Restauration einer Legende: Der Adler ist zurück

Im Oktober 2005 vernichtete ein Großbrand im Lokschuppen des Nürnberger DB Museums den Nachbau der Dampflokomotive „Adler". Seit 2008 rollt er wieder.

Der Adler gilt als eines der wichtigsten Zeugnisse der deutschen Eisenbahngeschichte. Die britischen Eisenbahnpioniere George und Robert Stephenson läuteten mit ihm in Deutschland das Eisenbahnzeitalter ein. Das Volk knüpfte große Hoffnung an das neue Verkehrsmittel. Deswegen sollte dieses auch einen bedeutenden Namen tragen. Die Dampflok wurde unter dem englischen Namen "The Eagle“ konstruiert und gebaut. Der Adler - König der Lüfte und Wappentier. Ganze 1.140 Pfund kostete er.

Ein kurzer Rückblick

Am 7. Dezember 1835 fand in Nürnberg um 9.00 Uhr die Eröffnung der Ludwigsbahn (benannt nach König Ludwig) zwischen Nürnberg und Fürth statt. Während sich das Volk an der Strecke drängte, machte sich Lokomotivführer William Wilson aus Großbritannien ans Werk. Er erhielt ein Jahresgehalt, das weit über dem des Direktors der neuen Eisenbahngesellschaft lag. Dampfend und zischend brachte der Adler die neun Kilometer lange Strecke zwischen Nürnberg und Fürth ohne Panne hinter sich. Die neuen offenen und geschlossenen Wagen waren in drei Klassen aufgeteilt: Wer besonderen Komfort wollte, musste extra zahlen.

Restauration des Adlers

Zurück in die näherliegende Vergangenheit: Nach der Zerstörung des Adler-Nachbaus entschied sich der Vorstand der Deutschen Bahn AG schnell für die Rekonstruktion des legendären Zugs. Den Spezialisten und Auszubildenden des Bahnwerks standen wichtige Bauteile zur Verfügung, um die Lokomotive und ihre drei Personenwagen wieder auf die Schienen zu bringen. Für den originalgetreuen Wiederaufbau des Adlers wurden im März 2007 die Radreifen gewalzt. Im Schmiedewerk im sächsischen Gröditz stellten gewaltige Maschinen Stahl her, formten das Metall zu Ringen, Radreifen und Flanschen. Im Ringwalzwerk wurden die Radreifen für den Adler gewalzt. Ein Radreifen des Adler-Zugs bringt 180 Kilogramm Gewicht auf die Waage. Er hat einen Innendurchmesser von einem Meter und 27 Zentimetern.

Ein Holzrahmen für den Adler

Im Frühling 2007 wurden in Meiningen die Holzrahmen für den Zug hergestellt. Tischlermeister Frank Döll und Zimmermeister Sebastian Schmidt steckten den Holzrahmen für die Lok zusammen. Um Lok- und Tenderrahmen möglichst originalgetreu nachzubauen, orientierten sich die Experten an den rund 70 Jahre alten Plänen und den Überresten des Zuges. Beide Rahmen sind aus acht bis zwölf Jahre altem Hartholz. Der Lokrahmen ist aus Esche, der Tenderrahmen aus Eiche. Sie wurden zum Dampflokomotivwerk in Meiningen gebracht, wo der Zug wieder aufgebaut wurde. Seit Mai 2007 rekonstruierten die Tischler auch die beiden zerstörten Personenwagen des Adler-Zugs.

Räder, Welle und Kessel

Im Mai 2007 wurden die Räder des Adlers im Eisenwerk Böhmer im nordrhein-westfälischen Witten gegossen. Zunächst wurde flüssiges Metall in die vorgefertigten Formen gegossen. Bevor die entsprechenden Formen hergestellt werden konnten, mussten anhand der vorhandenen Daten dreidimensionale Computermodelle der Adler-Räder entworfen werden. Dies war der erste Schritt vor der eigentlichen Produktion in der Gießerei. Anschließend wurde das Metall der Rohlinge gestrahlt, danach von einem Mitarbeiter geputzt. Danach wurde das Adler-Rad in die richtigen Dimensionen gebracht. Rund eine Stunde lang dauerte der Drehprozess. Ebenfalls im Mai 2007 wurde der Rohling für die Kurbelwelle des Adler in den sächsischen Schmiedewerken Gröditz hergestellt und zum Feinschliff nach Wildau bei Berlin gebracht.

Im Dampflokwerk Meinigen wurde im Juli 2007 der originale Adler-Kessel auf den neu aufgebauten Rahmen gehoben. Die Spannung war groß unter den Mitarbeitern des Meininger Dampflok-Werks, die seit April mit Hochdruck am Wiederaufbau des Adlers arbeiteten, denn zum ersten Mal passten die Spezialisten den im Original erhaltenen Kessel der Lok in den neu aufgebauten Rahmen ein. In Handarbeit bauten die Dampflokexperten aus Thüringen die 2005 von einem Feuer zerstörte Schienenlegende wieder auf.

Der Adler wird flügge

Im Sommer 2007 wurde in Meiningen der tonnenschweren Kessel in den Adler-Nachbau in einen Holzrahmen eingebaut. Rund 80 Prozent der Teile konnten wieder aufbereitet werden, der Rest entstand neu. Einige Teile konnten nicht im Meininger Werk anfertigt werden. Firmen aus ganz Deutschland beteiligten sich am Aufbau, darunter die Gröditzer Kurbelwerke Wildau GmbH. Anders als im 19. Jahrhundert entstand die Kurbelwelle für den Adler am Computer.

Ende August 2007 stand die Kesselprüfung des restaurierten Adler an. Der Kessel hatte 2005 den Brand im Depot des DB Museums in Nürnberg fast unbeschadet überstanden, denn er war voll mit Wasser. Spezialisten haben 1.000 Liter neu eingefüllt. Anschließend überprüften sie das Bauteil auf eventuelle Undichte. Später wurde der Nachbau auf den neuen Lokrahmen aus Stahl und Holz gehoben und fest verschraubt. Über sieben Meter ist der Adler nun lang. Der Kessel musste verkleidet und die Armaturen noch angebracht ("warm montiert") werden.

Volle Dampfkraft voraus: Der Adler rollt wieder

Die originalgetreue Restaurierung des Nachbaus der ersten Lokomotive Deutschlands im Dampflokwerk Meiningen (Thüringen) wurde im November 2007 mit der Übergabe an das DB Museum in Nürnberg abgeschlossen. Während der Last- und Abnahmefahrt am 19. November, vom Dampflokwerk ins 15 Kilometer entfernte Ritschenhausen, wurden letzte sicherheitsrelevante Prüfungen durchgeführt, darunter Bremstests und Belastungsproben. Um während der Probefahrt einen voll besetzten Zug mit circa 70 Fahrgästen simulieren zu können, waren unter anderem 40 Gäste und Mitarbeiter des Dampflokwerks Meiningen an Bord. Anschließend wurde der Lokomotive ihre Betriebszulassung erteilt.

Anja Polaszewski, Anja Polaszewski

Anja Polaszewski - Bereits als Kind brauchte ich im Grunde nur drei Utensilien, um meine Zeit sinnvoll zu gestalten: ein Buch, einen Notizblock und einen ...

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