
- Titelcover - C. Bertelsmann Verlag
Rezension – Guido Knopp: Geheimnisse des >>Dritten Reichs<<
65 Jahre sind seit Kriegsende vergangen. Nur noch wenige Zeitzeugen können vom Zusammenbruch des Dritten Reichs berichten. Die Anfänge sind sogar nur noch aus Quellen zu belegen, denn es gibt keine Personen mehr, die die Jahre kurz nach dem Zweiten Weltkrieg selbst erlebt hätten und noch leben. Aber sie haben Kinder und Enkel, die darüber reden könnten, und es kommen immer wieder neue Quellen ans Licht, sei es aus öffentlichen Archiven, sei es aus Privatbesitz. Und obwohl so mancher meinen könnte, es sei genug, ist es nicht nur sinnvoll, sondern notwendig, Neues und wenig Bekanntes zu publizieren und somit die Dunkle Zeit des Dritten Reichs sowie ihre Auslöser und Zusammenhänge in Erinnerung zu behalten.
In sechs Kapiteln greift das Autorenteam um Guido Knopp Themen aus dem Dritten Reich rund um die Umgebung Adolf Hitlers auf und zeigt ganz neue Aspekte auf, die so nicht bekannt waren.
Familie Hitler
Der Öffentlichkeit nahezu unbekannt war, dass Adolf Hitler noch eine Schwester hatte, Paula. Sie hielt sich auch während Hitlers Herrschaft weitgehend im Hintergrund und lebte auch nach dem Krieg sehr zurückgezogen. Aber Hitler hatte noch weitere Verwandte, etwa Cousins, die aus seiner Verwandtschaft manchmal sogar Kapital schlagen wollten (was auch weitgehend gelang). Auch heute gibt es noch Nachfahren von Hitlers Verwandten, die aber weitgehend unerkannt z.B. in den USA leben.
Übrigens war es durchaus gefährlich, selbst zu Hitlers entfernter Verwandtschaft zu gehören, denn nach dem Krieg inhaftierten Stalins Gefolgsleute alle Hitlerverwandten, derer sie habhaft werden konnten.
Legende Rommel
Erwin Rommel gilt als der "gute Soldat", der immer für seine Leute da war und in vorderster Reihe mitkämpfte. Selbst bei seinen Gegnern genoss er einen guten Ruf. Tatsächlich aber nahm Rommel wenig Rücksicht auf seine Untergebenen und handelte auch mehrere Male befehlswidrig. Aber er hatte einen prominenten Befürworter, der ihn nicht nur außergewöhnlich schnell beförderte, sondern auch gegen alle Anfeindungen und Vorwürfe in Schutz nahm: Adolf Hitler persönlich.
Hitlers Geld
Weil Adolf Hitler auf sein Gehalt als Reichskanzler (vorübergehend) verzichtete, stand er im Ruf, ein sparsamer und nicht auf sein Wohl bedachter Politiker zu sein. Der kurze Gehaltsverzicht fiel Hitler aber ausgesprochen leicht, denn durch die Tantiemen aus seinem Buch "Mein Kampf" war er längst Millionär. Daneben hatte er reiche Gönner(innen), die ihn großzügig mit Geld und Werten bedachten. Und schon seit Mitte der Zwanzigerjahre war die Parteikasse auch eine Art Privatkasse, die ihm schon früh eine Luxulimousine zur Verfügung stellte. Hitler nahm viel ein und gab auch reichlich aus. Ein armer Mann war er sicher nicht.
Himmlers Wahn, Himmlers Schuld
Heinrich Himmler war als "Reichsführer SS" der vielleicht mächtigste Mann nach Hitler. Nicht ganz geklärt ist, ob die Judenvernichtung des Dritten Reichs auf Hitlers oder seinen Befehlen beruhte (wobei Hitler dies natürlich billigte). Er, der die deutschen Familien für besonders wertvoll erklärte, war aber auch offener Befürworter außerehelicher Beziehungen von Soldaten und auch selbst hatte er Kinder mit einer "Zweitfrau". Vielleicht war er der grausamste Vertreter des Dritten Reichs.
Hitlers Frauen
Obwohl erst kurz vor seinem Tod verheiratet, hatte Hitler Beziehungen zu Frauen. Das war schon länger bekannt. Auch dass seine Nichte Geli bis zu ihrem Selbstmord von ihm ausgehalten wurde, ist ebenso bekannt wie natürlich die Liaeson mit Eva Braun. Aber außer diesen beiden gab es noch mehrere Frauen, mit denen er Kontakt hatte (wie intim, ist nicht bekannt) und die er regelmäßig traf. Offensichtlich übte er auch gewisse Frauen, meist durchaus wohlhabende, einen gewissen Reiz aus.
Speers Täuschung
Albert Speer hatte sich lange als ahnungsloser Mitläufer geriert und galt vielen als der "gute Nazi", einer, der wenig Schuld am Massenmord in KZ und durch Zwangsarbeit hatte. Ihm gelang es sogar, die Ankläger und Richter der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse zu täuschen. So war er zu nur 20 Jahren Haft verurteilt worden, nach deren Ende er durch seine Memoiren wohlhabend wurde und ein gutes Auskommen hatte, bis er beim intimen Rendezvous mit seiner Geliebten in London starb. Tatsächlich aber hatte er im Dritten Reich als Rüstungsminister bewusst Zwangsarbeiter und KZ-Insassen eingesetzt, wissend, dass hier eine "Vernichtung durch Arbeit" anstand. So urteilen heutige Historiker, dass er mit Sicherheit in Nürnberg zum Tode verurteilt worden wäre, hätte man damals das Ausmaß seiner Verstrickungen gekannt. Er war nicht der "gute Nazi", sondern ein Verbrecher an der Menschlichkeit.
Zum Buch "Geheimnisse des Dritten Reichs"
Zwar wurden die sechs geschilderten Kapitel auch in einer sechsteiligen Fernsehserie thematisiert. Das Buch hat aber den Vorteil, dass es viel ausführlicher auf die Umstände und Tatsachen eingehen kann und daher die Inhalte der Fernsehserie wunderbar ergänzt. Zwar nicht alles, aber vieles in diesem Buch ist selbst denjenigen nicht bekannt, die sich ausführlicher mit dem Dritten Reich seinen Anfängen und Verstrickungen widmen. Für den interessierten Leser ist das Buch ein ausgesprochener Wissensgewinn, gut und sachkundig beschrieben und auch mit viel, oft noch bislang unveröffentlichem Bildmaterial. Die Themen können in dieser Besprechung nur angerissen werden, im Buch stehen noch viele weitere Details zu den behandelten Personenkomplexen.
Bibliographische Angaben
Guido Knopp: Geheimnisse des „Dritten Reichs“. 414 S., zahlreiche SW-Fotos, Hardcover, ISBN 978-3-570-10106-3, C. Bertelsmann Verlag, München 2011, 24,99 €.
