
- Kinderlos glücklich von Jeanne Safer 1998 - Taschenbuch Verlag ISBN 3-423-36051-8
Die Autorin hinterfragt, wie es Frauen geht, die keine Mütter sind. Und ob Mutterschaft fester Bestandteil eines weiblichen Lebensentwurfs sein muss. Die amerikanische Dozentin und Psychoanalytikerin Jeanne Safer, geboren 1947, ist eine bekannte New Yorker Autorin. Eigene Erfahrungen mit dem Entscheidungsprozess zur Kinderlosigkeit veranlassten sie dieses Buch zu schreiben. Weiterhin dokumentiert sie Berichte vieler Frauen, die sich bewusst gegen eigene Kinder in ihrem Leben entschieden. Das Sachbuch erschien 1996 in den USA und in deutscher Übersetzung im Taschenbuch Verlag München 1998.
Die Entscheidung gegen ein eigenes Kind
Jahrelang hätte Jeanne Safer mit sich selbst um die Entscheidung gerungen, ob sie eigene Kinder haben möchte oder nicht. Sie beschreibt diesen Prozess in ihrem Buch als einen persönlichen Kampf mit widersprüchlichen Gefühlen und Ängsten. Sie wäre sich bewusst gewesen, wie stark eine Entscheidung gegen Kinder ihr Leben grundlegend beeinflussen würde. Als Psychoanalytikerin sei sie in Selbstbeobachtung besonders geschult, habe sich intensiv mit der emotionalen Fragestellung zur Mutterschaft auseinander gesetzt. Auch befragte sie Frauen jedes Alters, die sich ebenfalls aus den verschiedensten Überlegungen heraus gegen eine Mutterrolle entschieden. Die vielfältigen Beweggründe dieser Frauen, ihre Gedanken über das Älterwerden ohne Kinder und ihre Motivation, den Sinn des Lebens nicht im Mutter-Sein, sondern im Ich-Selbst-Sein zu finden, beschreibt die Autorin verständlich. Mit ihrem Buch möchte sie Frauen eine Hilfestellung anbieten, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.
Ein Leben jenseits der traditionellen Mutterrolle
Jeanne Safer interpretiert die Mutterrolle im Buch als biologisches Potential, die jedoch keine notwendige Bedingung für das erfülltere Leben einer Frau ist. Kinderlosigkeit würde immer der Makel des Verzichts anhaften. Den emotionalen Schmerz zu leugnen sei jedoch zwecklos. Vermutlich würde nach Meinung der Autorin fast jeder kinderlosen Frau dieser schmerzliche Verlust bewusst sein. Auch wäre es für viele schwer, diesen Verzicht im Leben dauerhaft zu akzeptieren. Häufig neigen sie in mittleren Jahren dazu, die Entscheidung immer wieder zu überdenken. Jeanne Safer erzählt im Buch nicht nur Geschichten über kinderlose Frauen. Sie bringt ihr psychoanalytisches Fachwissen ein und verdeutlicht die Notwendigkeit, sich ernsthaft und ehrlich mit seinem eigenen Leben, seinen Bedürfnissen und Gefühlen zu beschäftigen. Sich selbst zu respektieren und anzunehmen, würde vielen Frauen schwer fallen. Doch der einfühlsame Prozess der Selbstbeobachtung wäre nach Ansicht der Psychoanalytikerin nötig, um eine sinnvolle Entscheidung zur Mutterrolle treffen zu können. Tatsächlich ginge von der Gesellschaft ein großer Erwartungsdruck aus, der Frauen fest mit der traditionellen Mutterrolle verbindet. Diesem Druck müsse man lernen auszuhalten. Eigene Bedürfnisse selbstbewusst zu akzeptieren sei der Schlüssel für ein erfülltes und kreatives Leben. Auch wenn man sich gegen Traditionen entscheidet.
Die eigene Geschichte der kinderlosen Autorin
Jeanne Safer beschrieb, wie sehr sie schon immer unsicher war, ob sie überhaupt ein eigenes Kind möchte. Sie wäre biologisch dazu in der Lage gewesen, Kinder zu bekommen. Die Voraussetzungen hätten gepasst. Doch sie traf die nach ihren Worten schwierigste und einsamste Entscheidung in ihrem Leben. Sie wollte keine eigenen Kinder. Fünf Jahre brauchte sie, um sich ab Mitte Dreißig noch einmal endgültig darüber klar zu werden. Sie wollte nicht das Dilemma lösen, indem sie sich unüberlegt auf eine Schwangerschaft einlässt oder sie aus unreflektierten Gründen vermeidet. Es gäbe nur wenig im Leben, was derartig endgültig und unwiderruflich ist, wie die Entscheidung für oder gegen die Mutterschaft. Man könne sich scheiden lassen, immer wieder umziehen oder den Beruf wechseln. Doch auf eine eigene Familie zu verzichten wäre wie eine Einbahnstraße ohne Wendemöglichkeit. Die Sehnsucht nach einem Kind wäre ihr trotzdem als Gefühl immer fremd gewesen. Jeanne Safer kämpfte mit dem verinnerlichten Anpassungsdrang, nicht als gefühlskalt oder selbstsüchtig gelten zu wollen. Sie hätte etwas nicht gewollt, was angeblich jede Frau möchte. Ihr Wunsch nach Kinderlosigkeit würde ihre Lebensgeschichte widerspiegeln. Sie würde keinem Baby ein Leben schenken, sich selbst jedoch eine erfüllte Existenz.
1989 begann Jeanne Safer mit ihrem Projekt, andere Nicht-Mütter gezielt zu interviewen. Im zweiten Teil des Buches berichten Frauen, warum sie die Mutterrolle für sich selbst ablehnten. Diese Entscheidungsprozesse werden von der Autorin im individuellen Verhältnis zu persönlichen Faktoren und Kindheitserfahrungen kommentiert. Im dritten Teil des Buches wird das Leben ohne eigene Kinder thematisiert, werden kinderlose Ehen porträtiert und Alternativen weiblicher Identität erörtert. Im letzten Thementeil beschäftigt sich die Autorin mit dem Altern und den nichtbiologischen Hinterlassenschaften eines Lebens. Der Epilog des Buches fasst zusammen, welche persönlichen Überlegungen zur Kinderlosigkeit wichtig sind. Die Autorin warnt Frauen davor, sich von niemandem zu einer Schwangerschaft drängen zu lassen, wenn nicht wirklich die innere Bereitschaft besteht.
Zum Buch: Kinderlos glücklich, Wenn Frauen keine Mütter sind, Jeanne Safer, München, Deutsche Erstausgabe März 1998, Deutscher Taschenbuch Verlag, 204 Seiten, ISBN 3-423-36051-8
Bildquelle: Buchumschlag des Münchner Taschenbuch Verlags 1998
