
- Buchcover Trauma - Trias Verlag
Ein Trauma ist eine Erfahrung, die unsere Verarbeitungsmechanismen überfordert, eine Situation, die wir nicht so einfach bewältigen können. „Ohnmacht, Todesangst und Hilflosigkeit sind vermutlich die unangenehmsten Erfahrungen, die wir zu erleiden haben“, so die beiden Autorinnen Reddemann und Dehner-Rau auf Seite 12 ihres Buches „Trauma: Folgen erkennen, überwinden und an ihnen wachsen“.
Viele Menschen erleiden im Laufe ihres Lebens ein Trauma. Die beiden Ärztinnen und Trauma-Expertinnen geben in diesem Buch ihre Erfahrungen aus der Arbeit mit Betroffenen weiter, stellen Behandlungsansätze vor und leiten zur Selbsthilfe an. Ein informatives und übersichtliches Buch, das 2007 als überarbeitete Fassung in dritter Auflage im Trias-Verlag erschien. Das Buch ist kartoniert und hat 182 Seiten.
Aufbau des Buches "Trauma" und der Leserkreis
Das Autorinnenteam Reddemann und Dehner-Rau richtet sich mit ihrem Buch „Trauma: Folgen erkennen, überwinden und an ihnen wachsen„ vor allem an Menschen, die selbst ein Trauma erlitten haben sowie an deren Angehörige. Sie wollen über Traumatisierungen und deren Folgen informieren und Hilfsmöglichkeiten aufzeigen. Es ist „Ein Übungsbuch für Körper, Geist und Seele“, heißt es im Untertitel. Tatsächlich informieren die Autorinnen einerseits sehr intensiv und bleiben andererseits auf einer sehr einfachen und klaren Ebene, die für jeden verständlich ist.
Das Buch gliedert sich in folgende Abschnitte: Basiswissen, Reaktionen, Folgestörungen, Traumatherapie, Selbsthilfe und Leben. Damit haben die Autorinnen ein themenorientiertes Grundgerüst geschaffen, an dem sich der Laie gut zurechtfinden kann. Die übersichtliche Gestaltung des Buchs macht es den Lesern leicht, sich zu orientieren. Text, Übungen und Fallbeispiele wechseln sich ab. Dabei sind bestimmte Abschnitte, Infokästchen oder Tipps farblich unterlegt. Fotos und Abbildungen lockern die inhaltliche Dichte zusätzlich auf.
Trauma, dessen Folgen und traumanahe Krankheitsbilder
Die Autorinnen definieren ein Trauma folgendermaßen: "Die Person war selbst Opfer oder Zeuge eines Ereignisses, bei dem das eigene Leben oder das Leben anderer Personen bedroht war oder eine ernste Verletzung zur Folge hatte. Die Reaktion des Betroffenen beinhaltete Gefühle von intensiver Angst, Hilflosigkeit oder Entsetzen" (S. 16). Sie weisen darauf hin, dass traumatische Ereignisse in der Kindheit am schlimmsten für uns Menschen sind, da Kinder noch nicht über so viele Schutz- und Verarbeitungsmöglichkeiten verfügen, wie Erwachsene. Vernachlässigung, traumatisches Geburtserleben, körperliche oder psychische Gewalt oder sexuelle Übergriffe können eine solche traumatisierende Situation sein. Selbst für einen Erwachsenen mit viel Lebenserfahrung kann ein traumatisches Erleben gravierende Folge-Erkrankungen nach sich ziehen. Angststörungen, Depressionen, Suchterkrankungen, Selbstverletzendes Verhalten und dissoziative Störungen sind nicht selten Folge einer Traumatisierung. Zudem geht man heute davon aus, dass viele Persönlichkeitsstörungen als Reaktion auf ein schweres Trauma in der Kindheit zu verstehen sind. Folgen und Krankheitsbilder, wie die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), die Borderline Störung sowie die Dissoziative Störung, werden sehr gut vorgestellt und gegeneinander abgegrenzt.
Hilfe zur Selbsthilfe mit Übungsanleitungen
Praxisnah und leicht verständlich wird die Theorie mit praktischen Übungen gekoppelt. Dies ist bereits ein Schritt, sich aus der Opferrolle zu befreien. Zudem gibt es einige konkrete Veränderungsgeschichten, die dazu ermutigen, sich selbst auf den Weg zu machen, das traumatische Erleben zu integrieren. Wem es gelingt, solche traumatischen Erfahrungen zu bewältigen, wird mit Ängsten realistischer umgehen können und reifen. Das ist der Grundtenor des Buches.
Bei den Übungen zur Selbsthilfe hat man allerdings auch die Grenze der Veränderungsmöglichkeiten innerhalb des Buches erreicht. Viele Übungen stehen recht isoliert da und sind sicherlich für einen traumatisierten Menschen nicht so einfach ohne weitere Anleitung zu bewältigen. Welche Ergebnisse oder Schlussfolgerungen man beispielsweise für sich selbst daraus ziehen könnte, werden nicht beschrieben. Der Leser wird sozusagen mit den Auswirkungen der Übungen alleine gelassen. Wer sich dagegen schon auf den Weg gemacht hat, sein Trauma zu bewältigen, sich auf die Übungen einlassen kann und in der Lage ist, auf positives Erleben umzuschalten, findet in den Übungen tatsächlich eine hilfreiche Begleitung. Das letzte Kapitel "Leben" leitet in besonderer Weise dazu an.
Über die Autorinnen Reddemann und Dehner-Rau
Die beiden Ärztinnen, Prof. Dr. Luise Reddemann und Dr. Cornelia Dehner-Rau blicken auf eine lange Praxiserfahrung im Bereich Psychotherapie und Psychosomatische Medizin. "Menschen verfügen über erstaunliche Kräfte der Heilung und der Regeneration", so die beiden AutorInnen im Klappentext. Reddemann gilt als eine der Pionierinnen der Traumatherapie in Deutschland und entwickelte in ihrer langjährigen Klinikttätigkeit ein Behandlungskonzept für Menschen mit Trauma-Folgeerkrankungen. Von Reddemann sind bereits zahlreiche Publikationen über Traumatisierungen und ihre Verarbeitung erschienen. Ihr Engagement im Traumabereich brachte ihr schon zahlreiche Preis und Ehrungen ein.
Die 1965 geborene Ärztin Cornelia Dehner-Rau promovierte im Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie und arbeitet seit 2001 an der Klinik für Psychotherapeutische und Psychosomatische Medizin des Evangelischen Krankenhauses Bielefeld. Sie ist darüber hinaus als EMDR-Therapeutin (Eye Movement Desensitization and Reprossing) ausgebildet, eine spezielle Behandlungsmethode für traumatisierte Menschen.
Fazit
Das Buch "Trauma: Folgen erkennen, überwinden und an ihnen wachsen" ist ein wertvoller Ratgeber für Betroffene und deren Angehörge sowie für andere interessierte Laien. Es eignet sich als Einstieg ins Thema, leitet zur Selbsthilfe an und zeigt auf, wann man sich therapeutische Hilfe suchen sollte. Wer selbst eine traumatische Erfahrung gemacht hat und weiß, wie sich das anfühlt, wird den Ratgeber so schnell nicht aus der Hand legen können. Auch bei vielen Angehörigen dürften sich eine ganze Menge Aha-Effekte einstellen. Wer dieses Buch liest, wird ein Verständnis für traumatisierte Menschen und ihre Auffälligkeiten entwickeln können, lernt Nebenschauplätze und Folgen einer Traumatisierung kennen und wird sie von nun an besser begreifen können. Gerade das letzte Kapitel "Leben" hat für jeden Menschen etwas zu bieten, der optimistisch in die Zukunft blicken möchte. Insgesamt ein durch und durch empfehlenswertes Buch.
Literaturempfehlung
Reddemann, Luise und Dehner-Rau, Cornelia: Trauma: Folgen erkennen, überwinden und an ihnen wachsen. Trias 2007.
