Rezension: "Empört euch!" von Stéphane Hessel

Empört Euch  - Ullstein
Empört Euch - Ullstein
Ein genauer Blick auf Stéphane Hessel's „Empört euch!", das trotz der geringen Seitenzahl für ordentlich Zündstoff in der Gesellschaft gesorgt hat.

Zieht man Nachwort und Fußnoten ab, so kommt man auf fünfzehn Seiten. Nicht sonderlich viel aber die inhaltlichen Aussagen, die in Stéphane Hessel’s „Empört euch!“ stecken, sind dafür umso voluminöser. Im Oktober 2010 erblickte die französische Originalausgabe „Indignez-vous!“ das Licht der literarischen Welt und wenige Monate später erschien auch die deutsche Übersetzung im Ullstein Verlag.

Stéphane Hessel empört sich und andere

Vom Umfang her kann man „Empört euch!“ wohl am besten in die Rubrik Essay oder Streitschrift einordnen, hin und wieder wird es von Kritikern auch als Pamphlet bezeichnet. Ohne Zweifel ist das neuste Werk des über neunzigjährigen Hessel engagiert und an manchen Stellen auch ein wenig überspitzt, trotz allem schafft es der Diplomat die Dinge auf den Punkt zu bringen die so vielen Menschen unter den Nägeln brennen. Eine nette Anekdote ist – zumindest wenn man die deutsche Fassung in den Händen hält – die Tatsache das die Übersetzung von Michael Kogon stammt, dem Sohn von Eugen Kogon, der Stéphane Hessel seinerzeit im KZ Buchenwald das Leben rettete. Auch wenn es in „Empört euch!“ nicht immer den Anschein hat: Hessel sind Werte wie Freundschaft und Dankbarkeit durchaus wichtig. Ein Umstand, den man auch seinen Memoiren entnehmen kann, die vor knapp zehn Jahren erschienen sind.

Die Werte der Résistance

Im ersten Drittel von „Empört euch!“ widmet sich Stéphane Hessel seiner Vergangenheit und reflektiert Erfahrung von damals in die heutige Zeit. Während des Zweiten Weltkrieges engagierte sich Hessel in der französischen Résistance um gegen die deutschen Besatzer in dem Land vorzugehen, welches er seit seinem siebten Lebensjahr als Heimat bezeichnete. Er beschreibt, dass es vor allem die Empörung war, die ihn damals dazu angetrieben hat etwas verändern zu wollen. Laut der Aussage Hessel’s eine der elementaren Triebfedern um nicht nur etwas Gutes, sondern generell Veränderungen herbeizuführen. Somit erklärt sich auch sehr gut der Titel von „Empört euch!“ Er spricht in regelmäßigen Abständen immer wieder von den „Werten des nationalen Widerstandes“ und auch wenn es dabei auf den ersten Blick um Frankreich geht, sind dies trotz allem Ansichten und Wertvorstellungen die global anwendbar sind. Trotz aller Empörung bemüht sich Hessel nicht nur den weisen Mann mit dem erhobenen Zeigefinger zu mimen, sondern seine Meinung und Ansichten schlüssig darzulegen.

Die Kernaussage von „Empört euch!“

Umso weiter man in das Essay vorstößt umso deutlicher wird die Kernaussage, die Stéphane Hessel vermitteln möchte. Egal ob es sich um seine Sorge im schwelenden Nahost-Konflikt dreht, die Unfähigkeit der Vereinten Nationen oder aber seine eigene Mitarbeit an den Menschenrechtskonventionen: Hessel spricht sich gegen die Gleichgültigkeit in unserer Gesellschaft aus und dafür das es die Empörung an sich ist, die am Ende doch Gutes vollbringen kann. Er ruft dazu auf sich gewaltfrei gegen das aufzulehnen das moralisch verwerflich, nicht hinnehmbar ist.

„Empört euch!“: ein Fazit

Fünfzehn Seiten, die es in sich haben. Anders kann man „Empört euch!“ nicht bezeichnen. Möglicherweise bedarf es die Weisheit und Lebenserfahrung eines 93-jährigen Weltenbummlers um ein solches Werk zu verfassen. Vielleicht aber auch nur jemanden der – unabhängig vom Alter – es schafft auf eine eindringliche Art und Weise die Dinge beim Namen zu nennen. Zwar behandelt Stéphane Hessel die Dinge nur an der Oberfläche, anders ist es in der Kürze auch nicht möglich, aber dennoch liefert er wichtige Denkanstöße die man sich durchaus zu Herzen nehmen kann und vielleicht auch sollte.

Stéphane Hessel: Empört euch!, Ullstein-Verlag. Broschiert, 32 Seiten. Euro 3,99.

Andreas Schnell, Andreas Schnell

Andreas Schnell - Andreas Schnell ist freier Autor / Journalist und lebt gemeinsam mit seiner Frau und zwei Töchtern in Frankfurt/Main. Redaktionell ...

rss