
- Schema: Schweinegrippe-Virus (Influenza-A/H1N1) - Dr. Gerald Albach
Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt zur Behandlung des neuen Schweine-Influenza-Virus A/H1N1 den Wirkstoff Zanamivir (Relenza) und Oseltamivir nur im Rahmen der aktuellen Pandemieplanung. Die US-amerikanische Infektionsschutzbehörde "Centers for Disease Control and Prevention" (CDC) hat erste Wirksamkeitstests gegen den Schweinegrippe-Virus unternommen. Es gibt Hinweise, dass die Neuraminidase-Hemmstoffe Zanamivir (Relenza) und Oseltamivir wirksam sind. Unbekannt ist weiterhin, ob der saisonale H1N1-Grippe-Impfstoff gegen das Schweinegrippe-Virus schützt. Für die aktuelle Schweinegrippe-Pandemie gilt das Virostatikum Relenza als Empfehlung, da das neue Schweinegrippe-Virus sich nicht ausbreiten soll. Das RKI empfiehlt auf seiner aktualisierten Internet-Präsenz vom 30.04.2008 ausdrücklich den Wirkstoff Zanamivir (Relenza) nicht zur Eigen-Medikation bei Verdacht auf Schweinegrippe einzusetzen.
Husten, Schweinegrippe oder Schnupfen?: Sie haben "Nur 48 Stunden"
Antivirale Neuraminidase-Hemmer wie Relenza wirken nur, wenn Sie Relenza innerhalb von 48 Stunden nach der Infektion einnehmen. Für eine Eigen-Medikation benötigen Sie eine Eigen-Diagnose innerhalb der ersten 36 bis 48 Stunden nach der Infektion: Sie leiden wahrscheinlich als fieberkranker Patient an einem fiebrigen Krankheitsgefühl, verbunden mit Schnupfen und Halsschmerzen. Wie sollte Ihre Eigendiagnose nun aussehen? Vielleicht hat sie ein saisonaler Grippe-Virus erwischt, vielleicht ein Schweinegrippe-Virus. Eventuell aber nur eine normale Erkältung. Grippe-Symptome sind sehr unspezifisch, eine Eigendiagnose ist unzuverlässig. Vielleicht hat Sie auch "Streptococcus pneumoniae" erwischt: Dann wären es die Anzeichen einer bakteriellen Lungenentzündung. Ein antivirales Grippe-Medikament wie Relenza wirkt nur gegen Viren, gegen Bakterien wirken dagegen Antibiotika.
Falsche Dosierung von Relenza oder Tamiflu kann den Virus resistent machen
Der Wirkstoff Zanamivir aus dem Grippe-Medikament Relenza foppt Grippe-Viren und stoppt die Verbreitung der neu gebildeten Virionen aus der Wirtszelle. Eine Medikation zum falschen Zeitpunkt oder mit einer falschen Dosierung kann dazu führen, dass ein Grippe-Virus resistent wird. Dann haben Sie sich aber nicht nur selbst gefoppt. Die Resistenzbildung gegenüber eines der Neuraminidase-Hemmstoffe ist das Horror-Szenario eines jeden Pandemieplans.
Resistenzen verleihen Grippe-Viren Flügelchen
Virologen befürchten Virusresistenzen gegenüber Neuraminidase-Hemmern, da ein normaler Grippe-Virus quasi Flügelchen bekommt. Ihr neu gezüchteter Red-Bull-Virus könnte dann hemmungslos in der Biomasse Mensch umher springen, bis nach Wochen ein Grippe-Impfstoff vorhanden wäre. Der neue Schweinegrippe-Virus A/H1N1 ist scheinbar schon gegen alte Grippe-Medikamente mit den Wirkstoffen Amantadin und Rimantidin resistent. Vielleicht stammt die Resistenz gegenüber Amantadin aus einem Vogelgrippe-Virus. Amantadin wird häufig in asiatischen Hühnerfarmen unter das Futter gemischt.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.
- Weitere Informationen:
- Über weitere wirksame Medikamente gegen die Schweinegrippe-Symptome informiert sie der Beitrag: "test - Medikamente gegen Grippe und Erkältung".
- Auf der Website der "Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft“ finden Sie weitere Informationen über die Medikamente Relenza und Tamiflu, die Sie kostenlos als pdf-Datei herunterladen können. In relativ verständlicher Sprache gibt es dort aus der Reihe "Wirkstoff AKTUELL" die Ausgabe 01/2007: Oseltamivir (Tamiflu); Zanamivir (Relenza).
- In der Reihe "Arzneiverordnung in der Praxis" finden Sie weiterhin folgende Artikel:
- Band 30, Ausgabe 4, November 2003: Grippe – Aktuelles zur Impfung, Therapie und Prophylaxe.
- Ausgabe 4/2002 – 1/2003: Oseltamivir (Tamiflu) zur Therapie und Prophylaxe der 'Grippe'.
- Ausgabe 3/2001: "Grippe-Impfung“: Nutzen, Risiko, Kosten.
- Ausgabe 1/2000: Zanamivir
- Erkrankungen bei EHEC-Infektionen benötigen dagegen eine vollkommen andere Therapie.
- Bild-Informationen: Schema eines Influenza-A-Virus nach ViralZone (UniProtKB/Swiss-Prot viral protein entries): Hämagglutinin (HA, rosa); Neuraminidase (NA, türkis); Nucleo-Protein (NP, orange); Nucleares Export Protein (NEP, grau); Matrix-Protein (hellgrün); M2-Ionen-Kanal (M2-IK, rot).
