
- Cosimo Medici - Thomas Max Müller/pixelio.de
Zur Einführung: Renaissance-Humanismus steht für eine geistige Strömung in der Zeit der Renaissance (14.- 16. Jahrhundert). Die Renaissance selbst (frz.: Wiedergeburt) ist eine europäische Kulturepoche, die die Wende vom Mittelalter zur Neuzeit umfasst. Humanismus bedeutet Rückbesinnung auf die Philosophie der Antike und deren Gelehrtenkreis, einschließlich des Humanitas-Begriffes (sittliche und geistige Bildung) der römischen Antike.
Aus beiden Begriffen entstand die moderne Bezeichnung 'Renaissance-Humanismus'. Das Zentrum dieser geistigen Strömung war Florenz und wurde angeregt von Francesco Petrarca (1304-1374). Petrarca gilt als ein bedeutender italienischer Dichter und Geschichtsschreiber und Mitbegründer des Humanismus.
Die Wiege der Renaissance
Florenz und die Medici stehen wie kein anderer europäischer Ort für die Wiederbelebung antiker Kunst und Gedanken. Deshalb muss jede nähere Untersuchung der Renaissance hier beginnen. Die Bürger von Florenz waren zutiefst überzeugt, dass ihre geliebte Vaterstadt bestimmt war, Großes zu vollbringen. Die Stadt befand sich politisch in einer günstigen Lage. Durch Handel reich geworden, beherbergte Florenz weder Kaiser noch Papst, die die Bürger in ihrer Eigeninitiative im Keim hätten ersticken können. Die Stadt wurde auch von keiner eigensüchtigen Tyrannenfamilie regiert, sondern von einer kultivierten, bürgerlichen Elite.
Im Florenz des 14. Jahrhunderts herrschte eine besondere Aufgeschlossenheit allem Neuen gegenüber, wo in anderen europäischen Ländern noch im Bilde des Mittelalters gelebt wurde. Das neu entstandene geistige Leben befruchtete Florenz ungemein und ließ die Stadt zur eigentlichen Heimat der neuen studia humanitatis (humanistische Studien) werden. An vielen Orten Italiens setzte das Studium der alten Geschichte, der Moralphilosophie und der Rhetorik ein.
Gelehrte aus Byzanz waren sehr willkommen in Florenz
Griechen, die aus Byzanz kamen und ihre Sprache lehrten, wurden von den Florentinern mit offenen Armen aufgenommen. Klassische Gelehrsamkeit, neuplatonische Philosophie, das Studium des altrömischen Lebens in seiner Gesamtheit – all das nahm seinen Anfang in Florenz. Zeitgleich mit dem Aufblühen der Künste, die in engem Zusammenhang mit der Entwicklung des Humanismus standen und die gleichen Ideen zum Ausdruck brachten.
Die neue Strömung Florenz' erhielt ihre Prägung durch Coluccio Salutati (1331-1406). Er war, wie auch Petrarca, mit dem er kurz Bekanntschaft machte, ein bedeutender Humanist und 1375 von Florenz zum Kanzler berufen worden. Den Einfluss, den er auf das geistige Leben der Stadt ausübte, war so außerordentlich, dass man das Jahr 1375 als den Beginn einer neuen Periode bezeichnete.
Die Florentiner und die neue Strömung
Zu den Bürgern von Florenz standen die Humanisten von Anfang an in enger Verbindung, da sie ja als Lehrer wirkten. Salutati führte eine Generation von Florentinern in die studia humanitatis und in das geistige Erbe Petrarcas ein und machte sich durch die Sammlung einer umfassenden Bibliothek klassischer Texte verdient. Salutatis lange Kanzlerschaft machte Florenz nicht nur zum geistigen Mittelpunkt Italiens, sondern verschaffte umgekehrt dem Humanismus auch offizielle Bedeutung im Leben der Stadt.
Die Wechselwirkung zwischen humanistischen Gelehrten und Laien, die enge Verknüpfung der humanistischen Studien mit dem politischen Leben, die Bedeutung seiner Gelehrten und Literaten sowie der Reichtum seiner Bibliotheken - all das machte Florenz im frühen Quattrocento (15. Jahrhundert) zum bedeutendsten Ausgangspunkt für die Entwicklung der Renaissance-Kultur. Sogar die Kenntnis der griechischen Literatur, die mehr als siebenhundert Jahre lang in Italien danieder lag, wurde wieder zum Leben erweckt.
Renaissance und die Medici
Wenn von Renaissance und Florenz gesprochen wird, darf der Name de' Medici nicht fehlen, vor allem der des Cosimo und Lorenzo de' Medici. Cosimo de' Medici (1389-1464) ragte durch sein Mäzenatentum bald ebenso über seine Standesgenossen hinaus wie durch seine politische und wirtschaftliche Macht. Zwar beteuerte er wiederholt, nur ein einfacher Bürger zu sein, aber dank seines großzügigen Mäzenatentums geriet er bald, von Gelehrten und Dichtern wie ein Fürst gepriesen und umschmeichelt, in den Ruf eines Herrschers. Cosimos Aufstieg zur Macht veränderte die oligarchischen Tendenzen der Florentiner Politik nicht wesentlich. In Dingen der Kunst ließ er die gleiche Vorsicht walten, wie bei seiner politischen Tätigkeit und bevorzugte eher eine traditionellere Richtung.
Die de' Medici waren Mäzene aller Künste. Lorenzo, auch einer der ganz Großen der de' Medici (1449-1492) - neben Giovanni de' Medici, der als Papst Leo X. (1513-1521) in die Geschichte einging -, neigte mehr zu Literatur und Geschichte als zur Malerei. Er war der Freund, Schüler und Mäzen Ficinos (ital. Humanist und Philosoph 1433-1499). Lorenzos Sonette und Eklogen, religiöse und philosophische Dichtungen, sind vom Einfluss der antiken Literatur und von volkstümlich-toskanischen Traditionen geprägt. Seine berühmte Antikensammlung ließ er bei vielen Objekten mit seinem Namen (LAVR MED) versehen.
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