Retro Crossover: The Werewolf vs. Vampire Women

Filme wie diesen sucht man heutzutage vergebens - Anchor Bay
Filme wie diesen sucht man heutzutage vergebens - Anchor Bay
Lange vor Aliens, Predators, Freddy und Jason hat der spanische Horror-Trash das Crossover für sich entdeckt. Eine kleine Perle des schlechten Geschmacks.

Durfte ein Jahr zuvor noch Dracula Jagd auf Frankenstein machen (Los Monstruos del terror, 1970), ist es nun der Wolfsmensch, der gegen eine Handvoll weiblicher Vampire antritt. Dabei geht die Verwandtschaft beider Werke über die Crossover-Eigenschaft und die Produktionsländer (beide Filme sind spanisch-deutsche Co-Produktionen, wobei Los Monstruos del terror zusätzlich noch italienische Geldgeber hatte) hinaus; Jacinto Molina alias Paul Naschy hat nicht nur beide Drehbücher verfasst, sondern schlüpft auch beide Male in seine Paraderolle als Waldemar Daninsky und damit ins flauschige Werwolfsfell. In über einem Dutzend Filmen spielte Naschy diesen Part und auf eine gewisse Art und Weise gehört La Noche de Walpurgis, so der Originaltitel, sicher zu den schönsten dieser Werke.

The Werewolf vs. Vampire Women: Unfreiwillige Komik und gewaltige Logiklöcher

Zwar strotzen Buch und Film nur so vor Fehlern, jedoch darf man den Zuschauern in diesem Fall wohl eine Herangehensweise unterstellen, die nicht von der ernsthaftesten Natur ist. Vielmehr empfiehlt es sich, die hübsch zusammengeklauten Details und die schönen Settings zu bewundern. Denn auch wenn die Geschichte an und für sich in Ungarn spielt, schlucken wir gerne die mediterranen Bauten und Landschaften. Und anstatt sich über die theoretisch fehlplazierten Palmen (!) oder die dezent von osteuropäischer Architektur abweichenden Gebäude zu echauffieren, freuen wir uns lieber über die sich aufdrängenden Parallelen zu Amando de Ossorios Nacht der reitenden Leichen (1971). Wenn etwas später im Film dann urplötzlich ein Kapuzenzombie auftaucht, der direkt Ossorios Quadrologie entsprungen zu sein scheint, ist der Spaß perfekt. Dass der Untote keinerlei Bezug zur Handlung hat und bereits seine Existenz ein ungeklärtes Rätsel aufgibt, trübt den Unterhaltungswert dieser Szene dabei kein Stück.

Solche Szenen, die für alles prädestiniert sind, nur nicht dazu, die Handlung voranzutreiben, haben es gleich mehrfach in den Film geschafft. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich auch eine grobe Rahmenhandlung, die zwei französische Studentinnen in die Karpaten führt, wo sie für eine Arbeit über die legendäre Gräfin Wandessa d'Arville de Nadasdy recherchieren. Leider ist sich Regisseur León Klimovsky nicht ganz sicher, wann die Gute lebte, denn während Elvira, die eine Studentin, sie als ungarische Gräfin im 11. Jahrhundert beschreibt, währte ihr Leben laut Grabstein von 1452 bis 1480. Offensichtlich war die berüchtigte Gräfin Elizabeth Bathory (eigentlich: Erzsébet Báthory) die Vorlage für Wandessa, denn neben ihren satanischen Ritualen trank die Gräfin zu Lebzeiten auch das Blut von Jungfrauen, was ihre Schönheit erhalten sollte. Dies und die geografische Herkunft deuten auf die Verbindung hin, denn Erzsébet Báthory, die „Blutgräfin“, soll der Legende nach ebenfalls im Blut junger Mädchen gebadet haben, um sich ihre eigene Jugend zu erhalten. Naschy erweiterte seine Figur noch um den Aspekt des Übernatürlichen, indem er die Gräfin zur Vampirin macht.

Von der Alm in die Karpaten oder nach dem Sexfilm zur Vampirjagd

Auf der Spur dieser Legende treffen Elvira und ihre Freundin Genevieve in einer abgelegenen Gegend auf Waldemar Daninsky, der sie bei sich aufnimmt und sich alsbald sogar an der Suche nach der Gruft der Vampirin beteiligt. Während Genevieve von Barbara Capell verkörpert wird, die neben einigen Nakedei-Filmchen aus deutschen Landen nicht viel vorweisen kann, spielt Gaby Fuchs ihre Freundin Elvira. Zwar war Fuchs ebenfalls in einigen dieser fidelen Produktionen zugegen, durfte aber in Hexen bis aufs Blut gequält (1970) auch einige intensive Folterungen über sich ergehen lassen.

Die Rückkehr der Gräfin Elizabeth Bathory

Tags drauf stehen die drei in Wandessas Gruft, heben den Sargdeckel an und finden tatsächlich die halb verweste Leiche der Gräfin vor. Wie es die Legende beschreibt, steckt das silberne Kreuz in ihrer Brust und – wie könnte es anders sein – beim Entfernen des Artefakts verletzt sich Genevieve und ihr Blut fließt in den skelettierten Mund der Leiche. Obskurer Weise erklärt die Studentin just in diesem Moment, dass die Gräfin ihre Macht zurückerlangt, wenn man das silberne Kreuz aus ihrer Brust entfernt. Zwar schlägt Waldemar daraufhin vor, alles wieder in Ordnung zu bringen und schaufelt das Grab auch wieder zu, jedoch freilich ohne das Kreuz wieder an seinem Bestimmungsort zu platzieren.

Tod und Erotik – im Vampir vereint

Zweifelsohne schüttelt der Zuschauer ob dieser Vorgehensweise verzweifelt mit dem Kopf und doch freut er sich über diese Unvorsicht, würde er andernfalls schließlich nicht die bezaubernde Patty Shepard als Gräfin Wandessa zu Gesicht bekommen.

Patty Shepard ist eine weitere Überschneidung mit dem eingangs erwähnten Dracula jagt Frankenstein. Leider fällt ihre Screentime recht kurz aus, dafür sieht sie in ihrer Vampir-Maskerade wahrlich zum Anbeißen aus. Nicht, dass sie in oben genanntem Film, in dem eher langatmigen The Witches’ Mountain (1972) oder in einem ihrer zahlreichen Western jemals eine schlechte Figur abgegeben hätte, doch wird hier die oftmals beschworene Verbindung von Tod und Erotik, die den Vampirmythos ausmacht, trotz bis zum Hals zugeknöpfter Kleidung regelrecht auf den Punkt gebracht.

Der große Showdown: Endlich kämpft der Werwolf gegen die Vampirfrau

In der Folge hat es die Gräfin also auf die beiden Mädchen abgesehen und taucht von Nacht zu Nacht in den Gängen des Hauses auf. Nun sieht sich Waldemar gezwungen, Elvira von seinem Geheimnis zu erzählen, dass er seinerzeit in Tibet zum Werwolf wurde. Um ihn von seinem Fluch zu befreien, muss die Frau, die ihn liebt, Waldemar mit dem silbernen Kreuz töten. Nun kann also der Titel gebende Konflikt steigen. Allerdings erinnert dieser Faustkampf eher an eine Schulhofklopperei, denn an das Duell zweier erhabener Wesen der Nacht. Nichtsdestotrotz erhält sich der Film auch hier eine gewisse atmosphärische Dichte, die allerdings kaum mit den vorangegangenen Nachtszenen mithalten kann. Denn in diesen Sequenzen spielt The Werewolf vs. Vampire Women sein ganzes Potenzial aus, wenn die weiblichen Vampire in Zeitlupe durch Gänge und über Felsen schreiten.

The Werewolf vs. Vampire Women: Atmosphäre schlägt Logik

Diese Szenerien füllen den Film mit Leben und machen ihn bei all seinen Schwächen zu einem Erlebnis. Natürlich ist eine gewisse Affinität gegenüber dieser Art Film eine der Voraussetzungen, das ganze wirklich genießen zu können. Wer gerne in Logiklöchern angelt oder bei schlechten Effekten aus dem falschen Grund das Grauen bekommt, der sollte sich getrost fernhalten - obwohl die gar nicht mal so unblutigen Effekte zum Teil sehr ansehnlich umgesetzt wurden. Auch der Soundtrack darf noch lobend erwähnt werden, denn die minimalistischen Glockenklänge und ähnlichen Töne tragen ebenfalls zur oft gelungenen Atmosphäre bei.

Michael Schäfer, Michael Schäfer

Michael Schäfer - Als freiberuflicher Journalist dreht sich der Großteil meines Tages um das geschriebene Wort. suite101 bietet dabei die ...

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