Rentenerhöhung

Wahlkampfgeschenk mit fadem Beigeschmack

Rentner/Bank - Pixelio.de
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Die Bundesregierung beschließt eine Erhöhung um 1,1 %, jedoch sind nachhaltigere Schritte notwendig, um eine unheilvolle Entwicklung zu stoppen.

Man darf es wohl als Wahlkampfgeschenk für 20 Millionen Rentner - oder Wähler - sehen, was die große Koalition am 14.03.2008 beschlossen hat - übrigens anscheinend so spontan, dass hiervon sogar viele Abgeordnete überrascht wurden.

Situation der Rentner in Deutschland

Die Durchschnittsrente in Deutschland beträgt nach Angaben von Walter Hirrlinger, dem Verbandschef des Sozialverbands VDK, 720 Euro im Monat, weit unter der Armutsgrenze von 856 Euro monatlich. Besonders tragisch ist dabei die Tatsache, dass die durchschnittliche Rente für Frauen, die aufgrund von Kindererziehung nicht genügend Rente erwirtschaften konnten, bei nur 465 Euro liegt.

Nachdem in den Jahren 2004-2006 die Rentner Nullrunden hinnehmen mussten, weil die Rentenkassen chronisch klamm waren, gab es im letzten Jahr eine Erhöhung von 0,54 Prozent. Da die Inflationsrate 2007 über 2 Prozent lag, bedeutete dies faktisch eine Minderung der Renten.

2007 noch sagte Kurt Beck: "Leider ist der Aufschwung noch nicht bei allen Bürgern angekommen. Experten sehen im kommenden Jahr gute Aussichten, dass die Renten wegen der anziehenden Lohnentwicklung spürbar steigen." Nun sind die Löhne zwar um 1,4 Prozent gestiegen, jedoch so moderat, dass die derzeitige Inflationsrate von 2,3 Prozent im Jahresdurchschnitt dadurch nicht aufgefangen wird.

Nur kurzfristige Linderung?

Der jetzige Beschluss der Bundesregierung, die Renten zum 01.08.2008 um 1,1 Prozent anzuheben, kann allenfalls als "Zuckerl" gesehen werden. Hierfür wird kurzfristig die sogenannte "Rentenformel" geändert: Für zwei Jahre wird der "Riester-Faktor" ausgesetzt. Durch diesen, der im Jahr generell 0,6 Prozentpunkte abzieht, und das eigentlich bis 2010, werden die Renten nicht dem Rhythmus der Löhne angepasst. Er ist einer der Korrekturfaktoren, die dem demografischen Wandel der Gesellschaft Rechnung tragen sollen.

Durch die Aussetzung dieses Faktors verhindert die Regierung eine weitere "Mini-Erhöhung" der Renten, die ansonsten um magere 0,46 Prozent in diesem Jahr gestiegen wären. Diese beiden Stufen sollen jedoch in den Jahren 2012 und 2013 nachgeholt werden.

Aber auch 1,1 Prozent Rentenerhöhung reichen nicht aus, um die Inflation aufzufangen. Zumal die Rentner ab dem 01.08. zusätzlich mit der ebenfalls soeben beschlossenen Erhöhung des Pflegebeitrags um 0,25 Prozent belastet werden.

Den Rentnern ist dies längst bewusst. Im Forum von Renten-Fakten wird eine einfache Rechnung aufgestellt: "Nehmen wir mal an, eine Erhöhung von 1 Prozent kommtBei einer Rente von 1000 Euro wären das 10 EuroIm Jahr also 120 Euro. Davon entfallen je Quartal 10 Euor beim Arztbesuch, plus einmal 10 Euro Zahnarzt plus einmal 10 Euro Augenarzt = 60 Euro. Dann bleiben noch 60 Euro übrig, die gleich in der Inflation verschwinden. Es bleibt also wieder einmal nichts."

Die Rente ist zwar sicher, aber gering

Norbert Blüm's kraftvoller Ausspruch "Die Rente ist sicher" hat zwar nach wie vor Gültigkeit, jedoch ist mittlerweile jedem bewusst, dass er kaum von der staatlichen Rente leben können wird - bis auf wenige Ausnahmen. Wer es sich leisten kann, sorgt privat vor. In Zeiten stetig zunehmender Mini-Jobs und Löhnen, die nicht oder kaum der Inflation angepasst werden, ist dies jedoch immer weniger möglich. Gleichzeitig stehen immer mehr Rentnern immer weniger Beitragszahler gegenüber. Sollte diese Entwicklung ungebremst so weiter gehen, droht einer ganzen Generation die Armutsfalle. Es wäre wünschenswert, wenn die Regierung nachhaltige Anstrengungen unternehmen würde, dieser Entwicklung gegenzusteuern, statt populistische Maßnahmen zu ergreifen, die höchstens kurzfristig helfen.

Julia Strelow, Stephan Wallocha

Julia Strelow - Autorin der Bücher: "Ratgeber Nachhilfe - Informationen, Adressen, Berichte" sowie "Jetzt sind wir dran?! - Frauen in der ...

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