Reszension Uscha Wolter – Augenhöhe

Ein Roman über Sucht, Alkoholismus und einen gangbaren Ausweg

Uscha Wolter: Augenhöhe - Schardt Verlag / Uscha Wolter
Uscha Wolter: Augenhöhe - Schardt Verlag / Uscha Wolter
Uscha Wolter beschreibt in ihrem zweiten Roman „Augenhöhe", dass nur ein Glas Alkohol der Anfang eines zerstörerischen Kreislaufes sein kann.

Wie Alkohol das Leben von Menschen verändert, zeigt die Autorin Uscha Wolter beispielhaft an Psychotherapeut Fred. Fred ist die Hauptfigur in dem neuen Buch „Augenhöhe“ von Uscha Wolter, einem Roman, der dynamisch und lebensnah den Kreislauf von Sucht, Schuld und Gewalt aufzeigt. Es geht aber auch maßgeblich um Vergebung, um die heilende Kraft von Freundschaft und Liebe – und um einen Ausweg aus der Hilflosig- und Abhängigkeit.

„Sucht geht uns alle an“ – Schluss mit einem Tabu-Thema

Die Autorin widmet sich damit einem Tabu-Thema: Menschen, die neben uns auf der Straße leben, die dem Alkohol verfallen sind und meist alles verloren haben. In Deutschland sind schätzungsweise rund 2,5 Millionen Menschen alkoholabhängig. „Das Thema Sucht geht uns alle an“, sagt Uscha Wolter, „Alkoholismus ist das äußere Zeichen eines inneren Mangels. Ein Schrei nach Annahme und Verstehen, der durch Begegnungen von Mensch zu Mensch auf gleicher Ebene genährt werden kann und gleichzeitig Mut macht, sich vorbehaltlos auf Augenhöhe zu treffen, um aus der Sucht herauszufinden.“

Selbstvertrauen: Ein Ausweg aus der Sucht?

Der Inhalt von „Augenhöhe“ kurz zusammengefasst: Psychotherapeut Fred führt gemeinsam mit seiner Frau ein scheinbar zufriedenes Leben. Doch ein „beiläufiges“ Erlebnis mit einer Klientin lässt Freds Fassade zusammen stürzen. Er verliert den Halt und die Kontrolle über sich und flieht in den Alkohol. Flasche um Flasche schwindet der feste Boden seiner Existenz. In dieser Situation trifft er Pit, ebenfalls alkoholkrank und obdachlos. Gemeinsam gewinnen sie Vertrauen zueinander und Schritt für Schritt mehr Selbstvertrauen. Beide beginnen einen Neuanfang – auf ganz unterschiedlichen Wegen.

Uscha Wolter geht mit ihrem Buch „Augenhöhe“ einen steinigen Weg. Allein die Themenwahl eignet sich nicht gerade dafür, um ein großes Massenpublikum zu begeistern. Muss und soll es auch nicht. Der Autorin geht es vielmehr um die Tiefe zwischenmenschlicher Beziehungen. Hier geht es um Werte wie Menschlichkeit, die in einer schnellen und technisierten Welt scheinbar abhanden gekommen sind. Es geht um Liebe, Selbstvertrauen, Vergebung. Es geht um Menschen neben uns. Dies stellt Uscha Wolter in vielen Passagen immer wieder überzeugend in den Vordergrund der Handlung. Die Geschichte des Romans ist lebensnah geschildert. Menschen, die durch das soziale Netz fallen, sind keine Seltenheit. „Augenhöhe“ wagt damit einen Blick hinter die Fassade – und zeigt seinen Lesern gleichzeitig einen möglichen Ausweg aus einer scheinbar ausweglosen Situation.

Über die Autorin: Uscha Wolter

Uscha Wolter, Jahrgang 1944, wohnt gemeinsam mit ihrer Familie in der Nähe von Heidelberg. Sie lebt zurückgezogen und bevorzugt eine autodidaktische Lebensweise. 2007 veröffentlichte sie ihren ersten Roman „Späte Heimkehr der Blumen“ im Schardt Verlag; im Herbst 2009 erschien der Roman „Augenhöhe“.

Uscha Wolter: Augenhöhe, Schardt Verlag Oldenburg, September 2009, 128 Seiten, kartoniert/broschiert, Euro 10,00

Nicole Kuchenbecker, Nicole Kuchenbecker

Nicole Kuchenbecker - Nicole Kuchenbecker arbeitet seit mehr als 15 Jahren in den Bereichen Journalismus und Public Relations. Journalistisch arbeitet sie ...

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