
- Thomas de Padova, "Wissenschaft im Strandkorb" - Astrid Treumann
Der Autor Thomas de Padova ist Jahrgang 1965, studierter Physiker und Wissenschaftspublizist. Er lebt als freier Publizist in Berlin und widmet sein schreibendes Schaffen den Rätseln des Alltags. In seiner wöchentlich erscheinenden Kolumne "Aha" im Berliner Tagesspiegel befragt er Fachleute und Wissenschaftler zu alltäglichen Fragen.
Zur inhaltlichen Struktur des Buches
In der vorliegenden ungekürzten Taschenbuchausgabe von 2009 sind die beantworteten Alltagsfragen auf 155 Seiten in vier Themengebiete unterteilt. Insgesamt 101 Fragen mit dem berühmten “Warum” am Satzanfang werden hier beantwortet, jeweils 26 Fragen zur Bodybildung (kein Schreibfehler, sondern so vom Autor formuliert), 24 Fragen zur Haushaltshilfe, 25 Fragen zu Expeditionen und 26 Fragen zur Strandkorbwissenschaft.
In seinem Vorwort beschreibt de Padova wie ein Strandkorb nicht nur zum Dösen verführt, sondern auch abenteuerliche Denkspiralen entstehen lässt. Im solch einem Urlaub sind auch viele Forscherinnen und Forscher nur mit diesem kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit beschäftigt, wie man ihn vom Strandkorb aus mit dem Blick zum Horizont wahrnimmt.
Und so freuen sich nach Schilderung des Autors Wissenschaftler, wenn sie von anderen Urlaubern zu ihrer Spezialkenntnis angesprochen werden und sich uns Laien gegenüber erklären können. In dieser Art stimmt der Autor seine Leser auf die nachfolgenden Antworten ein, die den Blick für die Wunder des Alltags schärfen.
Er schildert, wie er als Wissenschaftspublizist jahrelang sinnbildlich hunderte solcher Strandkörbe abgeklappert habe, um seine Antworten zu sammeln. Der Blickwinkel von Spezialisten lädt nach seiner Ansicht dazu ein, das Vertraute und Gewohnte aus anderen Blickwinkeln zu betrachten.
Ein Streifzug durch die Alltagsfragen des Buches
Nicht jedem stellte sich schon einmal die Frage, warum wir Menschen zwei Nasenlöcher besitzen. Spätestens bei einem etwa Vierjährigen könnte es dann doch so weit sein und irgendwann schallt auch dieses Warum in die Ohren. Dank der Ausführungen im Buch erfährt der Leser, das diese Tatsache den Fischen zu verdanken ist, die als Vorahnen der Evolution schon entsprechend angelegte Röhrchen zum Riechen ohne Atemfunktion zu bieten hatten. Durch fossile Funde kann belegt werden, das schon vor den ersten Wirbeltieren an Land Lücken für Nasenlöcher im Kiefer vorhanden waren. Das es zwei Löcher sind, hat für die Riechfunktion selbst einen Sinn. Durch den doppelten Vorgang kann der Mensch Gerüche intensiver wahrnehmen.
Warum der Augenhintergrund weiß leuchtet, wird von Forschern des Max-Planck-Institutes erklärt, die auf den Zusammenhang mit dem kooperativen Verhalten der Menschen untereinander verweisen. Da sich im Zwischenmenschlichen auch nach der Augenbewegung verhalten wird, muss diese möglichst kontrastreich zu sehen sein und deshalb entwickelte sich das ausgeprägte Weiß.
Warum Haare grau werden, wird ausführlich durch das langsame Nachlassen des Farbstoffs Melanin bei zunehmendem Alter erklärt. Auch das die Haare gar nicht grau, sondern einzeln weiß sind. Grau entsteht somit nur als optischer Gesamteindruck.
Warum fallen Wolken nicht vom Himmel?
Wolken entstehen, wenn in kältere Schichten Feuchtigkeit getragen und mit Wasserdampf übersättigt wird. Wolkentröpfchen bewegen sich dann tatsächlich mit etwa einem Zentimeter pro Sekunde nach unten, erklärt der Physiker Wernli aus Mainz in diesem Buch. Die Bewegung ist so gering, das wir sie optisch nicht wahrnehmen. Tatsächlich fallen Wolken vom Himmel, Tröpfchen für Tröpfchen. Kommt immer mehr Feuchtigkeit von unten, verdunsten weniger Tropfen und es fängt an zu regnen.
Donner grollt, da ein Blitz kilometerlang sein kann und sein Schall aus verschiedenen Höhen akustisch zu einem Grollen wird. Der Regenwurm wird bei Regen aktiv, damit seine Gänge nicht voller Wasser laufen. Er muss dann besonders stark in Bewegung bleiben, um nicht zu ersticken. Pflanzen können in ihrem Wachstum den Asphalt durchbrechen, da ihr innerer Druck sehr hoch werden kann. Er liegt dann bei unglaublichen 15 bar, was wirklich sehr hoch ist wenn man bedenkt, das Autoreifen nur mit 2 bar aufgepumpt werden.
Schlafende Vögel fallen nicht von der Stange, weil ein Vogelfuß eine eingebaute Sicherung hat. Setzt sich der Vogel, spannt sich eine Sehne vom Oberschenkel bis zur Zehenbeuge, die fest in die Knochenvertiefung einrastet. So kann er ohne weitere Anstrengung sitzen und auch im Schlaf hält die Verbindung. Wenn er aufwacht, löst er aktiv mit Muskelkraft diese Verankerung und kann wieder davon fliegen.
Zur Lesbarkeit des Buches
Für ewig Neugierige und Wissbegierige ist das Buch ein empfehlenswerter Lesetipp. Da es sich dazu eignet öfter einmal Fragen nachzuschlagen, lohnt sich auch der Kauf. Der Autor erzählt gern ein bisschen um die Frage herum, es finden sich nicht nur punktgenaue Antworten sondern auch noch etwas weitschweifigere Informationen rund um die Thematik, jeweils ca. 300 - 400 Wörter lang.
Um Kinderfragen zu beantworten, eignet sich das Buch nur mittelbar. Zum einfachen Vorlesen sind die benutzten Formulierung oft nicht kindgemäß. Doch gibt der Text dem Erwachsenen die Chance, Antworten selbst schnell zu finden und kindgerecht umzuformulieren. Und da es im Volksmund so schön heißt: “man wird alt wie eine Muh und lernt trotzdem noch dazu“, ist in diesem Sinne jede Antwort auch ein Wissenszugewinn ohne obere Altersbegrenzung.
Thomas de Padova: Wissenschaft im Strandkorb. Das Buch der Alltagsfragen. München, Piper Verlag 2009, 155 Seiten, 7 Euro.
