Unter dem Pseudonym Joe Hill präsentiert Joseph Hillstrom King seinen Debüt-Roman „Blind“, um damit den Markt des Horror-Genres zu erobern. Die Chancen dafür stehen recht gut, denn es wird dem Leser Horror vom Feinsten geboten.
Joe Hill liefert trashige Ausgangsidee für einen Horror-Roman
Der alternde Rockstar Jude Coyne hat eine makabere Sammelleidenschaft. Er besitzt zum Beispiel den Schädel eines Bauern, dem man im 16. Jahrhundert die Hirnschale geöffnet hat. Nun ersteigert er im Internet sogar einen echten Geist. Dieser wird ihm in Form eines alten, muffigen Mantels, der in einer herzförmigen Schachtel untergebracht ist, zugeschickt. Zunächst will Jude der Geschichte über den Geist nicht ganz glauben, doch dann erscheint ihm der Mann eines Nachts auf seinem Flur. Zu Tode erschrocken will Jude es zunächst mit Ignoranz versuchen, doch der Tote sucht ihn immer wieder auf und bedroht sogar das Leben seiner Freundin Georgia. Als sich dann sein Assistent Danny bei ihm telefonisch meldet und ihm mitteilt, dass er sich umgebracht hat, weil der Geist es ihm befohlen hat, hört für Jude der Spaß auf.
Blind: Geisterkauf als Rache
Jude wendet sich an die Verkäuferin des Geistes und bringt in Erfahrung, dass sie die Schwester einer Ex-Geliebten ist, die sich vor Jahren das Leben genommen hat. Die Schwester gibt Jude die Schuld an ihrem Freitod und hat ihm somit den Geist ihres verstorbenen Großvaters als Racheinstrument auf den Hals gehetzt. Nun versucht Jude, mit Georgia einen Ausweg zu finden und flieht von zuhause. In ihrer Begleitung befinden sich Judes Hunde, Angus und Bon, vor denen der Geist Angst zu haben scheint. Jude will die Verkäuferin aufsuchen und sie zwingen, notfalls mit Gewalt, den Geist wieder zurückzunehmen.
Joe Hill präsentiert ein Finale mit Vergangenheitsbewältigung
Jude glaubt sich und Georgia auf der Farm seines todkranken Vaters, den er seit mehreren Jahren nicht mehr gesehen hat, sicher. Denn sein Vater ist in Besitz einiger Hunde, da Judes Lieblinge auf der Flucht den Tod gefunden haben. Auf der Farm angekommen, hat sich Jude mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Sein Vater hat ihn nie akzeptiert und misshandelt, weshalb Jude von zuhause geflohen ist, um sein eigenes Leben zu führen. Nun führt sein Weg zurück, um dem Geist und den Geistern der Vergangenheit zu entkommen.
Vielversprechendes Debüt von Joe Hill
Sicherlich war bei Joseph Hillstrom King (geb. 1972) die Sorge groß, mit seinem berühmten Vater verglichen zu werden. Vielleicht ein Grund, warum er sich das Pseudonym Joe Hill gab. Aber jene Sorge kann als grundlos angesehen werden. Joe Hills „Blind“ braucht einen Vergleich mit den Werken seines Vaters nicht zu scheuen. Der Roman besitzt gut gezeichnete Figuren mit in Ansätzen psychologischer Tiefe, eine handlungsreiche Geschichte mit skurrilen und spannenden Szenen und eine eigene Handschrift.
„Blind“ ist trashig-skurril und ungemein spannend
Eine deutliche Stärke des Romans ist in erster Linie die Ausgangsidee über einen bösen Geist, der über das Internet ersteigert wird, die sowohl phantasievoll als auch – im positiven Sinne – trashig ausgeführt wurde.
Der Autor wartet mit äußerst skurril-gruseligen Szenen auf. So nutzt der böse Geist zum Beispiel die elektronische Sprechhilfe eines Krebskranken, um mit dem flüchtigen Pärchen Kontakt aufzunehmen. Dies ist nicht nur spannend dargestellt, sondern zeugt auch von einem clever-makaberen Humor.
Die Stärke in Hills Schreibe liegt in der klaren Darstellung der Szenen und seiner Figuren, ausschmückend und bildhaft. Joe Hill beschränkt sich auf das Wesentliche und erzählt seine Geschichte ohne Schnörkel und ohne weitgreifende oder gar überflüssige Nebenhandlungen, die vom eigentlichen Geschehen ablenken könnten. Von den Kritikern gelobt ist Hills Roman-Debüt ein Muss für jeden Genre-Fan.
Joe Hill: Blind („Heart-Shaped Box“). Heyne-Verlag 2008. Broschur, 430 Seiten. Euro 8,95.
