
- Das Café - Gerth Medien
Längst sind die Zeiten vorbei, dass Romane nur noch unterhaltsam sein sollten. Die Leser erwarten mehr: Sie möchten neben einer fesselnden Story eben auch die eine oder andere Lebensweisheit schön verpackt in einem glaubhaften Handlungsstrang präsentiert bekommen – zumindest jene Leser, die an spirituellem Tiefgang ihren Gefallen gefunden haben. Und nach Belletristikbestsellern wie "Die Hütte" oder "Der Traum" tröpfelt entsprechende Lektüre auch langsam, aber sicher vom Literaturhimmel – so wie der Roman "Das Café", der von den Machern der beiden Bestseller "Die Hütte" und "Der Schrei der Wildgänse" stammt.
Das Café: Jeder braucht einen Ort, an dem er echt sein kann
"Jeder braucht einen Ort, an dem er echt sein kann", dieser Satz ziert neben einer verrosteten Kaffeetasse, die auf einem alten Holzgeländer steht, das Buchcover – eine verheißungsvolle Kombination aus Bild und Text, die zugegebenermaßen äußerst tiefsinnigen Lesestoff verspricht. Und nicht wenige Exemplare werden vermutlich schon alleine aus diesem Grund in den Einkaufstüten lesewütiger Bücherwürmer landen. Die Freude über die Neuerrungenschaft eines hoffentlich literarischen Meisterwerks, das im See des Glaubensbekenntnisses gebadet hat, wird nur leider allzu schnell aus den erwartungsvollen Gesichtern weichen, denn wirklich spirituellen Tiefgang sucht man hier vergebens – auch wenn die Story an sich zumindest in ihren Grundzügen versucht, den Leser zu unterhalten. Während die drei Autoren noch zu Beginn des Buchprojektes "Das Café" ganz offensichtlich von derselben Muse geküsst wurden, die schon der inspirierende Ausgangspunkt für "Die Hütte" von William P. Young war, versiegte genau jene Ideenquelle bis zum Ende der Lektüre gänzlich. Statt göttlicher Erleuchtungsmomente erlebt so mancher Leser eher Ernüchterungsschläge, die ihn unsanft auf den Boden der seichten Literatur schmeißen. Die Handlung selbst kämpft um jeden noch so kleinen Spannungsbogen, und auch die Lebensweisheiten tümpeln eher unliebsam vor sich hin. Wirklich Brauchbares in Sachen "Gott und Glauben" können sich vielleicht Hardcore-Atheisten ziehen, die ihr ohnehin nur müdes Lächeln, das sie für die Leichtgläubigkeit so mancher Christen übrighaben, mit derlei Lesestoff für alle Ewigkeit einzementieren können. Schade eigentlich, denn der eigentliche Plot (Handlungsablauf) hätte durchaus mehr hergeben können.
Das Café – sehr gute Settings, guter Plot, aber mangelhafte Ausarbeitung der Handlungsstränge
Dass die drei Autoren ein Auge für die Auswahl besonderer Literatur haben, die auch nachhaltig berührt, das haben sie mit der Verlagsgründung aufgrund des Bestsellers "Die Hütte" bewiesen. Dass ein ausgeprägtes literarisches Gespür nicht zwangsläufig zum Bücherschreiben autorisiert, zeigt "Das Café". Zwar überzeugen sowohl die Settings (Schauplätze) als auch der eigentliche Plot, aber bei der Ausarbeitung der einzelnen Handlungsstränge hapert es dann schon gewaltig. Und so muss sich der Leser im Grunde einer seitenlange Protagonisten-Erkenntnisreise hingeben, deren Ziel es ist, zu erkennen, dass Wutausbrüche für das Familienleben nicht ganz so förderlich sind. Vorsichtiges Randthema ist, dass auch Gott zu dieser Erkenntnis beigetragen kann, und dass der christliche Glaube eventuell dabei helfen könnte, genau jene schlechten Gewohntheiten zu überwinden – Gott und der Glaube an sich bleiben aber bestenfalls die Geburt einer Nebenhandlung, keinesfalls sind sie wirklicher Bestandteil der Lektüre. Alles in allem kann also gesagt werden, dass "Das Café“ durchaus Potenzial zu mehr gehabt hätte, aber den beschwerlichen Weg vom seichten Glaubensgewässer ins große Literaturmeer einfach nicht geschafft hat.
Bill Thrall, Bruce McNicol, John Lynch: Das Café. Gerth Medien, 2010. Broschiert, 288 Seiten. Euro 14,99
