Remsede und die Wallfahrten zum hl. Antonius

Fest verankert sind die historisch bezeugten Wallfahrten zum hl. Antonius ins Osnabrücker Dörfchen Remsede.

Die Wallfahrt zum St. Antonius nach Remsede gehört ebenso wie die Sagen aus uralter Zeit zu den bedeutenden historischen Erinnerungen, die dem Dorf bis heute einen außerordentlichen Stellenwert im regionalen Geschichtsbewusstsein sichern. Frühere Forscher vermuteten, dass die Ursprünge der Remseder Wallfahrt „auf uralte germanische Volksfeste zurückgehen, deren religiöser Charakter durch das Christentum umgeformt wurde, deren weltlicher Charakter sich aber durch die Zeiten hindurch gerettet“ hat.[i] Weiterführend scheinen eher die Überlegungen des Abtes Maurus Rost. Er notierte, dass in früherer Zeit viermal im Jahr ein „festlicher Zug aus Frömmigkeit“ in Remsede stattgefunden habe, um die Pest und andere Epidemien fernzuhalten.

Die Pest im Mittelalter

Die große Pestwelle erreichte Europa um das Jahr 1350 einer urzeitlichen Katastrophe gleich, und erklärlich war sie letztlich nur damit, dass sich Gott von der sündigen Menschheit abgewandt habe. Stellenweise fielen bis zu 90% der Bevölkerung der Pest zum Opfer – mehr noch in den Städten als auf dem Lande. In der Krise mochte die Gläubigkeit angestiegen sein und so ist es durchaus plausibel, den Ursprung der Remseder Wallfahrt in die Mitte des 14. Jahrhunderts zu datieren.

Der hl. Antonius in Remsede

Ziel der Wallfahrer war der hl. Antonius der Einsiedler, Patron der Ritter und Bauern, aber auch Schutzherr der Weber, Metzger, Zuckerbäcker, Korbflechter, Totengräber und übrigens auch der Haustiere, vor allem der Schweine. Antonius galt als Helfer gegen die Pest und sonstige Epidemien. Außerdem war er auch als Helfer gegen Tierkrankheiten aller Art beliebt und weithin bekannt. Daher wurde die Figur des „Swienetünnes“ oftmals mit einer Fackel zur Abwehr des Seuchenfiebers und einem kleinen Schwein zusammen abgebildet. Die Antoniusverehrung hatte also gerade im ländlichen Raum einen handfesten wirtschaftlichen Hintergrund, versprach seine Anbetung doch Gedeihen und Wohlergehen für Mensch und Tier gleichermaßen.[ii]Gewaltig war früher der Zulauf der Gläubigen“, heißt es in einem Protokoll aus dem frühen 18. Jahrhundert, als die Remseder Wallfahrt bereits weitgehend eingeschlafen war.[iii] Der Überlieferung nach, der hier nicht widersprochen werden soll, kamen die Pilger von weit her, ja sogar von Köln bis nach Remsede, zur Anbetung des Antonius.

Remseder Wallfahrt

Ein Dokument aus dem Jahre 1504 verdeutlicht die Bedeutung der Remseder Wallfahrt zum Ende des Mittelalters. Konrad von Rietberg, Bischof von Münster und Administrator des Bistums Osnabrück, erlaubte, „daß das Bildnis des Seligen Antonius in Remsede, in unserer Diözese Osnabrück, in jedem Jahr in einer feierlichen Prozession mit der geschuldeten Verehrung und unter Bittgebet um reiche Gnade für die Kirche auf einem Weg um (per circuitum) die Pfarreien Hilter, Laer, Glandorf und Glane getragen wird“.[iv] Hierfür gewährte der Bischof den Teilnehmern einen Ablass von 40 Tagen, der übrigens auch für all jene galt, die sich am Erhalt der offenbar renovierungsbedürftigen Kapelle beteiligten. Die späteren Prozessionen der Gemeinden Laer und Glane zum so genannten „Hilgenstohl“ mögen Relikte dieser Umgänge gewesen sein. Sie lassen außerdem vermuten, dass die Prozessionen mit dem Bild des Antonius „nicht als einmalige Unternehmung, bei der alle vier genannten Gemeinden am gleichen Tag berührt worden wären, sondern als vier gesonderte Umgänge mit dem Bild des Hl. Antonius von Remsede“ vorzustellen sind.[v]

Hilgenstoal und Piusplatz

Die Erinnerung an die Remseder Wallfahrt prägte das lokale Geschichtsbewusstsein jedenfalls deutlich. Am bereits erwähnten „Hilgenstohl“ an der Grenze zu Laer fanden sich noch große flache Steine, in deren Mitte ein Loch ausgeschlagen war, in das wiederum die Pilger ihre Fahnenstangen gesteckt haben sollen, bevor es zur letzten Etappe ins Dorf ging. Ein Stück eines solchen Fahnensteins wurde im Mai 1977 vom Hof Schönebeck in einem feierlichen Akt auf den neu gestalteten „Piusplatz“ in Remsede versetzt und erinnert bis heute an die große Zeit des Remseder Wallfahrtwesens, so wie die Bronzplastik am Kirchhof auf die sagenhafte Geschichte der Remseder Heidenmission verweist.

Reformation, Dreissigjaehriger Krieg und das Ende der Wallfahrt

Im Zuge von Reformation und Dreißigjährigem Krieg sollte die Wallfahrt zum Antonius schließlich einschlafen. Ein Protokoll aus dem Jahre 1705 berichtet zwar, dass nunmehr viermal im Jahr, nämlich am Patronatsfest (17. Januar), an den Sonntagen nach St. Johannes und St. Jakobus (Ende Juni und Ende Juli) und am zweiten Sonntag nach St. Michael (Mitte Oktober) in Remsede feierliche Gottesdienste gehalten wurden, zu denen sich auch Teilnehmer aus den Nachbargemeinden einfanden.[vi] Diese Gottesdienste können aber eher auf die Verpflichtung des Pfarrers der Mutterkirche in Laer zurückgeführt werden, in Remsede vier jährliche Gottesdienste zu halten, an die sich dann jeweils eine Kirmes anschloss, von der letztlich nur die bis heute gehaltene Kirmes am zweiten Sonntag nach Michaelis übrig geblieben ist.

[i] Franz Jostes, Vorchristliche Altertümer im Gau Suderberge (Iburg), Münster 1888 S. 8.

[ii] Vgl. hierzu auch: K.H. Neufeld, Remsede, ein berühmter mittelalterlicher Wallfahrtsort, in: Bad Laer (Reihe: Suderberger Hefte Nr. 6), Bad Laer 1985, S. 64.

[iii] zit. n. Bernhard Nonte, Remsede, Mettingen 1985, S. 34.

[iv] zit. n. Ebenda, S. 33.

[v] Neufeld, Remsede, S. 66.

[vi] Vgl. Nonte, Remsede, S. 34. Nonte bringt die vier Termine mit den Patronatsfesten in Hilter, Glandorf und Glane in Verbindung, deren Remsede-Wallfahrt ja mit der o.a. Urkunde des Jahres 1504 belegt ist.

Dr. Richard Sautmann, Dr. Richard Sautmann

Richard Sautmann - Dr. Richard Sautmann, von Beruf Historiker und freiberuflicher Autor. Nach dem Magisterstudium an der Universität Oldenburg und ...

rss