
- Rettungsfonds EFSF will erste Anleihe ausgeben - Peggy Richter
Am 17. Januar 2011 wurde bekannt gegeben, dass die drei Großbanken Citi, HSBC und Société Générale das Mandat für die erste Anleiheemission der EFSF übernommen haben. EFSF steht für European Financial Stability Facility, den 440 Milliarden Euro schweren Rettungsfonds der Euro-Länder. Die Anleiheemission, die zwischen drei und fünf Milliarden Euro betragen soll, ist noch für Januar 2011 geplant.
EFSF startet Programm für Euro-Anleihen
Die Anleihe ist der Auftakt für ein Finanzierungsprogramm, bei dem die EFSF bis 2012 bis zu 26,5 Milliarden Euro am Kapitalmarkt auftreiben will. Die Einnahmen aus der Anleiheemission werden zur Finanzierung des Irland-Rettungspakets verwendet. Irland wurde am 28. November 2010 finanzielle Unterstützung von 85 Milliarden Euro zugesagt, nachdem der irische Bankensektor kollabierte. Neben der EFSF beteiligen sich die Europäische Union, der IWF und einige Einzelstaaten an der Rettung. Die EU hat bereits über den sogenannten European Financial Stabilization Mechanism (EFSM) am 5. Januar 2011 erfolgreich eine Anleihe über fünf Milliarden Euro ausgegeben. Im Gegensatz zum EFSM, der durch das Budget der Europäischen Union abgesichert wird, wird die EFSF direkt durch die Euro-Länder garantiert. Deutschlands Anteil am Gesamtvolumen von 440 Milliarden Euro beträgt dabei knapp 120 Milliarden Euro. Die Länder werden allerdings nur zur Kasse gebeten, wenn Irland seine Kredite nicht zurückzahlt.
Rettungsfonds für angeschlagene Euro-Länder
Die EFSF gewährt Kredite an Länder, die Schwierigkeiten haben, sich über den Kapitalmarkt zu refinanzieren. Alle Euro-Länder besorgen sich einen großen Teil ihres Finanzierungsbedarfs durch regelmäßige Emission von Staatsanleihen. Verlieren die Investoren das Vertrauen, wird es schwieriger, Anleihen auszugeben. Anleger fordern höhere Zinsen, was das Budget der Staaten in der Krise noch mehr belastet. Irland bat um Hilfe, als die Zinsen der Staatsanleihen 7 Prozent erreichten, ein Niveau, auf dem sich derzeit auch portugiesische Staatanleihen bewegen. Ziel der EFSF ist es, den Teufelskreis von steigenden Zinsen und steigenden Budgetdefiziten zu durchbrechen und Ländern in Not eine Atempause zu verschaffen, um das Budget wieder unter Kontrolle zu bekommen.
EFSF wird mit bester Ratingkategorie bewertet
Die EFSF kann sich zu günstigeren Zinsen refinanzieren, weil sie von den Rating-Agenturen mit der besten Rating-Kategorie AAA bewertet wurde. Diese Bewertung konnte nur erreicht werden, weil einige Euro-Länder über ein AAA-Rating verfügen, insbesondere die großen Länder Deutschland und Frankreich, die zusammen fast 50 Prozent des Programms garantieren. Außerdem betragen die Garantien der Länder 120 Prozent des Finanzierungsvolumens. Diese Sicherheit, im Branchenjargon Credit Enhancement genannt, soll dafür sorgen, dass beim Kreditausfall eines Landes die Finanzmittel der übrigen Länder ausreichen, den Anteil dieses Landes zu übernehmen. Die Höhe des Credit Enhancements wurde so gewählt, dass selbst ein Kreditausfall des drittgrößten Landes, Italien, das etwa 18 Prozent beisteuert, abgedeckt wäre. Um die Stabilität der EFSF zu erhöhen, werden neben den Garantien außerdem Barreserven bereitgestellt. Fraglich ist jedoch, ob die Herabstufungen mehrerer insbesondere größerer Mitgliedsländer wie Italien und Spanien eine Herabstufung des EFSF Ratings auslösen könnten.
EFSF gilt nur als Übergangslösung
Die European Financial Stability Facility wurde von den Mitgliedsstaaten der Europäischen Währungsunion am 7. Juni 2010 als Antwort auf die Griechenlandkrise in Leben gerufen. Die EFSF gilt wie auch der EFSM als Übergangslösung. Das Programm soll am 30. Juni 2013 auslaufen und vom sogenannten European Stability Mechanism (ESM) abgelöst werden. Die Wirtschafts- und Finanzminister der EU haben auf ihrer Tagung am 17. und 18. Januar 2011 erste Ideen zur Struktur des ESM ausgetauscht. Ziel ist es, bis März 2011 einen politischen Konsens zu erreichen.
