Die Remseder Kapelle, Symbol für das hohe Alter Remsedes und seine überörtliche historische Bedeutung, unterschied das Dörfchen noch in einer weiteren Hinsicht von allen übrigen Bauerschaften im Kirchspiel Laer. Denn keine andere Bauerschaft hatte ein eigenes Kirchengebäude. In Müschen, Winkelsetten oder Hardensetten war der Kirchgang ins Dorf Laer deshalb auch ganz selbstverständlich, in Remsede aber nicht. Hier bestand seit jeher der Wunsch, das religiöse Leben im Raum der eigenen Kirche zu pflegen. Denkbar ist, dass die Remseder Kirche ursprünglich als Gutskapelle eines am Ort beheimateten Adelssitzes des Osnabrücker Ministerialengeschlechts derer von Buck errichtet wurde. Vier alte Wappen im Chor der Kapelle, die erst nach einer Restaurierung nach dem Dreißigjährigen Krieg entfernt worden seien, hätten früher von den alten Rechten des Gutes an der St. Antonius Kapelle gezeugt. Es habe sich dabei um zwei Wappen der Bucks und je eines der v. Schmiesing und der v. Ketteler gehandelt, die zu den wichtigsten Remseder Grundherren zählten. Zum Unterhalt der Kapelle hätte das Gut auch verschiedene Ländereien in der Remseder Feldmark vergeben.
Reparaturen und Renovierungen
Aber der regelmäßige sonntägliche Gang zum Gottesdienst in die Kirche des kleinen Dorfes war nie ganz gesichert, denn die Remseder Kapelle galt als Filiale der Pfarrkirche in Laer. Noch zu Anfang des 18. Jahrhunderts gab es in der Remseder Kirche keinen regelmäßigen sonntäglichen Gottesdienst, weil das kleine Dorf keinen eigenen Priester hatte. Die Kapelle selbst war verfallen. Um das Jahr 1709 war ihr Dach wegen einiger Sturmschäden zur Hälfte abgedeckt. Wind und Wetter setzten ihr Zerstörungswerk fort, denn es fehlte an Geld, um die nötigen Reparaturen vorzunehmen. Damals hatte die Kirche wohl eine Kanzel, einen Beichtstuhl und eine Glocke, aber keine Orgel und auch keine Sakristei. „Die Opfergelder waren sehr gering und dienten kaum dazu, die laufenden Ausgaben für die Abhaltung von Gottesdiensten zu begleichen“.[i] Also war die Renovierung sehr mühsam und langwierig.
Noch zum Ende des Dreißigjährigen Krieges hielt der Pastor von Laer nur an vier Tagen des Jahres in Remsede ein Hochamt. Ansonsten mussten die Remseder den beschwerlichen Weg zum Gottesdienst in die Pfarrkirche nach Laer antreten. Das änderte sich, seitdem es dort einen Schulvikar gab (1681), der einige Male des Jahres nach Remsede kommen musste.
Eine Stiftung für die Kirche
Die Bemühungen um eine bessere seelsorgerische Betreuung gingen offenbar weiter. Im Jahre 1738 starb in Remsede ein junger Priester namens Johan Jacob Egbers. Zum Zeitpunkt seines Todes war er erst 38 Jahre alt. Es ist gut möglich, dass „Krankheit und Schwäche mit ein Grund gewesen (sind), daß er den Dienst an der Kapelle in Remsede versah“.[ii] Dieser Pastor Egbers hat sich offenbar recht erfolgreich um den Aufbau einer ausreichenden finanziellen Grundlage für eine eigenständige Remseder Priesterstelle bemüht. Er sammelte Stiftungsgelder, die sich im Laufe der Zeit auf einen Betrag von immerhin 600 Talern summierten. Man konnte also irgendeinen Geldbetrag stiften, dessen Zinsen dann die Unkosten einer bestimmten Anzahl von Messen abdecken sollten. Im Jahre 1733 etwa stiftete Wilhelm Telkamp 20 Taler. Eigentlich hatte er das Geld dem Halberben Klostermann geliehen, aber jetzt trat er diese Forderung an die Kirche ab. Aus dem Zinsertrag sollten jährlich drei Messfeiern bezahlt werden.[iii]
Wallfahrtsablass und Kirchenfinanzen
Nach dem Tode Egbers wurde die seelsorgerische Betreuung Remsedes wieder unsicher. Mitte des 18. Jahrhunderts schlugen die Remseder einen neuen Weg ein. Es scheint, als hätten sie ihre Bemühungen um eine eigenständige Seelsorgerstelle mit denen um die Wiederbelebung der alten Wallfahrtstradition verbunden. Fürstbischof Klemens August gewährte jedenfalls einen neuerlichen Wallfahrtsablass für Remsede, der sich mit der Hoffnung der Eingesessenen verband, die Einnahmen steigern und damit einen eigenen Priester finanzieren zu können. Das funktionierte letztlich nicht, aber dennoch investierten die Remseder auch weiter in den Erhalt ihres Kirchleins, die in dieser Zeit ihre Barockaltäre erhielt.
Iburger Moench in Remsede
Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Gottesdienst in Remsede vom Kloster Iburg aus besorgt. Das Kirchspiel Laer, zu dem Remsede gehörte, zahlte dem Kloster dafür nichts, und so ist anzunehmen, dass die Patres aus Iburg den Dienst in Remsede ohne jede Vergütung versahen.[iv] Mit der Aufhebung des Klosters Iburg begann schließlich ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Remseder Seelsorge, denn nun zog der pensionierte Pater Budde in das kleine Kapellendorf und übernahm den Dienst eines Priesters, ohne dass ihn die Remseder dafür hätten bezahlen müssen. Nach Buddes Tod aber mussten sie die Kosten eines eigenen Priesters tragen, eine schwere Last, die sie gleichwohl schulterten. Dabei investierte das Dörfchen auch weiter in die Inneneinrichtung der alte Kapelle, bis sie im Jahre 1851 endlich zur Pfarrkirche avancierte.
[i] Heinrich Schockmann, Aufzeichnungen zur Geschichte des Kirchspiels Laer, S. 222.
[ii] K.H. Neufeld, Remsede auf dem Weg zur Pfarrei, Laerer Nachrichten (LN), Jg. 4, 21.03.1986.
[iii] Vgl. K.H. Neufeld, Geistlicher in Remsede - Grundlage der Pfarrei, in: Osnabrücker Land, Heimat Jahrbuch 1997, S. 106.
[iv] Vgl. Ebenda.
