Rezension – Erwin Kotányi: In 80 Gewürzen um die Welt

Titelcover
Titelcover "In 80 Gewürzen um die Welt" - Brandstätter Verlag
In dieser Gewürzkunde werden bekannte und unbekannte Gewürze und Kräuter vorgestellt, meist in Verbindung mit Rezepten

Was wäre unser Essen ohne Gewürze: fad. Gewürze gehören zum Essen einfach dazu. Dabei beschränkt sich aber die Auswahl des "Normalkochs" oft auf einige wenige davon. Mit diesem Buch sollen nicht nur Gewürze bekannter gemacht werden, sondern es soll auch zum Kochen mit mehr Gewürzen und damit schmackhafter angeregt werden.

Zu Herausgeber und Autor

Erwin Kotányi ist der Herausgeber dieses Buchs. Er ist Inhaber eines Gewürzhandels mit 130-jähriger Tradition. Kein Wunder, dass ihm die Verbreitung von Kenntnissen über Gewürze eine Herzensangelegenheit ist, nicht nur aus geschäftlichen Gründen.

Wesentliche Teile der Texte sowie die Rezepte hat Gerd Wolfgang Sievers beigesteuert. Er ist ein weit über die Grenzen Österreichs bekannter Koch, der sein Wissen bereits in etlichen Büchern kundgetan hat und nicht nur dafür mehrfach ausgezeichnet wurde.

Zum Aufbau des Buchs "In 80 Gewürzen um die Welt"

Natürlich stehen die Gewürze im Vordergrund. Dabei ist der Begriff "Gewürze" weit gezogen, denn es werden auch viele Kräuter behandelt. Jedem Gewürz/Kraut ist mindestens eine Seite gewidmet, bei so wichtigen Gewürzen wie Paprika sind es auch einmal vier Seiten. Fast alle Gewürzbeschreibungen sind von mindestens einem Rezept begleitet. Sowohl die vorgestellten Gewürze und Kräuter wie auch die Rezepte sind mit sehr guten und informativen Fotos illustriert.

Bei den Gewürzen werden Herkunft und Historie geschildert. Oft ist es überraschend, wo ein Gewürz oder Kraut herstammt und traditionell eingesetzt wurde. Geschmack und Einsatzmöglichkeiten sowie die Anwendung in verschiedenen Ländern werden ausführlich beschrieben und machen Lust dazu, selbst einmal Experimente vorzunehmen. Sesam etwa ist praktisch jedermann bekannt, wird aber selten eingesetzt. Auch Senf ist weit variabler, als man es vermuten könnte (wobei ein Blick in das Senfregal eines Feinkostgeschäfts schon die Augen für dieses variable Gewürz öffnen kann).

Die Auswahl der Gewürze

Natürlich kommen viele Gewürze vor, die zumindest dem Namen nach gut bekannt sind, seien es Paprika, Pfeffer und viele andere. Darüber hinaus werden aber auch viele Gewürze und Kräuter speziell aus dem mediterranen und asiatischen/vorderasiatischen Bereich vorgestellt, die im deutschsprachigen Raum weniger bekannt sind. Dazu gehören Langer Pfeffer und Myrte ebenso wie Asant und Annatto. Auch wenn die Namen exotisch klingen und sicher nur wenige Leser damit schon Kontakt hatten, alle diese Gewürze sind käuflich zu erwerben und – in der Regel – in kleinen Mengen auch nicht kostspielig.

Obwohl die Auswahl recht gelungen ist, fehlt auch das eine oder andere. Eine große Lücke ist aus Sicht des Rezensenten das Fehlen von Salz. So wie bei anderen Gewürzen wie Paprika eine Sortenübersicht ausgesprochen hilfreich ist, hätte man auch bei Salz mit einer Auflistung der verschiedenen im Handel befindlichen Varietäten für mehr Klarheit sorgen können. Dagegen fallen die anderen "Lücken" kaum auf. So fehlen Pimpinelle und Sauerampfer, obwohl sowohl ein Rezept für die "Frankfurter Grüne Soße" wie auch die Beschreibung aller anderen Kräuter vorhanden ist.

Wenn man Kräuter zu den Gewürzen zählt, hätte man vielleicht auch andere Würzstoffe wie getrocknete Tomaten aufnehmen können. Aber natürlich ist der Platz in einem Buch immer begrenzt.

Die Auswahl der Rezepte

Auch wenn es mit den Gewürzen um die Welt gehen soll, so kristallieren sich doch eindeutig zwei Schwerpunkte heraus: der Mittelmeerraum und Vorder- und Südostasien. Es wäre auch langweilig, wenn für bekannte Gewürze nur Allerweltsgerichte zur Verfügung stünden. So ist es nicht nur ein Buch über Gewürze, sondern zeigt auch viele leicht nachzukochende Rezepte. Diese enthalten neben einer Zutatenliste eine kurze Beschreibung sowie eine ausführliche Kochanleitung bis hin zur Präsentation. Einige Tipps sind als Ergänzung eingestreut.

Nützliche Anhänge

Gelegentlich finden sich auch im Anhang wertvolle Hinweise. So auch hier. Zuerst werden auf vier Seiten die wichtigsten Gewürzmischungen vorgestellt. Das alphabetische Register ist deswegen hilfreich, weil die Gewürze und Kräuter nach nicht genau nachvollziehbaren Kriterien (was aber nicht schadet) ohne Bezug zum Alphabet behandelt werden. Das Rezeptregister ist ein Muss, das Glossar hilfreich, die Übersetzung der österreichischen Küchenbegriffe für die deutschen Kunden ein Muss.

Der Gesamteindruck zu "In 80 Gewürzen um die Welt"

Der Untertitel des Buchs spricht von einem "Handbuch der Gewürze". Eigentlich müsste dies in das "Handbuch der Kräuter und Gewürze" ergänzt werden. Denn tatsächlich finden sich – vom genannten Salz abgesehen – keine wichtigen Lücken. Das Buch ist ausführlich und handelt das Thema umfangreich ab, ist bestens illustriert und bestens getextet. Es eignet sich zum Lesen am Stück oder auch zum gewürzweisen Schmökern. Und mit seinem schönen Halbleineneinband macht es sich auch noch gut im Regal.

Referenz

Erwin Kotányi: In 80 Gewürzen um die Welt. Das Handbuch der Gewürze mit Rezepten und Kulturgeschichten von Gerd Wolfgang Sievers. 256 S., ca. 300 Farbfotos, Format 25,5 x 21 cm, Halbleinen, ISBN 978-3-85033-573-7, Christian Brandstätter Verlag Wien 2011, 29,90 €.

Gerald Zimmer - Gerald Zimmer ist als selbstständiger Redakteur für zahlreiche Garten- und Heimtiermagazine tätig. Seine zahlreichen ...

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