Rezension: "Mystic River" von Dennis Lehane

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Cover "Mystic River" - copyright: Ullstein Taschenbuch Verlag
Dennis Lehane liefert mit "Mystic River" einen packenden Krimi, der ohne aufdringlich oder belehrend zu wirken, gesellschaftliche Probleme aufarbeitet.

"Du brauchst jetzt keine Albträume mehr zu haben", beruhigt Mr. Devine seinen Sohn Sean. Eher zufällig hat sich die Freundschaft zwischen den elfjährigen Jungens Sean Devine, Jimmy Marcus und Dave Boyle entwickelt, als Dave beim Spielen auf der Straße von zwei sich als Polizisten ausgebenden Pädophilen entführt wird. Dave gelingt die Flucht, ein Jahr später sind die Täter aus dem Verkehr gezogen, Mr. Devine beruhigt seinen Sohn. Doch ganz so einfach ist es nicht. Der Vorfall hat seelische Narben hinterlassen, die auch 25 Jahre später noch ihre spürbaren Auswirkungen haben.

Beängstigend beiläufige Entwicklung zum Mord

Ganz behutsam entwickelt Dennis Lehane die Atmosphäre, in der sich seine Hauptdarsteller durchs Leben schlagen müssen. Dabei gelingt es ihm, seine Leser intensiv in den Sog des Geschehens hinein zu ziehen. Das, was geschieht, ereignet sich zwar nicht zwangsläufig, aber mit einem Anflug von beängstigender Beiläufigkeit im unausweichlichen Trott des normalen Alltags. Die sinnlose Ermordung von Jimmys 19-jähriger Tochter Katie bringt die Freunde von damals in eine Situation, in der die verdrängten Gefühle der Vergangenheit sich nicht mehr zurückhalten lassen. Sean hat als Polizist nicht nur die Aufgabe, den Mordfall aufzuklären, sondern muss auch damit fertig werden, dass Dave zu den Hauptverdächtigen zählt und dass Jimmy über kurz oder lang zur Selbstjustiz greifen wird.

Milieuschilderung und Geheimnisse

Im Verlauf der Ermittlungen schildert Lehane die gesellschaftlichen Hintergründe, in denen neben den Polizeibeamten auch die Vertreter der Justiz der Straße ein gewichtiges Wörtchen mitzureden haben. Diese Milieuschilderung gelingt dem Autor angenehm unaufdringlich ebenso wie die psychologische Entwicklung der Charaktere. Zwei Beispiele zur Verdeutlichung: Die Beschreibung der Absicht von Jimmys geliebter Tochter Katie, sich ohne Wissen des Vaters mit ihrem Freund abzusetzen, oder die Umsetzung eines Dialogs, in dem Daves Frau Celeste dem Charme Jimmys erliegt und ausgerechnet ihm ihren schlimmen Verdacht gegen ihren Ehemann anvertraut.

Unaufhaltsame Eigendynamik der Sehnsüchte

Die sich abzeichnende Tragödie als Klassenkampf zu bezeichnen, ginge zu weit. Dennoch sind starke Ansätze in genau diese Richtung eine der Triebfedern der Handlung. Gegenseitige latente Abneigungen haben sich entlang der Demarkationslinie Buckingham Avenue schon lange vor der Zeit der Entführung des kleinen Dave manifestiert. Es bedarf nur weniger Vorfälle, dass sich diese immer wieder in nicht aufzuhaltender Eigendynamik steigern und zum offenen Ausbruch des Gewaltpotentials führen. Die Geschichte, die Dennis Lehane erzählt, ist einer dieser Ausbrüche - packend, spannend, fesselnd, niemals langweilig. Lehane ist zudem eine großartige Darstellung eines Teils der Gesellschaft gelungen, in dem der Alltag geprägt ist vom Streben nach einem kleinen Stückchen Anteil am großen Glück, von der Sehnsucht nach Geborgenheit und vom unschätzbaren Wert von echten Freundschaften.

Dennis Lehane, Mystic River. Ullstein Taschenbuch Verlag, 2004, ISBN-13: 978-3-548-26143-0, 9,95 € (D) / Originaltitel: Mystic River, erschienen 2001 by William Morrow New York

Günter Jagodzinska, Günter Jagodzinska

Günter Jagodzinska - Günter Jagodzinska, das bin ich ... - Jahrgang 1951 - aufgewachsen in dörflicher Umgebung mit sieben Geschwistern - ...

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