
- Bleib an meiner Seite von Ralf Dziewas 2002 - R.Brockhaus Verlag ISBN 3-417-20599-9
Im 2002 erschienenen Ratgeber von Ralf Dziewas werden Grundkenntnisse vermittelt, die für die langfristige Begleitung älterer und kranker Menschen wichtig sind. Das kleine Taschenbuch bietet eine verständliche Übersicht zu den allgemeinen Anforderungen an einen Besuchsdienst. Thematisch geht es um Grundsituationen alter und kranker Menschen, deren Kontaktmöglichkeiten durch ihre Lebensumstände eingeschränkt sind. Einzelne Krankheitsbilder stehen dabei nicht im Vordergrund. Der Autor war beruflich als Pastor tätig. Er begleitete viele ältere Menschen seiner Ortsgemeinde über lange Zeit. Auch verarbeitet er im Buch seine langjährigen Erfahrungen als Krankenhausseelsorger.
Das Anliegen des Pastors Ralf Dziewas
Einleitend beschreibt der Pastor seinen Wunsch, mit dem vorliegenden Buch anderen einige vermeidbare Fehler zu ersparen. Der Ratgeber wendet sich an Anfänger, um nützliche Basisinformationen zu bekommen. Menschen mit ersten Erfahrungen kann das handliche Buch anregen, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Ralf Dziewas möchte zudem die Chancen verdeutlichen, welche in der regelmäßigen Betreuung alter und kranker Menschen liegen. Es würde das eigene Leben erheblich bereichern, wenn man an der Lebenserfahrung von Senioren Anteil nehmen darf. Der Autor möchte Menschen zu langfristigen Besuchsdiensten ermutigen und praktische Lösungen für eventuell auftretende Schwierigkeiten anbieten.
Die Notwendigkeit eines Besuchsdienstes
Nicht immer gibt es Freunde, Partner oder Familienmitglieder, die dauerhaft an der Seite älterer und kranker Menschen bleiben. Immer mehr Senioren leiden an Einsamkeit. Ihnen fehlt oft menschliche Zuwendung, Unterstützung und Rückhalt. Der Bewegungsraum kann im hohen Alter oder bei langer Krankheit massiv verkleinert sein, beschränkt sich zunehmend auf die eigenen vier Wände, ein Altenheim oder Krankenhaus. Persönlich Besuch zu bekommen, sei für diese Menschen ein besonderer Höhepunkt im ereignisarmen Alltag. Der unmittelbare Kontakt mit anderen Menschen könne nicht mit Telefongesprächen, Briefkontakt oder einem Fernseher ersetzt werden. Der Besuch wäre eine notwendige Chance für Alte und Kranke, am Leben teilnehmen zu können. Für Besuchte sei der persönliche Kontakt ein besonders wertvolles Geschenk. Durch Alterseinsamkeit würden Hochbetagte sich oft gedemütigt fühlen. Verlieren ältere Menschen ihre Außenkontakte, empfinden sie häufig diesen Verlust als persönliche Entwertung. Der Besuch signalisiert ihnen hingegen, wie wertvoll und wichtig sie sind.
Besuchsdienste übernehmen Verantwortung
Nur eine kleine Gruppe von Menschen entdeckt bislang den ehrenamtlichen Besuchsdienst für sich. Häufig wären es Frauen in der zweiten Lebenshälfte, die sich engagieren. Jedoch würden auch Männer und junge Menschen wertvolle Besucher für ältere Menschen sein. Jugendliche könnten von der Lebenserfahrung der Senioren in besonderer Weise profitieren und zugleich den Altgewordenen einen Zugang zur Generation ihrer Enkel ermöglichen. Grundsätzlich wäre jeder Mensch in der Lage, ältere und kranke Menschen mit Besuchen zu begleiten. Wer sich im Besuchsdienst engagieren möchte, übernimmt Verantwortung für eine andere Person. Mit einer Reihe von Besuchen entsteht die Verpflichtung, die wachsende Beziehung auch aufrecht zu erhalten. Besucher sollten in der Lage sein, zuverlässig ihre Zeit zu investieren. Im Idealfall würden regelmäßige Besuche bis zum Todesfall aufrecht erhalten bleiben. Eine vertrauensvolle Begleitung bis an das Lebensende. Die zentrale Anforderung für Besuchende wäre ein fester zeitlicher Rahmen, der fortlaufend in die eigene Lebens- und Zeitplanung integriert werden muss.
Zuhören als wichtigste Fähigkeit für Besuchsdienste
Weitgehend isoliert lebenden Hochbetagten fehlen echte Gesprächsmöglichkeiten. Aktives Zuhören beschreibt der Autor als das Wichtigste, was ein Besucher einbringen kann. Besuchsdienst bedeutet Zeit für den anderen. Der Besuchte sollte zu Wort kommen können, seine Gefühle, Erlebnisse, Sichtweisen, Erfahrungen und Überzeugungen schildern dürfen. Nur so wäre ein Besuchsdienst hilfreich, wenn der Besuchte wirklich im Mittelpunkt steht. Ihm durch echtes Zuhören die ganze Aufmerksamkeit und Wertschätzung gilt. Hoch motivierte Besuchende sollten nicht die ganze Zeit in guter Absicht auf Hochbetagte einreden und sie mit Informationen überschütten. Gegenteilig braucht der ältere Mensch Gelegenheit, um selbst zu sprechen, sich mitteilen zu können. Der Besuchte darf nicht mit einem unaufhaltsamen Redefluss überrollt werden. Besucher brauchen Mut und Anstand, um unangenehme Gesprächsthemen auszuhalten. Auch wenn ihnen nicht immer eine passende Antwort oder Reaktion einfällt. Schweigen und Zuhören sei oft besser als Reden, wenn leidvolle Erfahrungen zur Sprache kommen. Besuchte sollen sich von der Seele reden dürfen, was sie bedrückt.
Der kleine Ratgeber bietet auf 111 Seiten nützliche Hinweise, wie man Besuche bei alten und kranken Menschen so hilfreich wie möglich gestalten kann. Einfach und verständlich erklärt der Autor, wie man Gespräche gestaltet, wie wichtig Vertrauen und Verschwiegenheit ist und wie man ein Gespräch beendet, ohne den anderen zu verletzen. Gegliedert in zehn Kapitel wird inhaltlich auf die wichtigsten Aspekte rund um den Besuchsdienst eingegangen. Dabei werden auch die persönlichen Belastungen für Besuchende und Möglichkeiten einer Supervision erörtert. Ein lesenswerter Ratgeber - inhaltlich empfehlenswert für alle Menschen, die zukünftig alten und kranken Menschen mit Besuchen helfen möchten oder bereits aktiv Besuchsdienste durchführen.
Zum Buch: Bleib an meiner Seite, Ein Ratgeber für Besuche bei alten und kranken Menschen, Ralf Dziewas, 2002, R.Brockhaus Verlag Wuppertal, 111 Seiten, 7,95 Euro, ISBN 3-417-20599-9
Foto: Buchumschlag 2002 - Bleib an meiner Seite von Ralf Dziewas, R.Brockhaus Verlag
