Rezension: Huppertz' Kinderroman "Biete Bruder! Suche Hund!"

Biete Bruder! Suche Hund! - www.amazon.de
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Nikola Huppertz steht in der realistischen Erzähltradition und überzeugt mit ihrer klaren Erzählstimme.

Nikola Huppertz hat sich wieder einmal an ein anspruchsvolles Thema gewagt. Die junge Autorin schreibt nicht nur zur Unterhaltung, sondern will auch die Lebenswelt der Kinder spiegeln und herausfordern. Man täusche sich nicht. Es geht nicht um einen seichten Hunde- und Unterhaltungsroman. Bei „Biete Bruder! Suche Hund!“ beleuchtet die Autorin Geschwisterrivalität und das soziale Gefälle in der deutschen Gesellschaft.

Nikola Huppertz schreibt über Geschwisterrivalität und das soziale Gefälle

Janne ärgert sich über ihren nervigen Bruder Emil, der immer Agent spielen will und sie zu jeder Tag- und Nachtstunde mit seinen Spielen nervt. Als wenn das nicht schon genug wäre. Wegen Emil bekommt Janne auch nicht ihren größten Wunsch erfüllt. Denn der gefährliche Agent hat Angst vor Hunden. Wie soll Janne da jemals einen Hund bekommen? Da hat es ihre Freundin Philine besser, und zwar auf ganzer Ebene. Philine ist Einzelkind. Sie hat ihr Zimmer für sich allein. Und sie wohnt nicht in einer Mietwohnung, sondern in einem richtigen Haus. Ihre Eltern verwöhnen sie und unternehmen Spannendes mit ihr und um das Maß voll zu machen hat sie auch noch einen Hund.

Als Philine nach Paris fliegt, biete Janne sich an, den Hund in Pension zu nehmen. Nur dass ihre Eltern davon überhaupt nichts wissen…

Nikola Huppertz zeichnet realistische Figuren voller Witz und Individualität

Nicht nur Janne ist eine eigenwillige Person, ausgestattet mit einer starken Erzählstimme, sondern auch alle anderen Personen sind liebevoll und originell in Szene gesetzt. Da gibt es die Eltern von Janne und Emil, die in einer Wohnung leben, weil sie vom Verdienst des Vaters leben müssen, da die Mutter noch studiert. Philines Familie kommt aus einer anderen Welt, wo andere Regeln gelten. Herr Kutschenreiter, der geheimnisvolle und gefährliche Hausmeister, entpuppt sich zu guter Letzt als netter Herr.

Nikola Huppertz schreibt in der Tradition der großen deutschen Autoren wie Michael Ende und Erich Kästner.

Wenn man die Bücher der Nachwuchsautorin Nikola Huppertz liest, will man mehr. Liebevoll zeigt sie Deutschland, wie es heute ist, und damit die verschiedenen Lebenswelten, in denen Kinder leben. Huppertz ist der skandinavischen realistischen Literatur verwandt.

Der Erzählstrang – Kind aus einfachen und Kind aus gehobenen Verhältnissen ist nicht neu – aber immer wieder eine Herausforderung, denn es geht um das Beschreiben der unterschiedlichen Milieus, ohne Stellung zu beziehen oder zu verurteilen. Dieser Plot erinnert an den Kinderklassiker „Pünktchen Und Anton“, einer der großen deutschen Kinderromane.

Beeindruckend ist die Sprache der Autorin, voller Witz und Wärme, die sich flüssig liest. Durch die Ich-Perspektive ermöglicht sie den Leser Identifikation und lässt ihn ganz nahe an die Person herankommen. Das hilft Kindern, die nicht gewohnt sind, zu lesen, sich in die Erzählung einzulesen.

Diese Perspektive glaubwürdig zu gestalten gelingt nur den wenigsten Autoren. Denn er muss vollkommen in die Perspektive der Kinder hereinschlüpfen. Auch das ist Nikola Huppertz meisterhaft gelungen.

Noch eine Anleihe an einen der großen der deutschen Kinderbuchautoren ist, dass jedes Kapitel durch eine kurze Zusammenfassung eingeleitet wird. Auch Michael Ende hat sich dieses Stilmittels bei seinem beliebten „Jim Knopf“, der jetzt fünfzig Jahre alt wird, angewandt.

Ein Kinderbuch vom Feinsten, welches Lust auf mehr macht. Und eineAutorin, die mit ihrer starken Erzählstimme und ihren spannenden und alltäglichen Themen sicher noch viel für ihre Leser bereit hält.

Nikola Huppertz: Biete Bruder! Suche Hund! Gabriel Verlag 2010. Gebunden 144 Seiten. € 9,90.

Eva Maria Nielsen, Eva Maria Nielsen

Eva Maria Nielsen - Kurzvita 1994 Diplom Theologin in Münster 1996 Rezensentin für den Evangelischen Buchberater 1999 Magister in ...

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