Review: Fallout 3 für die Playstation 3

Moralische Gratwanderungen nach dem Weltuntergang

Ein Spiel, dass den Spieler ständig vor moralische Entscheidungen stellt und dabei in ein postapokalyptisches Amerika versetzt, in dem es nur das Überleben zählt.

Mit dem dritten Teil der Fallout-Reihe wurde das Endzeit-Universum zum ersten Mal vollständig in die dritte Dimension erhoben. Die Grafikengine nutzt die Möglichkeiten der PS 3 gut aus, die Ladezeiten sind kurz, alles in allem handelt es sich um eine exzellente Mischung aus Egoshooter und Rollenspiel, die einige Überraschungen bereithält.

Die Reise beginnt unter der Erde

Der namenlose Held des Spiels wird in einer sog. Vault, einem unterirdischen Bunker, geboren. Der Rest der Welt ist in einer Schreckensvision des dritten Weltkrieges, einer nuklearen Apokalypse, fast vollständig zerstört worden. Zu Beginn des Spiels hat der Spieler die Möglichkeit Name, Aussehen und Geschlecht selbst festzulegen. Sodann wird die Spielfigur in das Leben unter der Erde mithilfe kleinerer Zwischensequenzen und kurzen Levels eingeführt. Es wird schnell klar, dass die Gesellschaft der Vault nach über 200 Jahren Abgeschiedenheit eigene Werte und Normen entwickelt hat, die eher totalitär sind und nicht viel mit den demokratischen Grundwerten gemein haben, die einstmals überleben sollten.

Moralische und ethische Grundsätze auf dem Prüfstand

Während des gesamten Spiels steht der Spieler in unzähligen Quests vor Entscheidungen, die an sein Moralempfinden anspielen. Es geht dabei weniger um gut und böse, sondern vielmehr um Entscheidungen und Konsequenzen. All diese Entscheidungen und Konsequenzen wirken sich dabei auf den Spielverlauf respektive das Ende des Spiels aus. Handelt man egoistisch und rettet nur die eigene Haut oder unterstützt man die Ödländer, wo man nur kann? Das Gewissen des Spielers wird immer wieder herausgefordert.

Utilitaristische Elemente

So gilt es nicht selten, Entscheidungen über Leben und Tod zu treffen und den Nutzen für alle abzuwägen. So steht man schon zu Beginn vor der Entscheidung, ob man den Aufseher der Vault umbringen sollte oder nicht. Dies hat dann direkte Auswirkungen auf den Spielverlauf und die Interaktion mit den anderen Nicht-Spieler Charakteren. Später im Spiel trifft man auf einen „sprechenden Baum“ – im Grunde ein durch die Strahlung mutierter Mensch, der mit einem Baum verwachsen ist – welcher um Hilfe bittet. Unzählige Jahre steht er an seinem Platz und leidet qualvoll daran. Voraussichtlich würde er noch weitere hundert Jahre dort stehen und weiterleben, sofern der Spieler ihm nicht hilft und ihn tötet, um ihn so von seinem Leiden zu erlösen. Soweit so gut. Jedoch versprüht dieser besondere Baum Samen, die es ermöglichen, dass auch in der verstrahlten Welt des Ödlands wieder grüne Wiesen und Pflanzen wachsen. Erlöst man hier nun also den Menschen, der unverschuldet in einer qualvollen Situation ist? Oder folgt man dem Nutzen für alle Menschen und lässt ihn am Leben, sodass bald wieder Vegetation vorhanden ist, mit der sich die Menschen ernähren können?

Fun, Action und Philosophie

Alles in allem erzeugt Fallout 3 eine düstere Stimmung, die mitreißt. Ob man nun Ungeheuer oder Räuber im Ödland zur Strecke bringt, die offene Spielwelt erkundet und die Verwüstung des dritten Weltkrieges betrachtet oder sich auf die moralischen Entscheidungen einlässt, die ständig im Spiel gefordert werden: Fallout 3 schafft es, Action, Rollenspiel und intellektuelle Herausforderung unter einem Dach zu vereinen. Nicht oft schafft es ein Spiel, so atmosphärisch zu überzeugen.

Game of the Year-Edition kann abstürzen

Der Spielspaß kann eingeschränkt werden, wenn man die Game of the Year Edition auf der PS 3 spielt. Die neu hinzugekommenen Gebiete, die im Ursprungsspiel nicht vorhanden sind, führen Berichten zufolge öfter zu einem Einbruch der Bildwiederholrate. Gegner sind nicht selten einfach unsichtbar und greifen den Spieler an, ohne dass er etwas dagegen tun kann. So kann es vorkommen, dass das Spiel einfach plötzlich vorbei ist, weil der Spieler, angegriffen von einem unsichtbaren Gegner, schlicht tot umfällt. Beobachtet wurden diese Effekte vor allem auf neueren Konsolen mit der Softwareversion 3.0 und höher. Für die XBox360 oder den PC sind solche Fehler bisher nicht bekannt.

Das Spiel der Firma Bethesda Gamestudio ist im Handel für ca. 29,90 € erhältlich. Die Game of the Year-Edition, in der alle bisher erschienenen Addons integriert sind, kann für 49,99 € erworben werden.

Ingo, Janine Böversen

Ingo Kurpanek - Als Student der Philosophie verfasse ich nahezu tagtäglich umfangreiche Ausarbeitungen über allerlei philosophische Themen. Da ...

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