
- Rettungsschwimmer werden - Sabrina Sann
Die Anforderungen an einen Rettungsschwimmer ergeben sich aus dessen Einsatzgebiet. Das Rettungsschwimmabzeichen kann Voraussetzung für den Beruf sein, zum Beispiel bei Lehrern und Erziehern, bei Angestellten in öffentlichen Bäderbetrieben oder Sportstudenten. Er kann aber auch ängstlichen Eltern die Unsicherheit nehmen nicht zu wissen, was zu tun ist, wenn es darauf ankommt. Zur Aufnahme eines Sportstudiums reicht in der Regel der Rettungsschwimmschein Bronze, während die Tätigkeit als Badeaufsicht an einem See das Rettungsschwimmabzeichen Silber verlangt.
Anforderungen Rettungsschwimmabzeichen Bronze
Der Rettungsschwimmschein Bronze erfordert die Fähigkeit, 200 Meter in zehn Minuten zurückzulegen – davon 100 Meter Brustschwimmen und 100 Meter Rückenschwimmen. Beim Rückenschwimmen ist der Bein-Grätschschwung anzuwenden, ohne dass die Arme zum Einsatz gebracht werden. Darüberhinaus muss der angehende Rettungsschwimmer bekleidet eine Strecke von 100 Meter innerhalb von vier Minuten zurücklegen und sich anschließend im Wasser entkleiden. Der Schwimmstil ist dabei frei wählbar und darf zwischendurch gewechselt werden.
Neben diesen Schwimmleistungen müssen auch Tauch- und Sprungfähigkeiten unter Beweis gestellt werden: 15 Meter Streckentauchen und zweimaliges Tieftauchen von der Wasseroberfläche, einmal kopfwärts, einmal fußwärts, wobei jeweils ein fünf Kilo schwerer Tauchring vom Beckengrund geholt werden muss. Während es beim Tieftauchen ein definiertes Zeitlimit gibt – maximal drei Minuten –, wird beim Streckentauchen auf den menschlichen Atmungsinstinkt vertraut: Wer sich länger als fünf Minuten dafür Zeit nimmt, ist entweder bewusstlos oder im Begriff, einen Rekord im Luftanhalten aufzustellen. Zum Weltrekord allerdings reicht auch das noch nicht: Der liegt seit 2008 nämlich bei unglaublichen 17 Minuten.
Um im Ernstfall rettungstauglich zu sein, muss der künftige Rettungsschwimmer auch jemanden schleppen können, und zwar 50 Meter im Fesselschlepp-, Kopf- und Achselgriff sowie eine kombinierte Rettungsübung durchführen. Hierbei muss er 20 Meter im Brustschwimmstil anschwimmen, von der Wasseroberfläche abtauchen, um einen fünf Kilo schweren Tauchring vom zwei bis drei Meter tiefen Beckengrund zu holen, den Partner 20 Meter weit schleppen und an Land bringen.
Natürlich werden auch Kenntnisse der Ersten Hilfe abgefragt – Atmung, Blutkreislauf, Wiederbelebung – sowie über potenzielle Gefahren im Wasserbereich und mögliche Hilfestellung bei Bade-, Boots- und Eisunfällen.
Anforderungen Rettungsschwimmschein Silber
Letztgenannte Kenntnisse über Erste Hilfe und Gefahren werden auch beim DRSA-Silber (DRSA: Deutsches Rettungsschwimmabzeichen) abgefragt; in der Regel in Form einer Theorieprüfung der DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft) sowie durch Vorlage einer Teilnahmebescheinigung an einem Erste-Hilfe-Vollkurs. Der Vollkurs dauert insgesamt 16 Stunden und wird zum Beispiel vom DRK (Deutsches Rotes Kreuz) regelmäßig als zweitägiger Wochenendkurs angeboten.
Man könnte meinen, der Bronze-Schein sei Voraussetzung für das Silber-Abzeichen, ist er jedoch nicht. Künftige Rettungsschwimmer können direkt mit dem Rettungsschwimmabzeichen Silber anfangen, wenn ihr Leistungsniveau die Anforderungen erfüllt.
Diese umfassen im Gegensatz zum DRSA-Bronze 400 Meter anstatt nur 200 Meter Schwimmen – und das in maximal 15 Minuten. Davon sind 50 Meter im Kraulstil, 150 Meter im Bruststil und 200 Meter in Rückenlage mit Bein-Grätschschwung ohne Armtätigkeit zurückzulegen. Bekleidet muss der angehende Rettungsschwimmer hier 300 Meter anstatt nur 100 Meter schwimmen und darf dafür maximal 12 Minuten benötigen.
Auch die Anforderungen an Sprung- und Tauchfähigkeit des DLRG-Schülers sind mit 25 Meter Streckentauchen und dreimaligem Tieftauchen höher. Beim Rettungsschwimmabzeichen Silber wird beim Tieftauchen zwar ebenfalls jeweils ein fünf Kilo schwerer Tauchring vom Beckengrund geholt, doch der Beckengrund ist hierbei drei bis fünf Meter tief anstatt nur zwei bis drei.
Das Transportschwimmen umfasst beim Silber-Schein ebenfalls 50 Meter, jedoch in Kleidung und unter Zeitdruck: Maximal vier Minuten hat der künftige Rettungsschwimmer, um sein Opfer zu transportieren. Auch eine kombinierte Rettungsübung wird verlangt.
Was beim Rettungsschwimmschein Silber hinzukommt: Das Lösen aus Umklammerungen durch sogenannte Befreiungsgriffe. Hierbei werden verschiedene Techniken abgefragt.
Anforderungen Rettungsschwimmschein Gold
Anders als beim Rettungsschwimmabzeichen Silber, muss beim DRSA-Gold das Rettungsschwimmabzeichen der vorherigen Stufe vorliegen, also: Silber ohne Bronze-Schein geht, Gold ohne Silber-Schein nicht.
Beim Rettungsschwimmschein Gold ist eine Strecke von 300 Meter innerhalb von sechs Minuten und mit Hilfe von Schwimmflossen zurückzulegen. Hiervon 250 Meter in Bauch- oder Seitenlagen und 50 Meter mit einem bekleideten Opfer im Schleppgriff. Das eigene Schwimmen in Kleidung wird auch geprüft: 300 Meter in maximal neun Minuten muss der Rettungsschwimmer zurücklegen und sich anschließend im Wasser entkleiden. Zusätzlich müssen unbekleidet 100 Meter in maximal 1:40 Minuten geschwommen werden – egal in welchem Schwimmstil (aber Kraulen ist der schnellste!).
Die Anforderungen an das Strecken- und Tieftauchen sind auch höher: 30 Meter Strecke, also doppelt so weit wie beim Bronze-Abzeichen, wobei auch noch mindestens acht von zehn Ringen aufgesammelt werden müssen. Und dreimal Tieftauchen in Kleidung, dabei einmal mit Kopfsprung und zweimal von der Wasseroberfläche: einmal kopfwärts, einmal fußwärts. Auch hierbei wird jeweils ein fünf Kilo schwerer Tauchring vom drei bis fünf Meter tiefen Beckengrund geholt. Die Tieftauchübungen dürfen insgesamt nicht länger als drei Minuten dauern.
Hat der DLRG-Zögling beim Silber-Schein noch vier Minuten Zeit für das 50 Meter weite Transportschwimmen in Kleidung, so ist es beim DRSA-Gold nur noch eine Minute und 30 Sekunden. Die kombinierte Übung findet beim Gold-Schein bekleidet statt und es müssen ebenfalls drei Umklammerungen unter Anwendung der Befreiungstechniken gelöst werden.
Kenntnisse über Atmung, Blutkreislauf und Wiederbelebung werden theoretisch und praktisch abgefragt. Der Rettungsschwimmer muss die Aufgaben und Organisation der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft kennen und fit sein im Gebrauch eines Rettungsballs, eines Rettungsgurtes und gebräuchlicher Wiederbelebungsgeräte. Auch die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Lehrgang muss nachgewiesen werden.
Altersvoraussetzung bei Rettungsschwimmabzeichen
Das Rettungsschwimmabzeichen Bronze kann man ab 12 Jahren machen. Für den Rettungsschwimmschein Silber muss der Rettungsschwimmer mindestens 15 Jahre alt sein und bei Gold 16.
