Rezension: Der Templer-Thriller "Dogma" von Raymond Khoury

Buchtitel Dogma - Rowohlt Verlag
Buchtitel Dogma - Rowohlt Verlag
Geschichten über die Templer gehen immer gut. Dazu noch die richtige Mischung aus Leichen und Lovestory und fertig ist ein Bestseller.

Die amerikanischen Schriftsteller haben ein Händchen dafür: für das spannende Erzählen. Kein Wunder, gibt es ja auch eine lange Tradition von Schreibwerkstätten an den Universitäten. Nun ist der Autor Raymond Khoury zwar kein geborener Amerikaner, er ist im Libanon geboren, aber er wuchs in den USA auf. Er studierte zunächst Architektur und arbeitete anschließend in der verrufenen Finanzbranche in London. Schlagartig berühmt wurde er mit „Scriptum“, das in Deutschland lange die Bestsellerlisten anführte und weltweit insgesamt über fünf Millionen Auflage machte sowie in 35 Sprachen übersetzt wurde. Auch darin ging es schon um die Templer, den Vatikan und eine Dechiffriermaschine.

Zwei Parallelhandlungen im Mittelalter und in der Gegenwart

Dan Brown und sein „Sakrileg“ lassen grüßen. Ungeniert hängt sich Khoury an dessen Erfolgsmasche an. In diesem Schmöker geht es nun um einen alten Templerschatz, der Anfang des 13. Jahrhunderts in Konstantinopel von drei Templern gerettet und heraus geschmuggelt wurde und dann verschwand. Zu dieser Zeit wurden die Templer nämlich verfolgt und in alle Winde verstreut.

Khoury baut nun zwei Parallelhandlungen auf. Die Geschichte spielt einmal in Rückblicken im 13. und dann in unserem gegenwärtigen Jahrhundert. In der Jetztzeit stößt ein Archäologe des Nahen Ostens auf eine Spur dieses Schatzes, wird sofort danach ermordet. Nun schaltet sich das allmächtige FBI der Vereinigten Staaten von Amerika ein mit einem James-Bond-Verschnitt als Held, Sean Reilly, in Liebe verbunden der Archäologin Tess, einer Kollegin des Ermordeten.

Viele Leichen auf vielen Buchseiten

Der Schatz entpuppt sich als weiteres geheimnisvolles Evangelium der Christen und Aufzeichnungen zum Konzil von Nicäa im Jahr 325, die angeblich die katholische Kirche ins Wanken bringen würden. Als Gegner, der die alte Truhe mit den Schriftrollen für den Islam und seinem Kampf gegen die „Ungläubigen“ nutzen möchte, tritt der Iraner Zahed auf. Nun beginnt eine kräftige Prise „Indiana Jones“, das heißt eine Jagd durch Europa, angefangen mit Bombenanschlägen mitten im Vatikan, mit Geiselnahme und vielen Toten. Es gemahnt an die Abschuss-Gewaltspiele im Internet, wo es darum geht, ohne lange Dialoge möglichst viele Gegner abzuknallen. Dieses unbedenkliche Menschen-als-Moorhuhn-Schießen stört auf die Dauer, immer entkommt der Böse, die Guten bleiben erstaunlich und oft unlogisch am Leben, wie es sich halt gehört für dieses Genre.

Die letzte Endlosschleife der Duelle ist mindestens eine zu viel. Bis dann doch zum Schluss der böse Zahed aus dem Flugzeug stürzt und mit ihm die Blätter des Templerschatzes ins unergründliche Mittelmeer hinterher. Aber die letzte Happy-End-Wendung wird nicht verraten, nur so viel: Sie gibt Khoury die Möglichkeit, den Plot weiter zu spinnen in einem neuen Thriller. Die Geschichte der Christenheit muss vorläufig nicht neu geschrieben werden.

Hauptschauplatz: die Türkei

Man lästert, doch muss man auch ehrlich sagen: Das Handwerk versteht der Autor, man verschlingt das Buch und legt es fast nicht aus der Hand bis zur letzten der 556 Seiten. Wunderschön und faszinierend sind die Beschreibungen von Konstantinopel und dem heutigen Istanbul sowie vom Karakorum, der weiten, gebirgigen Hochebene mit ihren Felsen, Schluchten und unterirdischem Höhlensystem rund um Ankara. Da kann sich das türkische Fremdenverkehrsbüro nicht beschweren: das macht Appetit auf eine Reise dorthin.

Raymond Khoura. Dogma. 556 Seiten. 9,99 Euro. Rowohlt Verlag Hamburg, 2011. ISBN: 9783499256387

Dr. Gabriele Hefele, Reinhard Hefele

Dr. Gabriele Hefele - Dr. phil. Gabriele Hefele gewann bereits mit 13 Jahren einen Preis für eine lustige Olympiareportage. Sie schrieb mit 17 ein ...

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