Geschichte der Wallfahrtstätte Maria Einsiedel

Im Zentrum der Wallfahrtstätte Maria Einsiedel, nahe Gernsheim am Rhein, steht eine kleine Kapelle zwischen großen Lindenbäumen. Wenn man vom Parkplatz aus die Lindenallee hinuntergeht um zur Kapelle zu gelangen, fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Und wenn man die Augen schließt dann kann man das Besondere dieses Wallfahrtsortes erspüren. Ein Wallfahrtsort an dem seit über 600 Jahren die Menschen ihre Sorgen, Nöte und Freuden der Gottesmutter anvertrauten. Wann genau die Verehrung des heute noch in der Kapelle befindlichen Gnadenbildes, der Schmerzhaften Mutter, begonnen hat ist noch unklar. Die ersten Aufzeichnungen sind aus dem 15. Jahrhundert. Bereits damals bestand ein reger Wallfahrtsbetrieb, der während des dreißigjährigen Krieges unterbrochen war und im Jahre 1650 wieder aufgenommen wurde. Damals wurde die heute noch in der Kapelle vorhandene „Bömische Madonna“ in Prozession von der Pfarrkirche in die Wallfahrtskapelle gebracht. Diese Prozession hat die Gläubigen wieder ermutigt zur „Lieben Frau in Maria Einsiedel“ zu pilgern.

Nahe der Kapelle befindet sich ein Klostergebäude, das bereits 1748 geplant war, um die Wallfahrt zu intensivieren, aber erst im Jahre 1929 unter Bischof Ketteler erbaut wurde. Bis zum Jahr 1966 waren in dem Klostergebäude Kapuziner angesiedelt. Auch dieses Kloster hat seine besondere Geschichte in Verbindung mit dem Dritten Reich. Im Jahre 1941 wurde der Suprior, Pater Dionys, von der Gestapo verhaftet und nach Dachau verbracht. Er hatte eine Heilige Messe mit polnischen Zwangsarbeitern gefeiert. In Dachau starb er im Jahre 1943, wegen der damit verbundenen Belastungen und seiner schwachen Gesundheit.

Die frisch renovierte Kapelle

Wenn man die in neuem Glanz erstrahlte Kapelle betritt, dann empfängt den Pilger eine ganz besondere Atmosphäre. Man hat den Eindruck dem Himmel etwas näher gekommen zu sein. Dort fällt es dem Besucher leicht sich ins Gebet zu vertiefen, oder einfach nur zur Ruhe zu kommen.

Die neugotischen Fenster der Kapelle wurden im Jahre 1912 gefertigt. Die Fenster im Chor zeigen Marienmotive. Im mittleren Fenster sind vier Anrufungen aus der Lauretanischen Litanei dargestellt. Es handelt sich um den Turm Davids, den elfenbeinernen Turm, den Sitz der Weisheit und die Pforte des Himmels. Die beiden Fenster rechts und links neben dem mittleren Fenster stellen Rosenkranzgeheimnisse dar. Das rechte Fenster zeigt im unteren Teil die Apostel am leeren Grab der Gottesmutter und im oberen Teil die gekrönte Gottesmutter im Himmel neben Jesus Christus. Das linke Fenster zeigt den Engel Gabriel, der Maria die Ankunft Jesu ankündigt und Maria bei Ihrer Verwandten Elisabeth. Ein weiteres Fenster im Chor zeigt die acht Seligpreisungen. Im Kirchenschiff kann man auf der Südseite den Heiligen Sebastian erkennen. Im Fenster auf der Nordseite ist Jesus am Kreuz zu sehen und die Auffindung des Kreuzes durch die Kaiserin Helena.

Im Zentrum des Altarraumes kann man auf einer Säule stehend die Bömische Madonna erblicken. Auf der linken Seite, im vorderen Teil des Kirchenschiffs, befindet sich die Pieta. Vor ihr haben über 600 Jahre hinweg Menschen gebetet. Votivtafeln zeugen von vielen Bitten die an die Schmerzhafte Mutter gerichtet wurden und von erfahrener Hilfe. Auch heute noch brennen Opferkerzen, die mit besonderen Anliegen verbunden sind, vor dem Gnadenbild. Auch heute noch hilft die Mutter des Herrn den Menschen in ihren kleinen und großen Schwierigkeiten. Viele Menschen kommen immer wieder zur Schmerzhaften Mutter, zu unserer lieben Frau in Maria Einsiedel.

Auf der rechten Seite befindet sich ein beeindruckendes Kreuz mit Korpus, das vermutlich aus dem 15. Jahrhundert stammt. An den Seiten sind auf an der Wand befestigten Sockeln vier Statuen zu sehen. Ganz nahe beim Kreuz steht der Heilige Abt Bernhard von Clairveaux. Ihm gegenüber ist eine Darstellung der Heiligen Walpurga. Sie wird mit Buch und Stab dargestellt. Dann ist noch der Heilige Sebastian zu sehen und Jesus an der Geiselsäule. Im hinteren Teil ist eine beinahe lebensgroße Darstellung des Heiligen Bruders Konrad von Parzahm. Diese Figur stammt aus dem benachbarten Kapuzienerkloster.

Die Wallfahrt heute

Auch heute noch kommen Gläubige zu Fuß, mit dem Buss, dem Auto, mit dem Fahrrad und sogar mit dem Pferdefuhrwerk nach Maria Einsiedel. Einmal im Jahr kann man viele Pferde an der Kapelle versammelt sehen, die im Rahmen eines Gottesdienstes gesegnet werden. Ein besonderer Ort der Besinnung ist dieser Wallfahrtsort für die Heimatvertriebenen. Sie versammeln sich in einer eigenen Wallfahrt um die Schmerzhafte Gottesmutter.

Neben den Wallfahrern kommen Tag für Tag Menschen nach Maria Einsiedel, die Ruhe im Gebet suchen oder in der Kapelle eine kleine Pause einlegen, eine Kerze entzünden und die besondere Atmosphäre dieses Gnadenortes auf sich wirken lassen.

Lietraturverweis: „Geschichte der Gnadenkapelle Maria Einsiedel bei Gernsheim und ihrer beiden Gnadenbilder“ von Peter Spohr, 2010

Weitere Informationen: http://www.maria-magdalena-gernsheim.de/