Rezension - "Monsignore Quijote" von Graham Greene

Titel Monsignor Quijote - djv-Verlag
Titel Monsignor Quijote - djv-Verlag
Ein vergnügliches Alterswerk von Graham Greene, dem Verfasser berühmter Spionageromane.

Wer kennt nicht „Der dritte Mann“, „Unser Mann in Havanna“, „Macht und Ruhm“- um nur die allerbekanntesten Werke des britischen Romanciers zu nennen, viele auch verfilmt, oft mit ihm als Drehbuchautor. Graham Greene wurde 1904 geboren und starb 1991. Er war Oxford-Abgänger und wurde nach seiner Arbeit als stellvertretender Chefredakteur der „Times“ literarischer Herausgeber des „Spectator“, trat zum katholischen Glauben über. Im Zweiten Weltkrieg arbeitete er für das britische Außenministerium, war stationiert in Sierra Leone. Dieser Aufenthalt in Afrika floss in etliche seiner Romane und Kurzgeschichten ein. Daneben verfasste er auch sechs Theaterstücke, zwei Autobiographien, hunderte von Essays und vier Reisebücher. Er „war eine Klasse für sich“, wie William Golding in seinem Nachruf schrieb.

Zur Entstehung des Buches und seinem literarischen Vorbild

In Monsignore Quijote verarbeitet Greene Eindrücke vor allem seine erste Spanienreise 1946, doch spielt das Buch Anfang der 80er Jahre in Spanien, nur wenige Jahre nach Francos Tod. Man muss dazu erwähnen, dass besonders die Briten immer schon ein Faible für Spanien und sein warmes Klima hatten, nachweislich die ersten Touristen zum Beispiel an der Costa del Sol stellten. Zum Inhalt also: Es machen sich der Priester, Vater Quijote, ein angeblicher Nachkomme des berühmten Protagonisten Don Quijote von Miguel de Cervantes und sein kommunistischer Freund, der Ex-Bürgermeister, der hier nur als „Sancho“ firmiert wie der treue Diener des echten Don Quijote, auf den Weg nach Madrid. Sie kommen aus ihrem kleinen Kaff in der La Mancha und sie gehen auf die Reise mit Rosinante, so nennt Vater Quijote seinen altersschwachen Seat 500 nach dem Ross des Cervantes-Quijote. Es ist nach langen Jahren beider erster Urlaub, weil Sancho als Bürgermeister bei den letzten Wahlen abgewählt wurde und der Priester von seinem Bischof quasi auf Zwangsurlaub geschickt wurde, um dessen Gemeinde mit einem scharfen, jungen, effizienteren Priester zu besetzen. Vorher wurde noch Quijote direkt aus Rom - sehr zum Ärger des Bischofs - auf Bitten eines afrikanischen Bischofs, dem er mal half, zum Monsignore befördert. Das stellt ihn einem Bischof gleich, bedeutet aber ohne Amt. Nun darf er aber die Insignien eines Monsignore mit bordeauxfarbener Schärpe und ebensolchen Socken und dergleichen tragen.

Zum Inhalt

Quijote und Sancho machen sich nun auf den Weg, wollen auch zum Schluss bis ins nordspanische Salamanca kommen, ihrer beider Studienort. Mit sich führen sie zwei Kisten des heimischen Weines und Käse aus der Region.

Was nun folgt ist ein fulminanter Spaß mit den Erlebnissen der beiden. Rosinante schafft kaum mehr als 40 Stundenkilometer auf den Landstraßen, weshalb beide am Straßenrand gemütliche Pausen mit Wein und Käse einlegen. Da werden oft drei Flaschen Wein gekippt, anschließend Siesta gehalten und dabei wird heftig philosophiert über Religion und Kommunismus. Anfang der 80er Jahre war Spanien wirklich noch so herrlich ursprünglich wie geschildert, weit weg von den zubetonierten Küsten. Sancho will auch, dass Vater Quijote sich wirklich mit seinen Insignien einkleidet, die sie eines Tages aus Spaß tauschen - just in dem Moment kommt die Guardia Civil, die Polizei, vorbei und kontrolliert die beiden. Monsignore Quijote hilft auch einem Landstreicher, der von selbiger Polizei als Bankräuber verfolgt wird, aber nur Mundraub in einem Supermarkt beging, wonach sie beide als Kriminelle verfolgt werden. Übernachten tun die beiden ungleichen Reisegefährten mal unter freiem Himmel, mal in einem komfortablen Bordell, was Sancho dem Priester erst nicht mitteilt und der irgendwie kaum mitkriegt, ja er schleppt ihn sogar in einen Pornofilm. Der moderne Quijote stellt dabei erstaunt fest, dass ihn das kalt läßt, er aber auch kein schlechtes Gewissen habe. Am Schluss müssen beide vor Bischof und Polizei in ein Trappistenkloster fliehen, nicht, ohne vorher auf einer Feria für Wirbel gesorgt und bei der dortigen Prozession zum Umsturz der getragenen Marienstatue beigetragen zu haben.

Bester britischer Humor

Fazit: Unbedingt lesenswert! Irgendwie gemahnen die Abenteuer und Auseinandersetzungen der beiden Hauptfiguren mehr an Don Camillo und Peppone, auch an Peter Ustinovs „Der alte Mann und Mr. Smith“ mit den Dialaogen zwischen Gott und Teufel. Es ist bester britischer Humor eben. Zwar wird immer wieder Bezug genommen auf die große literarische Vorlage von Cervantes, aber zum Glück ist das Buch viel unterhaltsamer, kürzer und lesbarer. Man zeige mir den, der Cervantes´ Don Quijote wirklich bis zum Ende gelesen hat. Bei Graham Greene´s Roman aber wird man das garantiert tun!

Graham Greene: Monsignore Quijote. dtv-Verlag 2008. 240 Seiten. 9,90 Euro. Liest sich übrigens auch gut im englischen Original, bei Penguin Book erschienen.

Dr. Gabriele Hefele, Reinhard Hefele

Dr. Gabriele Hefele - Dr. phil. Gabriele Hefele gewann bereits mit 13 Jahren einen Preis für eine lustige Olympiareportage. Sie schrieb mit 17 ein ...

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