Rezension: Die Prinzessin kommt um vier. Eine Liebesgeschichte

Die Prinzessin kommt um vier - Amazon
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Das Bilderbuch von Wolfdietrich Schnurre erzählt eine ungewöhnliche Geschichte über das Anderssein, über Lügen und Liebe.

Wolfdietrich Schnurre ist ein deutscher Schriftsteller der Nachkriegszeit, der in erster Linie Kurzgeschichten geschrieben hat. „Die Prinzessin kommt um vier. Eine Liebesgeschichte“ ist bereits im Jahr 1959 erschienen. Der Bilderbuchkünstlerin Rotraut Susanne Berner gefiel die Erzählung so gut, dass sie dazu passende Bilder zeichnete. Im Jahr 2000 erschien „Die Prinzessin kommt um vier“ als Bilderbuch, 11 Jahre nach dem Tod des Autors.

„Die Prinzessin kommt um vier. Eine Liebesgeschichte“ hat nur zwei Protagonisten: einen jungen Mann, der gleichzeitig auch Ich-Erzähler ist, und eine Hyäne. Erzählt wird aus der Perspektive des Mannes, der eine ungewöhnliche Begegnung beschreibt. Zufrieden ist er auf dem Weg zum Zoo. Sein Ringelpulli und der Waschbärenschwanz auf der Mütze verleihen der Figur eine nette, gutmütige Ausstrahlung. Er läuft vorbei an Käfigen mit Löwen, Papageien, Bären, Krokodilen und Giraffen. Verblüfft und auch etwas erschreckt bleibt der Mann vor einem Käfig stehen. Drinnen befindet sich eine Hyäne. Als erstes fällt ihm der Gestank auf: „Ihr Pestatem trifft mich am Ohr.“ Fliegen und Ungeziefer schwirren um sie herum. Traurig sieht die Hyänne aus, aber auch hässlich. Weil der Mann vor ihrem Käfig stehen bleibt, nimmt sie die Gelegenheit wahr, ihm ein Geheimnis ins Ohr zu flüstern. „In Wirklichkeit“ behauptet sie eine richtige Prinzessin zu sein. Eine Einladung würde sie verwandeln. Spätestens jetzt wären die meisten Menschen weiter gegangen. Aber der Erzähler bleibt. In Gedanken überschlägt er seine Vorräte und lädt die Hyäne zum Kaffee ein.

Eine Prinzessin zu Besuch

Nachdem die Einladung ausgesprochen wurde, läuft der Mann nach Hause und zieht sich um. Hemd und Krawatte ersetzen den Ringelpulli. Er kocht Kaffee und deckt den Tisch. Ein paar Rosen aus dem Garten finden in der Blumenvase ihren Platz. Pünktlich um vier klingelt es an der Tür. Die Hyäne steht etwas schüchtern am Eingang. Eine grüne Handtasche lässt sie vornehmer erscheinen. Begleitet wird sie von einer Wolke aus Fliegen, Mücken und anderem Ungeziefer. Der Erzähler lässt sich davon nicht beeindrucken. Er bietet der Hyäne seinen Arm an und begleitet sie zum Tisch. Beim Anblick der Rosen und des gedeckten Tisches laufen ihr Tränen über die „zottigen Wangen“. Hier lässt sich die Besucherin nicht lange bitten und verschlingt laut schlürfend und schmatzend das Essen. Anschließend sitzt sie traurig da und gesteht, dass sie gelogen hatte. Sie ist keine Prinzessin. Die Antwort des jungen Mannes ist kurz: „Ich wusste es längst.“, sagt er und nimmt den Arm der Hyäne. Gemeinsam verlässt das ungleiche Paar das Haus. Der helle Mond strahlt vom Himmel herunter. Es bleibt ein offenes Ende.

Lügen oder Liebesgeschichte?

Es ist schwer eine Antwort darauf zu geben. Klar ist, dass die Hyäne gelogen hat. Der junge Mann schien es schon im Voraus gewusst zu haben. Obwohl sie alles andere als hübsch oder schon anzusehen ist, lädt er sie zu sich ein. Durch die Aufmerksamkeit, die er ihr schenkt verwandelt sich die Hyäne. Aus ihr wird zwar keine richtige Prinzessin, aber sie wirkt weniger abstoßend. Auf dem letzten Bild sind sogar die Ungeziefer, die sie bis jetzt begleitet hatten, verschwunden. Dies kann sowohl der Anfang einer Liebesgeschichte, wie auch der einer Freundschaft sein. Gerade das offene Ende regt die Fantasie an und gibt den Lesern die Möglichkeit, das Gelesene in Gedanken weiter zu führen.

Quelle:

Wolfdietrich Schnurre/ Rotraut Susanne Berner: Die Prinzessin kommt um vier. Eine Liebesgeschichte, Berlin 2010, Aufbau Verlag, Preis 9,95, ISBN 978-3-351-04115-1