
- Otto: Der Tiger im Nacken - Kreuz Verlag
Auf die Frage, wie er denn sein „schlimmstes“ Erlebnis mit der Angst und Panik beschreiben würde, zögert der Autor Martin Otto nicht eine Sekunde. „Gar nicht“, antwortet der Mann, der seit seiner Kindheit an Angststörungen leidet, trocken, „es gibt zu viele ‚schlimmste' Erlebnisse in meinem Leben.“
In dem Buch „Der Tiger im Nacken“ beschreibt Martin Otto (Pseudonym) sein Leben, zumindest auszugsweise. Es ist ein Leben, in dem Angst und Panik die Regentschaft übernommen haben. Es ist ein persönlicher Bericht, eine Autobiografie.
Der Umgang mit der täglichen Angst, dem inneren Tiger
Mit Hilfe von Ghostwriterin Annette Piechutta verfasste Martin Otto als Betroffener dieses Buch. Es ist ein Bericht, der Erlebnisse aus jüngster Kindheit bis in die Gegenwart abbildet. Ungeschminkt, eindrucksvoll und schnörkellos. Ein Mann erzählt seine Geschichte, geprägt von Panikattacken. „Es geht mir nicht gut“ – ein Satz der am Ende des Buches eine ganz neue Bedeutung gewinnt.
Herzrasen und Atemnot, Schweißausbrüche und das Gefühl zu sterben – für Martin Otto Empfindungen und Symptome, die er fast schon liebevoll „Tiger“ nennt und gegen die er ununterbrochen ankämpft. Als Betroffener schildert Martin Otto anschaulich und geistreich den Umgang mit Angst, mit beherrschenden Gefühlen, die den inneren Tiger unbändig werden lassen.
Tabu: Über Angst spricht man nicht
Alle Menschen haben Angst – die einen mehr, die anderen weniger. Und manche können mit ihrer Angst nicht umgehen. Sie ist wie ein nicht zu bändigender Tiger, der losbricht wann und wie er will. Martin Otto kann seine Angst nicht kontrollieren. Warum er dieses Buch geschrieben hat? „Weil es eine Menge Ratgeber gibt, die nicht von Betroffenen geschrieben wurden“, sagt der in Berlin lebende Autor. Mit „Der Tiger im Nacken“ will Martin Otto aufrütteln und die Öffentlichkeit sensibilisieren. Für ein Thema, das nach Burn out und Depressionen doch schon längst den Weg zur breiten Gesellschaft gefunden haben sollte. Hat es aber nicht – Angst und Panik sind weiterhin Tabu-Themen.
„Der Tiger im Nacken“ lebt nicht von Einfallsreichtum, sondern von realen Begebenheiten. Ungekünstelt nimmt Autor Martin Otto seine Leser mit in die Abgründe seines Daseins. Als Betroffener, als einer der Angst und Panikattacken hat, outet er sich ganz öffentlich. Manchmal beschämend, manchmal erklärend und manchmal einfach nur berührend; aber nie langweilig oder erdrückend.
Das Buch ist auch für Angehörige von Menschen, die unter Angstzuständen und Panikattacken leiden, sehr empfehlenswert. Das Vorwort schrieb Prof. Dr. med. B. Bogerts, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin der Universität Magdeburg.
Über den Autor Martin Otto
Hinter dem Psydonym Martin Otto, Jahrgang 1966 in Berlin lebend, verbirgt sich ein Mann, der seit seinem 18. Lebensjahr unter Angst- und Panikattacken leidet. Er ist verheiratet und hat drei Kinder, lebt in Berlin und arbeitet als Kunsthändler und Galerist.
Martin Otto: Der Tiger im Nacken: Mein Leben mit Angst und Panik. Ein persönlicher Bericht. Kreuz Verlag 2008. Broschiert, 180 Seiten. Euro 14,95.
