Retter-Not – Halsumklammerung durch Ertrinkende

Vermeiden und befreien – Die Techniken der Rettungsschwimmer

Wie vermeidet man als Rettungsschwimmer eine Halsumklammerung durch den Ertrinkenden? Welche Befreiungsgriffe gibt es zum Lösen aus einem Halswürgegriff?

Kaum etwas ist wichtiger im Rahmen der Wasserrettung als Kenntnisse über das Vermeiden von Umklammerungen durch einen Ertrinkenden und die Befreiungstechniken zum Lösen selbiger. Denn was nützt es, wenn der Rettungsschwimmer beim Rettungseinsatz selbst ertrinkt?

Menschen, die in Not geraten sind und zu ertrinken drohen, haben in der Regel Todesangst. Im diesem Zustand können sie Kräfte entwickeln, die ein unerfahrener Rettungsschwimmer oft unterschätzt. Aus Angst vor dem Ertrinken umklammern sie die erstbeste „Schwimminsel“, die sich bietet – sei es ein Rettungsring oder der Rettungsschwimmer selbst.

Vermeiden von Umklammerungen

Idealerweise sorgt der Rettungsschwimmer also immer dafür, dass er beim Anschwimmen des Ertrinkenden ein Rettungsgerät mit Auftrieb zwischen sich und das Opfer hält und genügend Abstand wahrt. Um den Zustand der Person einzuschätzen ist es wichtig, sie zunächst aus einer gewissen Entfernung anzusprechen. Schwimmt der zu Rettende auf den Rettungsschwimmer zu und ist in Panik, so sollte der Rettungsschwimmer versuchen, eine Umklammerung durch den Ertrinkenden zu vermeiden, indem er den in Panik geratenen mit Händen oder Füßen wegstößt oder mit Spritzwasser abschreckt.

Klammert sich die Person dabei an Arme oder Beine, ist ein Abschleppen eventuell schon in dieser Position möglich. Umklammert sie jedoch den Körper oder gar den Kopf des Rettungsschwimmers, muss dieser spezielle Befreiungsgriffe anwenden, um sich aus der Umklammerung zu lösen. Die unterschiedlichen Befreiungsgriffe zum Lösen von Halswürgegriffen, Hals- oder Bauchumklammerungen enden alle im sogenannten „Standardfesselschleppgriff“ – eine Position, in der der Rettungsschwimmer das Opfer dann zum Becken- oder Uferrand schleppen kann.

Befreiungsgriff zum Lösen von Halswürgegriffen

Als „Halswürgegriff“ bezeichnet man die Situation, in der das Opfer den Hals des Rettungsschwimmers mit beiden Händen umfasst, von hinten oder von vorn.

Wird der Hals von vorn umschlossen, so zieht der Rettungsschwimmer seine Schultern hoch und dreht den Kopf zur Seite, um den Halswürgegriff und den Druck auf den Kehlkopfbereich zu lockern. Mit seiner rechten Hand sichert er nun die linke Hand des Ertrinkenden (auf seiner rechten Schulter) und dreht seine linke Schulter in dessen Richtung. Dabei greift der Rettungsschwimmer mit seiner linken Hand von unten in das Ellbogengelenk, sodass der Daumen in der Ellbogenbeuge, also innen, liegt. Der Ellbogen wird nach oben gedrückt, während die rechte Hand die linke Hand des Opfers fixiert. Der Rettungsschwimmer kann nun unter dem linken Arm des Opfers durchtauchen und mit einer Rechtsdrehung hinter den Ertrinkenden gelangen, wobei er weiterhin mit der rechten Hand die linke Hand des Opfers festhält und mit der linken Hand vom Ellbogen unter das Kinn umgreift. In dieser Position (Standardfesselschleppgriff) kann das Opfer zum Becken- oder Uferrand geschleppt werden.

Auch, wenn der Hals von hinten umschlossen wird, zieht der Rettungsschwimmer zunächst die Schultern hoch und dreht den Kopf zur Seite, um den Druck zu lockern. Mit seiner rechten Hand umfasst er nun das linke Handgelenk des Opfers (auf seiner linken Schulter), dreht sich nach links und zieht dabei die Hand des Opfers nach vorn. Mit der linken Hand greift der Rettungsschwimmer nun von unten in das linke Ellbogengelenk des Opfers – wieder mit dem Daumen in der Ellbogenbeuge – und drückt dessen Arm nach oben. Er kann nun wieder unter dem linken Arm des Opfers durchtauchen und mithilfe einer Rechtsdrehung hinter den zu Rettenden gelangen. Mit der rechten Hand wird weiter die linke Hand des Opfers festgehalten, während die linke Hand vom Ellbogen unter das Kinn umgreift: In den Standardfesselschleppgriff.

Befreiungsgriff zum Lösen von Halsumklammerungen

Als „Halsumklammerung“ wird die Situation bezeichnet, in der das Opfer den Hals des Rettungsschwimmers mit den Armen anstatt mit den Händen umklammert, von hinten oder von vorn.

Auch bei der Halsumklammerung werden, egal ob von vorn oder von hinten, zunächst die Schultern hochgezogen und der Kopf zur Seite gedreht, um die Umklammerung zu lockern. Umklammert der zu Rettende den Hals des Rettungsschwimmers von vorn, greift dieser mit der rechten Hand um die Hüfte des Opfers, während er mit der linken Hand dessen Gesicht nach hinten drückt. Dabei sollte der Daumen unter dem Kinn liegen und der kleine Finger unter der Nase. Die um die Hüfte gelegte rechte Hand gleitet beim weiteren Wegdrücken des Gesichts am linken Arm des Opfers entlang bis der Rettungschwimmer dessen linkes Handgelenk umfassen kann. Nun greift er mit der linken Hand vom Gesicht unter den Armen des Opfers durch und in das Ellbogengelenk, mit dem Daumen in der Beuge. So kann der Arm des Opfers wieder nach oben gedrückt werden und der Rettungschwimmer mit einer Rechtsdrehung unter dem Arm durchtauchen und hinter den zu Rettenden gelangen. Während er mit der rechten Hand weiter die linke Hand des Opfers festhält, greift er mit der linken Hand an dessen Kinn um und hat das Opfer so wieder im Standardfesselschleppgriff.

Umklammert das Opfer den Hals des Rettungsschwimmers von hinten, greift dieser mit der linken Hand das rechte Handgelenk des zu Rettenden und mit der rechten Hand von unten an das Ellbogengelenk, mit dem Daumen in der Armbeuge. Der rechte Arm des Opfers kann so wieder nach oben gedrückt werden und der Rettungsschwimmer entzieht sich der Umklammerung nach unten. Mit einer Linksdrehung taucht er unter dem nach oben gedrückten Arm durch und gelangt so hinter den zu Rettenden. Mit der Hand am Ellbogengelenk greift der Rettungsschwimmer wieder um an das Kinn und hat so den zu Rettenden wieder im Standardfesselschleppgriff.

Die in diesem Artikel zur Verfügung gestellten Informationen sind nicht ausreichend, um einen Ertrinkenden zu retten!

Für jeden, der sich häufig in Badebereichen aufhält oder Wassersport in jeglicher Form betreibt, empfiehlt sich eine qualifizierte Ausbildung zum Rettungsschwimmer. Hierbei wird die Rettungsfähigkeit theoretisch und praktisch umfassend geschult. Rettungsschwimm-Ausbildungen werden in Deutschland regional von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft oder der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes durchgeführt.

Texterin und freie Autorin, Sabrina Bodo

Sabrina Bodo - Sabrina Bodo schreibt, konzipiert und korrigiert. Werbetexte und Sachtexte. Für Unternehmen und Privatpersonen. Bei Suite101 ist sie ...

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