalls wohltuend. Man ist mit dem Pferd den ganzen Tag im natürlichen Rhythmus der Natur unterwegs, übernachtet auf der Wegstrecke. Versorgt und umsorgt es, lässt es nicht allein. So entsteht eine besondere Verbindung, die das Wohlbefinden von Reiter und Pferd auf der Pilgerschaft verstärkt.
Pilgern mit Pferd auf den deutschen Jakobswegen
Der Trend des Pilgerns zu Pferd erfährt mittlerweile auch in Deutschland eine Wiederbelebung. So gibt es mittlerweile eine Anzahl von Anbietern, die das Pilgern auch mit einem Leihpferd ermöglichen. Um an diesen organisierten Ausritten teilzunehmen, muss man sich gut vorbereiten. Es ist wichtig, sich schon im Vorfeld mit dem Schulpferd vertraut zu machen. Es muss ein ausgeprochenes Verlasspferd sein, dass auch in schwierigen und ungewohnten Situationen nicht die Nerven verliert.
Die naturschönen Pilgerwege haben teilweise einen recht hohen Schwierigkeitsgrad für Mensch und Pferd. So sollte das Pferd ausreichend fit sein, durch mehrstündige Geländeritte geübt. Auch der Reiter muss viele ungewohnte Belastungen gut verkraften können. Ein vorheriger medizinischer Check wäre unbedingt empfehlenswert. Wählt man einen geführten Pilgerritt, sollte man sich im Vorfeld genau über alle Konditionen und gebotenen Leistungen informieren. Der Pilgerführer sollte die Wegstrecke kennen und schon im Vorfeld geritten sein.
Reitpilgern mit dem eigenen Pferd
Besitzt man ein eigenes Pferd und wünscht sich die Jakobswege entlang zu pilgern, so ist der Anschluss an eine erfahrenen Pilgergruppe sinnvoll. Erfahrene raten davon ab, einen Pilgerritt allein durchzuführen. So ist man bei einem Notfall abgesichert und kann sich schnell gegenseitig helfen. Ausreichend Informationen im Vorfeld zu sammeln und die Wegstrecke mit Übernachtungsmöglichkeiten flexibel zu planen, hat sich bewährt.
Für Neueinsteiger bieten die mehr als 55 neu ausgewiesenen Wegstrecken der Jakobusgesellschaften in Deutschland spannende Etappen. Wanderreitstationen, Gasthöfe, Reiterhöfe und Klöster in der Nähe deutscher Jakobswege ermöglichen die Unterbringung von Pilgernden zu Pferd bei rechtzeitiger Anmeldung. Reitet man ohne zusätzliches Packpferd, ist das Gepäck genau abzuwiegen. Auch für die ausreichende Versorgung des Pferdes unterwegs muss zuverlässig gesorgt werden. Durch solide Vorbereitung wird das Reitpilgern zu einem unvergesslichen Erlebnis. Eine intensive Verbindung von Spiritualität, Selbstfindung und Naturerfahrung, die man lange in Erinnerung behält.
