Remsede und die Unabhängigkeitsfeier von 1901

Jahrhunderte lang war das Dorf Remsede nicht mehr als eine Bauernschaft des mächtigen Dorfes Laer. Doch 1851 wurde man frei und 1901 wurde feste gefeiert

Schneeweiß gestrichen zeigt sich das dem hl. Antonius geweihte Kirchlein im Herzen des Dorfes Remsede. Noch nicht allzu lange ist es her, dass hier täglich katholischer Gottesdienst gefeiert wurde, und am Sonntag gleich dreimal. Um viertel nach sieben in der Früh ging es mit einer hl. Messe los, um 10.00 Uhr war Hochamt und um 15.00 Uhr für alle, die noch immer nicht genug der frommen Worte hatten, boten die zeitigen Pastöre eine zusätzliche tiefgründige Andacht an.

Ein glaubensfestes Dorf

Nichts von alledem gibt es mehr, weil die Priesternot der Katholiken Kirche nun auch Remsede arg getroffen hat. Dabei war das Dörfchen einst ein ausgesprochen glaubensfleißiger Flecken, der wiewohl klein und ärmlich doch seit Jahrhunderten schon ein Kirchlein sein eigen nannte und es beständig erhielt. Mitte des 19. Jahrhunderts gelang es sogar, aus der bloß nachrangigen Bauerschaftlichen Existenz in die stolze Unabhängigkeit eines eigenständigen Kirchdorfes über zu wechseln. Im Kaiserreich erinnerte man sich selbstbewusst jener Tage, in denen das Dorf die Freiheit sich erkämpft hatte, und endlich aus dem Schatten der mächtigen Mutterkirche des benachbarten Dorfes Laer getreten war. Und es verwundert nicht, dass man im Dorfe Remsede den 50. Jahrestag seiner Libertas vor rund 110 Jahren, genauer am 15. August des Jahres 1901, festlich beging.

Erhebung zur Pfarre

Am 15. August des Jahres 1851”, so hat es ein ungenannter Remseder notiert, “traf von zuständiger Behörde an den derzeitig hier angestellten Kaplan, nachmaligem Pastor Dechanten und Kreisschulinspektor Weber zu seiner und der ganzen Gemeinde Freude die Nachricht ein, daß Remsede nunmehr zu den selbständigen Pfarren der Diözese zähle und er als Pfarrer für dieselbe ernannt sei“.

Exakt 50 Jahre später, am 15. August 1901, stand eine Jubiläumsfeier ins Haus, und zwar aus gutem Grund, denn: „Wohltaten an sämtlichen Mitgliedern der Gemeinde von der Wiege bis zum Grabe” habe die Selbstständigkeit gebracht, notierte der Verfasser, und bemühte dann im Hinblick auf die Priester, die ihr Leben in Remsede zugebracht hatten, das Bild vom guten Hirten, der die Herde zusammenhält und “selbst den Kranken und Räudigen Balsam in die schmerzenden Wunden (gießt), um zu lindern und zu heilen”.[1]

Gedenkfeier am Friedhof

Am Spätnachmittag des 15. August 1901 war es soweit. Die Gemeinde setzte sich “mit unserem hochwürdigen Herrn Pfarrer (Berning) an der Spitze, durch die festlich geschmückten Straßen zum Gottesacker in Bewegung. Hier angekommen wurden Kränze auf dem Grabe des Hochw. Herrn Dechanten Weber, Hochw. Herrn Pfarrer Dr. theol. Niehaus und des Lehrers, Herrn Koch, niedergelegt. Darauf hielt unser Hochw. Herr Pfarrer Berning eine ergreifende, tief zu Herzen gehende Rede, worin derselbe auf die Bedeutung des Tages hinwies und in klaren, warmen Worten das Wirken des Hochw. Herrn Dechanten Weber, unter dessen Amtierung Remsede zu einer selbständigen Pfarre geworden, schilderte und auf die Segnungen und Vorteile hinwies, welche die Gemeinde Remsede in diesen 50 Jahren erhalten. Ferner hob derselbe die Verdienste des Hochw. Herrn Dr. Niehaus und des Herrn Lehrer Koch hervor. Am Schluß gedachte der Hochw. Herr in ergreifenden Worten der in diesen 50 Jahren Verstorbenen (666), welche im kühlen Schoß unseres Gottesackers ruhen. Der Hochw. Herr wußte so ergreifend zu schildern, daß unter den Zuhörern manche Thräne aufs kühle Gras hinabfiel”.[2]

Jubelfest im Dorfgasthof

Nach dieser Episode auf dem örtlichen Friedhof, bei der die Verdienste der Herren Pfarrer und Lehrer (die dem Pfarrer zu dieser Zeit noch unmittelbar unterstellt waren) auch wirklich hinreichend dargestellt waren, ging die Feier ihrem zweiten Teil entgegen. Man traf sich zum Festessen im Saal des Gasthofes Eckelkamp, wo für 48 Personen gedeckt war. Rasch brachte der Festpräsident den ersten Toast auf die Gemeinde Remsede aus und erinnerte nochmals an den Dechanten Weber, der die Verselbständigung des kleinen Dorfes und ihre Erhebung zur Pfarre seinerzeit vorangetrieben hatte. Dann erhob Pfarrer Berning sein Glas und toastete auf eine glückliche Zukunft. Und darauf erhob sich schließlich der Hofbesitzer Strohtmann und hielt die erste Rede des Tages auf platt. Er schilderte “in launiger und humorvoller Weise die früheren Verhältnisse unserer Gemeinde zur Gemeinde Laer, stellte in warmen Worten die Verdienste unseres Hochw. Herrn Pastors um unsere Gemeinde ins rechte Licht und hob besonders hervor, daß derselbe, wo es das Wohl der Gemeinde gegolten, mitunter recht tief in seinen Geldbeutel gegriffen” habe.[3] Nach diesem Beitrag wurde die Stimmung dann doch um einiges weltlicher. Munter ging es weiter, ein Redner folgte auf den nächsten und bei all dem wurde gut gegessen und getrunke. Zu späterer Stunde beendete man den offiziellen Teil “unter Absingung etlicher volkstümlicher Lieder”. Vermutlich hatte der Hofbesitzer Strohtmann auch hier seine Hände im Spiel, denn er war der Vorsitzende des örtlichen Gesangvereins “Concordia”. Danach ging es nach draußen um sich noch das prachtvolle Brillantfeuerwerk anzusehen, das man zur Feier des Tages in Auftrag gegeben hatte.

[1] Iburger Kreisblatt 9. Jg., 20.07.1901. Der Autor dürfte der damalige Pastor Hermann Berning gewesen sein.

[2] Ebenda, 9. Jg., 20.08.1901.

[3] Ebenda.

Dr. Richard Sautmann, Dr. Richard Sautmann

Richard Sautmann - Dr. Richard Sautmann, von Beruf Historiker und freiberuflicher Autor. Nach dem Magisterstudium an der Universität Oldenburg und ...

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