Rezension – Solingen. Das waren unsere 60er und 70er Jahre

Titelcover - Wartberg Verlag
Titelcover - Wartberg Verlag
Das Buch bietet einen Überblick über die Personen und Ereignisse wie auch das Stadtbild Solingens in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts

Solingen in den 60er und 70er Jahren – das war eine wichtige Zeit für die Entwicklung. Kennzeichnend ist das Titelbild, dass das Tückmantelhaus, einziges nicht im Krieg zerstörtes Haus der Solinger Innenstadt, Karstadt und das dahinter liegende Turmhotel zeigt. Das Tückmantelhaus wurde im März 2011 nach umfangreicher Renovierung wieder eröffnet, Karstadt, 2009 bereits geschlossen, wurde Ende 2011 abgerissen, das Turmhotel im Dezember 2011 gesprengt; an Stelle von Kaufhaus und Turmhotel soll hier bis 2013 ein modernes Einkaufszentrum entstehen. Auf Seite 13 befindet sich übrigens ein Buch von der Sprengung des Monopolkinos, das dem Karstadtgebäude weichen musste. Ein Aspekt am Rande ist sicherlich, dass tatsächlich derselbe Sprengmeister, der 43 Jahre vorher das Monopolkino gesprengt hatte, auch 2011 das Turmhotel sprengte.

Welt- und Stadtgeschehen

Im Buch werden das Weltgeschehen, z.B. die Ermordung von John F. Kennedy im Jahre 1963, mit dem regionalen Geschehen in Solingen geschickt verknüpft. Auf Zeitleisten werden die wichtigen Ereignisse der Stadt neben die Weltereignisse gestellt. Dabei wird deutlich, dass diese 60er und 70er Jahre für Solingen ausgesprochen prägende Jahrzehnte waren.

Prominente Solinger

Natürlich geht es in diesem Buch auch viel um Personen, die Solingen prägten oder aus von dort stammten. Gebührend gewidmet wurde Solingers bis dato einziger Ehrenbürger, Ex-Bundespräsident Walter Scheel, geboren auf der Messerstraße. Ungenannt bleibt ein allerdings ein gebürtiger Solinger, den es allerdings als Kind schon in die Fremde verschlug: Adolf Eichmann, in den 60er Jahren in Israel wegen seiner Verbrechen zum Tode verurteilt. In der Liste prominenter Solinger stehen merkwürdigerweise mit Veronica Ferres und Michael Lesch zwei Solinger (es sind auch noch die einzigen, die dort abgebildet werden), die, obwohl natürlich äußerst bekannte gebürtige Solinger, nicht in den 60er oder 70er Jahren geboren wurden. Dieser Stilbruch fällt auf.

Ansonsten finden sich zahlreiche Namensnennungen und Abbildungen von Personen und Persönlichkeiten, die heute – leider – schon vergessen sind. Zumindest Solingens erste Oberbürgermeisterin, Elisabeth Roock, ist heute im Namen eines Seniorenstifts verewigt, während ihre Kollegen weitgehend der Vergessenheit anheim gefallen sind.

Bebilderung

Viele Bilder lassen das Solingen seiner Zeit wieder auferstehen, ganz abgesehen von Karstadt und vom Turmhotel. Allerdings fällt auf, dass einige Bilder ausgesprochen stark gerastert und damit unschärfer erscheinen, als sie es bei dem Alter sein dürften. Möglicherweise wurden sie aus Zeitungen genommen, das würde diesen Umstand erklären. Viele der Fotos sind auch in Schwarzweiß, was auch für das Zeitungsarchiv und nicht für die Verwendung von Originalaufnahmen spricht. Denn privat wurde damals hauptsächlich in Farbe fotografiert. Für Zeitungen war es damals nicht notwendig, im Gegenteil, Schwarzweißfotos waren kontrastreicher und besser im Solinger Tageblatt (Mitverleger dieses Buchs) zu verwenden.

Fazit

Solinger, ob noch in Solingen wohnend oder woanders, werden trotz der kleinen Schwächen ihre Freunde an diesem Buch haben. Die 60er und 70er Jahre werden vor dem Auge derjenigen, die es selbst erlebt haben, wieder lebendig. Für Nicht-Zeitzeugen ist es dafür eine gute Übersicht über diese Solingen doch sehr prägende Zeit. Die Texte sind informativ, reichlich bebildert und gut zu lesen. Erwähnenswert ist das ausgesprochen gute Preis-/Leistungsverhältnis.

Referenz

Wilhelm Rosenbaum: Solingen. Das waren unsere 60er und 70er Jahre. 64 Seiten, zahlreiche Farb- und Schwarzweißfotos, Hardcover, ISBN 978-3-8313-1888-9, Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2011, 12,90 €

Gerald Zimmer - Gerald Zimmer ist als selbstständiger Redakteur für zahlreiche Garten- und Heimtiermagazine tätig. Seine zahlreichen ...

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