Rezension – Ferdinand von Schirach "Verbrechen"

Ein Berliner Strafverteidiger berichtet über wahre Kriminalstories

Ferdinand von Schirach: Verbrechen - Piper Verlag
Ferdinand von Schirach: Verbrechen - Piper Verlag
Kriminalgeschichten aus erster Hand: Rechtsanwalt Ferdinand von Schirach erzählt aus seinem Alltag als Strafverteidiger in der Hauptstadt - ein überraschend gutes Debüt.

Ferdinand von Schirach, Jahrgang 1964, arbeitet als Rechtsanwalt in Berlin. Seine langjährige Tätigkeit als Strafverteidiger für Prominente, Industrielle, Politiker und Angehörige der sogenannten "Unterwelt" haben von Schirach nicht nur den Ruf eines gewitzten Anwaltes eingebracht, sondern auch zahlreiche Erlebnisse mit Menschen aller Couleur beschert.

In seinem schriftstellerischen Debüt stellt von Schirach elf seiner interessantesten Fälle vor. Geschickt eingebettet in spannende Kurzgeschichten erzählt der Autor von illegalen Machenschaften, Berliner Ganoven, schweren Jungs und leichten Mädchen.

Geschichten, wie sie das Leben schreibt?

Man möchte immer mal wieder verwundert den Kopf schütteln und an dem zweifeln, was man liest: Hat es sich wirklich so zugetragen? Ist diese Story wahr? Gibt es solche Menschen in Berlin, in Deutschland und entscheidet die deutsche Justiz tatsächlich so, wie in von Schirachs Buch beschrieben? Ja, anscheinend. Von Schirachs Buch beruht auf wahren Begebenheiten, auf Fällen, welche er selbst erlebt hat. Da erschlägt ein alter Herr seine Ehefrau mit einer Axt, weil er deren ewiges Gezanke nicht mehr ertragen kann. Eine wertvolle japanische Teeschale wird gestohlen, was einige blutige Zusammenstöße zur Folge hat. Bruder und Schwester pflegen ein inniges Verhältnis – so innig, dass die Schwester den Bruder aus Liebe tötet. Und ein braver Museumswächter dreht plötzlich durch, weil er über 20 Jahre ein und dieselbe Statue bewachen musste.

Nüchtern und sachlich erzählt der Autor von wahren Verbrechen

Von Schirachs Geschichten beleuchten in erster Linie nicht die deutsche Justiz, sondern die Menschen, welche mit ihr konfrontiert werden. Ob nun schuldig oder unschuldig – der Autor versteht es, ausgesprochen sachlich und unemotional über Schicksale und Erlebnisse zu berichten. Seine nüchterne Art über Mord, Totschlag und andere Verbrechen zu schreiben, ist spannender als manch fiktiver Bestseller-Thriller. Besonders bemerkenswert: Von Schirach verzichtet auf die sonst für Juristen so typische kryptische Sprache, die es unmöglich machen würde, die erzählten Stories schnell zu erfassen.

Ein empfehlenswertes Buch also, dass nicht nur Krimifans begeistern dürfte.

Ferdinand von Schirach - Rechtsanwalt und Autor

Geboren wurde von Schirach 1964 in München. Der Enkel des NSDAP-Politikers, Reichsjugendführers und Kriegsverbrechers Baldur von Schirach gehört seit vielen Jahren zu den deutschen "Promi-Anwälten". Auf Strafrecht spezialisiert zählten das ehemalige Politbüro-Mitglied Günter Schabowski, der ehemalige BND-Spion Norbert Juretzko sowie zahlreiche Vertreter aus Industrie, Politik und der "Unterwelt" zu seinen Mandanten.

Ferdinand von Schirach studierte von 1987 bis 1991 Rechtswissenschaften in Bonn, absolvierte von 1992 bis 1994 sein Referendariat in Köln und Berlin und legte schließlich 1994 erfolgreich in Berlin sein Assesorexamen ab. Seit 1994 ist Ferdinand von Schirach in der Hauptstadt als Rechtsanwalt tätig. "Verbrechen" aus dem Piper-Verlag ist von Schirachs erste schriftstellerische Veröffentlichung. Sie sorgte bereits kurz nach Erscheinen für Aufsehen und wurde von Medien wie dem Spiegel, der FAZ und der "Titanic" viel beachtet.

Ferdinand von Schirach: Verbrechen. Piper-Verlag 2009. Gebunden mit Schutzumschlag, 205 Seiten. Euro 16,95.

Foto, Katja Holzhei

Katja Holzhei - Katja Holzhei spricht mit losem Mundwerk, schreibt mit Herzblut, arbeitet mit Leidenschaft - als freie Journalistin und Texterin in ...

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