Soziale Abgrenzung - Residentielle Segregation

Abgrenzung und Hierarchisierung des städtischen Raumes

Berlin - Media Spree - Sven Fauth
Berlin - Media Spree - Sven Fauth
In der Soziologie wird residentielle Segregation als Indikator zur räumlichen Durchmischung verschiedener Bevölkerungsgruppen eines Untersuchungsgebietes herangezogen.

Der Begriff Segregation ist vom lateinischen segregare (trennen, entfernen) abgeleitet und ist allgemein als Indikator zur Durchmischung bestimmter Elemente in einem Beobachtungsraum aufzufassen. In der Soziologie und speziell in der Stadtsoziologie wird die residentielle Segregation als Indikator zur räumlichen Durchmischung verschiedener Bevölkerungsgruppen in einem Untersuchungsgebiet herangezogen. Segregation ist sehr eng mit dem Phänomen der Gentrification beziehungsweise Gentrifizierung verbunden.

Der städtische Raum

Städte sind und waren historisch betrachtet immer in sich geteilte Städte. Sie bilden zu jedem Zeitpunkt die Struktur ihrer jeweiligen Gesellschaft ab, dabei ist das Zusammenleben von Menschen im städtischen Raum auch immer mit einer Hierarchisierung des Raumes verbunden. Der Ort, den eine Person in diesem physischen Raum eingenommen hat, ist zugleich ein guter Indikator für die Stellung, die sie im sozialen Raum erreicht hat.

Das Konzept der residentiellen Segregation

Das Konzept der "residentiellen Segregation" stellt eben diese Zusammenhänge dar, versucht diese zu analysieren und statistisch zu erfassen. Gegenstand der Betrachtung ist die ungleiche Verteilung von Wohnorten unterschiedlicher sozialer Gruppen, wie zum Beispiel Klassen, Haushaltstypen, Altersgruppen und ethnischer Gruppen.

Marx, Durkheim und Simmel

Mit sozialen Ungleichheiten beschäftigten sich bereits die Soziologen Karl Marx, Émile Durkheim und Georg Simmel im neunzehnten Jahrhundert und versuchten diese zu typologisieren. Dabei spielen Klassengegensätze und unterschiedliche Positionen in einem zunehmend arbeitsteilig organisierten Produktionsprozess auch heute noch eine entscheidende Rolle. Weitere Merkmale stellen differenzierte Belohnungen im Arbeitsverhältnis, Berücksichtigung kultureller Aspekte sowie Lebensstil und Lebensführung dar.

Robert Park - Begründer der Stadtsoziologie und des Segregationskonzepts

Der amerikanische Soziologe Robert Park entwickelte ausgehend von dieser Basis Mitte der zwanziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts das Konzept der "residentiellen Segregation". Indem Park die physische Distanz zwischen den verschiedenen Wohnstandorten als Indikator sozialer Distanz definierte, übertrug er die ursächlichen Annahmen zur sozialen Ungleichheit in den städtischen Raum. Umgekehrt kann das Ausmaß der Segregation als Indikator für die gesellschaftliche Integration beziehungsweise Isolation einer bestimmten sozialen Gruppe interpretiert und für weitere Analysen herangezogen werden.

Park nahm weiterhin an, dass Segregation letztendlich zu städtischen beziehungsweise innerstädtischen Teilgebieten führe, die nach soziologischen und funktionalen Merkmalen nahezu homogen wären. Er übertrug die Theorie der "sozialen Schließung", eine Weiterentwicklung des "Konzepts offener und geschlossener sozialer Beziehungen" von Max Weber, idealtypisch in den Raum. Die Theorie der "sozialen Schließung" versucht Prozesse zu erklären, bei der soziale Akteure mittels Macht, Prestige und Ausnutzung ökonomischer Ressourcen versuchen, andere Individuen aus ihrem sozialen System auszugrenzen.

Natural Areas

Park bezeichnete diese theoretischen Räume "natural areas". Eine perfekte und abgeschlossene Segregation wäre nach Park schließlich dann erreicht, wenn eine Stadt in ihrer Bau-, Sozial-, und funktionalen Struktur zwar homogen, aber aus voneinander abgegrenzten und verschieden strukturierten Teilgebieten bestehen würde. Die residentielle Segregation beschreibt dabei den Prozess dieses Vorgangs und die verschiedenen Stadien der völligen Entmischung von Bevölkerungsgruppen.

Aufgrund der Tatsache, dass der Sachverhalt der vollständigen Segregation empirisch nicht nachgewiesen wurde, ergibt sich folgende Frage: Aufgrund welcher Ursachen oder Mechanismen tritt der Idealzustand der perfekten Segregation nicht ein? Es gibt hierzu verschiedene Segregationstheorien: eine Theorie zur Beschreibung und Erklärung sozialer Ungleichheit (sozialökologischer Ansatz), eine Theorie zur Beschreibung und Erklärung räumlicher Ungleichheit (politökonomischer Ansatz), sowie eine Theorie zur Beschreibung und Erklärung der Zuweisungsprozesse sozialer Gruppen in spezifische Räume (feministischer Ansatz).

Literatur:

Jürgen Friedrichs, Stadtsoziologie, 1995

Sven Fauth, © Sven Fauth

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