„What are you doing?“ wird der geneigte Nutzer bei Twitter gefragt. Einige kurze Worte, gerade einmal 140 Zeichen, mehr braucht es nicht, um mit Menschen in aller Welt in Kontakt zu treten. Moderne Kommunikationstechnologien haben die Art, wie Beziehungen aufgebaut und gepflegt werden grundlegend revolutioniert. Noch bis vor wenigen Jahrzehnten war es mit Anstrengung verbunden Freundschaften über größere Entfernungen hinweg aufrecht zu halten, während geografische Grenzen in der virtuellen Welt von heute beinahe verschwunden sind.

Facebook, Skype, Twitter, Flickr und viele Angebote mehr bieten neue Wege, Beziehungen zu definierten. In Blogs und Chats wird von Social Networking gesprochen oder „Relationship 2.0“ – eine neue Ära der Kommunikation, wie es scheint. Was steckt hinter der Anziehungskraft virtueller Freundschaften?

Virtuelle Beziehungen – Segen oder Fluch?

Soziale Kontakte über die heutigen Kommunikationsformen sind in vielerlei Hinsicht ansprechend, doch entscheidend für ihren Erfolg sind drei Faktoren: unbegrenzte Verfügbarkeit, einfaches Knüpfen neuer Kontakte und subjektiv erlebter Schutz der eigenen Privatsphäre.

(1) Unbegrenzte Verfügbarkeit

Rund um die Uhr und überall auf der Welt sind neue Kontakte möglich. Ohne Verpflichtungen einzugehen kann ein Nutzer persönliche Informationen potentieller Freunde betrachten und nach Gemeinsamkeiten in Werdegang, Interessen oder Gesinnung suchen.

(2) Einfaches Knüpfen neuer Kontakte

Wo im realen Leben häufig Schüchternheit oder mangelndes Selbstvertrauen neuen Beziehungen im Weg stehen, genügt durch die neuen Technologien ein einziger Klick und ein neuer Freund ist zum eigenen Netzwerk hinzugefügt.

(3) Schutz der eigenen Privatsphäre

Durch die Verwendung von Nutzernamen und die Möglichkeit, selbst zu steuern, welche Informationen das Gegenüber erhält und welche nicht entsteht ein Gefühl der Sicherheit.

Die positiven Aspekte virtueller Freundschaften schlagen sich im immer weiter steigenden Erfolg von Social Networking Angeboten nieder. Aus Kontakten kann Zusammenarbeit entstehen, Internetbewegungen, Start-Ups auf virtueller Basis und ein immenser Informationsgewinn sind einige der Resultate. Relationship 2.0 glänzt durch Innovation, Effizienz und Kreativität. Doch wo viel Licht ist, gibt es auch viel Schatten, sagt das Sprichwort.

Gerade die Faktoren, die virtuelle Beziehungen anziehend machen, bergen Gefahren in sich. So folgt aus der unbegrenzten Verfügbarkeit leicht Oberflächlichkeit. Einfach geknüpfte Kontakte verbleiben in der Unverbindlichkeit, werden aber oft mit echten Freundschaften verwechselt. Der Schutz der eigenen Privatsphäre kann sich in sein Gegenteil umkehren.

(1) Oberflächlichkeit

Freunde sind ein wertvolles Gut und Freundschaften aufzubauen ist mit Arbeit verbunden, diese Arbeit wird in der virtuellen Welt auf ein Minimum reduziert. Doch sind echte Freundschaften ohne diese Art der Anstrengung wirklich möglich?

(2) Unverbindlichkeit und Selbsttäuschung

Der persönliche Kontakt lebt von der Mehrdimensionalität. Neben inhaltlichen Aspekten des Austauschs bestimmen Mimik und Gestik, Haltung und Stimme die Begegnung. Emotionen werden nicht nur durch Smileys vermittelt sondern vom Gegenüber direkt wahrgenommen. In dieser Hinsicht sind virtuelle Beziehungen unvollständig, wesentliche Eindrücke fehlen. Dennoch wird vielfach das virtuelle Netzwerk mit echten Freundschaften gleichgestellt. Diese Verwechslung bleibt nicht ohne Auswirkungen: „unverbindliche“ Freundschaften gehen nicht mit tiefen Emotionen und Empathie einher. Es bleibt fraglich, ob alle virtuellen Freunde auch im realen Leben gute Freunde wären.

(3) Preisgabe persönlicher Daten

Die vermeintliche Sicherheit durch Anonymität ist nicht ohne Risiken, gerade durch dieses Gefühl geben viele Nutzer leichtfertig Informationen preis. Zudem wird auf den Plattformen selbst eine große Menge persönlicher Daten dauerhaft gespeichert, die abrufbar und auswertbar bleiben.

Werden virtuelle Freundschaften an die Stelle realer Beziehungen treten?

Die modernen Kommunikations- und Kontaktformen sind ohne Frage eine Bereicherung für den zwischenmenschlichen Austausch. Freunde und Familienangehörige, die räumlich getrennt sind, können durch sie ihre Beziehungen aufrecht erhalten. Informationen in nie dagewesenem Maße sind verfügbar. Die Kehrseite dieser Technologien macht jedoch einen umsichtigen und verantwortungsvollen Umgang mit den neuen Möglichkeiten nötig. So zeigt sich, dass rein virtuelle Kontakte nicht in der Lage sind, die Qualität realer Bindungen zu ersetzen. Relationship 2.0 ist eine wertvolle Erweiterung realer Beziehungen, jedoch kein Ersatz.